Brunegg
Schnell und schön: Diese Aargauer Familie hat das Seifenkisten-Fieber gepackt

Beim Seifenkistenrennen ist der Familie Hayoz aus Brunegg eine gute Zeit mindestens so wichtig wie das Design. Alternierend mit dem Jugendfest findet in Brunegg alle zwei Jahre ein Seifenkistenrennen statt.

Janine Gloor
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Im Hause der Familie Hayoz dreht sich alles um ein Gefährt ganz ohne Antrieb: eine Seifenkiste.

Im Hause der Familie Hayoz dreht sich alles um ein Gefährt ganz ohne Antrieb: eine Seifenkiste.

Sandra Ardizzone

Vor dem Haus der Familie Hayoz steht ein Auto, dahinter zwei Töffs, noch weiter hinten ein Quad. Motorisierte Fahrzeuge scheinen beliebt zu sein. Doch momentan dreht sich im Hause Hayoz alles um ein Gefährt ganz ohne Antrieb: eine Seifenkiste.

Alternierend mit dem Jugendfest findet in Brunegg alle zwei Jahre ein Seifenkistenrennen statt. Mitmachen können alle Brunegger in drei Kinderkategorien und einer Erwachsenenkategorie. Vor zwei Jahren musste das Rennen abgesagt werden, weil sich für das Verschiebedatum zu wenige Teilnehmer angemeldet hatten. Die Familie Hayoz war enttäuscht und hofft, dass es dieses Jahr, am 10. Juni, klappt.

Zu Hause bei Philippe und Golddy Hayoz und ihren Töchtern Jenna (10) und Jessy (5) hängt ein Bild vom Rennen vor vier Jahren. Die Seifenkiste auffällig zu nennen, wäre eine Untertreibung. Ein amerikanischer Pick-up-Truck en miniature, lila lackiert, mit pinkfarbenen Flammen. Die Farben haben die Töchter ausgewählt.

Jenna fährt die Kiste, einen Reithelm auf dem Kopf. Auf einem anderen Foto sitzt der Vater am Steuer. Beziehungsweise hat sich hinter das Steuerrad gequetscht. «Den Sitz musste ich herausnehmen», sagt er. «Doch das lasse ich mir nicht nehmen.» Philippe Hayoz und seine Frau Golddy hatten beide keine Erfahrung mit Seifenkisten, als sie vor zehn Jahren nach Brunegg zogen.

Jenna (10) und Jessy (5) sind am Seifenkisten-GP am Start. Das letzte Mal haben sie den Preis für das schönste Gefährt geholt.

Jenna (10) und Jessy (5) sind am Seifenkisten-GP am Start. Das letzte Mal haben sie den Preis für das schönste Gefährt geholt.

Sandra Ardizzone

Doch als er vom Rennen erfuhr, hat den Familienvater das Fieber gepackt. «Wenn die Meitli gross genug sind, rocken wir das Dorf», hat er damals gesagt. Seine Suche nach einem passenden Gefährt endete auf dem Estrich eines Ur-Bruneggers. «Eine uralte Kiste» habe er dort gefunden. Ungefähr 30 bis 40 Jahre alt.

Heute ist sie nicht mehr zu erkennen, als er sie dem früheren Besitzer vorgeführt hat, hatte dieser seinen Augen kaum getraut. Hayoz hat den Aufsatz für die Seifenkiste in Amerika bestellt und in der Bude seiner Kumpels lackieren lassen. Deren Logo prangt gross auf der Frontscheibe: «Hermanos Locos». Auf den Radkästen stehen die Namen der Töchter – «meine Prinzessinnen».

Hayoz ist Perfektionist. Als Erstes hat er den Sitz bezogen und den Lack auf diesen Farbton abgestimmt. Jetzt sind Sitz und Carrosserie wie aus einem Guss, beide mit Glitzerstaub überzogen. Ein modernes Gefährt, doch unter der violetten Haube befinden sich noch originale Teile: Die Achsen sowie die Steuerung hat Hayoz übernommen. Das Steuerrad ist auf ein Zahnrad übersetzt. «Das war mir wichtig», sagt Hayoz.

Eine Steuerung mit Seilzug wollte er seinen Töchtern nicht zumuten. Der Aufwand für die Kiste hat sich gelohnt: Sie gewann prompt die Auszeichnung für die originellste Seifenkiste. Dieses Jahr wird die jüngere Tochter Jessy die violette Kiste steuern. Jenna bekommt eine eigene – eine Rennseifenkiste.

Sandra Ardizzone

Gewicht und Spurbreite bestimmen die Rennnormen, die Farben die Tochter: Blau-Türkis. Hayoz ist Inhaber der Firma M&M Küchenmontagen. Das Werken an den Seifenkisten gefalle ihm einfach. Das Hobby auszuweiten und an mehr Rennen teilzunehmen, sei nicht geplant. «Wir wollen einfach im Dorf den Plausch haben», sagt er.

Schnell vom Rennfieber gepackt

Der Seifenkisten-Grand-Prix von Brunegg führt über die Sandhübelstrasse. «Da wird man richtig schnell», sagt Philippe Hayoz. Draussen, auf dem steilen Strässchen neben der Kirche, findet das erste Familientraining statt. Die ältere Schwester zeigt ihrer Nachfolgerin, wo die Bremse ist – «vorne rechts, fest draufstehen».

Helm auf, dann geht es los. Zunächst gemächlich, aber Jessy findet schnell Gefallen am Rennsport und drängt ihren Vater, sie immer weiter die Strasse hinaufzuschieben. «Jenna hatte viel mehr Respekt vor der Geschwindigkeit», erinnerte er sich. Golddy Hayoz steht unten am Hügel und beobachtet ihre Familie genau. Sie fährt lieber Auto statt Seifenkiste oder Töff. «Da fühle ich mich sicherer.»

Sandra Ardizzone

Immer wieder lässt sich Jessy vom Vater den Hügel hochschieben und kann mittlerweile schon einfache Lenkmanöver unternehmen. Jenna weiss noch, wo bei der Rennstrecke eine grosse Tücke liegt: «In der letzten Linkskurve». Am Samstag und am Sonntag vor dem Rennen gibt es am Sandhübel ein Probetraining. «Das nutzen wir voll aus», sagt Philippe Hayoz. Für ihn wird das Wochenende anstrengend; bei den Trainings wie beim Rennen wird er neben seinen Töchtern herrennen und rufen: «Brämse!» oder «Laufe loh!»

Zurück beim Haus posieren die Töchter noch einmal vor ihrer Seifenkiste. Die jüngere möchte sofort zurück zum Hügel und den ganzen Abend üben. «Die wird schnell fahren», sind sich die Eltern einig. Ihre Gesichter unterscheiden sich jedoch. Die Mutter schaut leicht besorgt drein. Der Vater strahlt.