Lenzburg
Schluss mit KV Lenzburg? «Der Kanton produziert ein Eigengoal»

Der Einwohnerrat Lenzburg befindet über die Abrechnung für die Millionen-Sanierung des KV-Schulhaus. Der Kanton will die Schule schliessen.

Ruth Steiner
Merken
Drucken
Teilen
Im Hünerwadelhaus ist seit Jahrzehnten die KV-Schule eingemietet.

Im Hünerwadelhaus ist seit Jahrzehnten die KV-Schule eingemietet.

Die Situation ist so grotesk, dass sie einer gewissen Komik nicht entbehrt. Erst vor wenigen Tagen hatte der Kanton die Absicht kundgetan, den KV-Schulstandort Lenzburg aufheben zu wollen.

Just am Donnerstagabend musste nun der Einwohnerrat über die Kreditabrechnung für den Umbau und die Sanierung des Hünerwadelshauses befinden. Dort ist schon seit Jahrzehnten die KV-Schule untergebracht.

Vor drei Jahren waren 4,4 Mio. Franken investiert worden, unter anderem, um das ehemalige Handelshaus aus dem 18. Jahrhundert den aktuellen Bedürfnissen des Schulbetriebs anzupassen. Bei den Feierlichkeiten im Frühling 2012 freuten sich Kanton und Stadt noch gemeinsam über die «Investition, welche den Schul-Standort Lenzburg festige». Doch das scheint nun alles Schnee von gestern zu sein.

Drittgrösste Schule

Entsprechend harsch fiel die Kritik im Einwohnerrat aus. Überrascht sei man gewesen, sagte die Sprecherin der Geschäftsprüfungs- und Finanzkommission (GPFK), Sabine Sutter-Suter (CVP), gehöre die Schule doch zu den grössten im Kanton.

Man dürfe vom Kanton doch erwarten, dass er haushälterisch umgehe mit den vorhandenen Mitteln, sagte Sutter. Auch mit Investitionen, die erst vor kurzem getätigt wurden.

Der Kantonsbeitrag in Lenzburg betrug rund 1 Mio.. «Die Investition ist zu schützen, ansonsten produziert der Kanton ein Eigengoal», sagte Sutter. Würde der Schulstandort Lenzburg geschlossen, würde das die Regionen nicht stärken, sondern mit Aarau und Baden zwei Pole schaffen.

Auch der Stadtrat gab sich überrascht über die Absicht, dass die drittgrösste KV-Schule mit der zweitbesten Auslastung nun aufheben will.

Bei soviel Wirbel um die plötzliche Standortfrage verkommt es fast zu einem Detail, dass der bewilligte Verpflichtungskredit von 4,6 Mio. Franken um fast 200 000 Franken unterschritten wurde. Ein Zückerchen, das der Einwohnerrat beim sonst doch eher bitteren Geschmack, den das Thema KV-Schulhaus derzeit hinterlässt, gerne entgegennahm. Die Abrechnung mit Bruttokosten von 4,4 Mio. wurde einstimmig genehmigt.

KV holt nun Gemeinden ins Boot

Nicht untätig geblieben ist man unterdessen auch bei der KV Schule Lenzburg Reinach. Der Vorstand beschloss vorgestern, für den Erhalt des Standortes Lenzburg «die zur Verfügung stehenden politischen und demokratischen Mittel auszuschöpfen», sagte Schulvorstandspräsidentin Kathrin Scholl. Man werde dafür eine Steuerungsgruppe einsetzen. In einem ersten Schritt werden nun alle Gemeinden, die Lernende ans KV schicken, informiert und ihnen eine Stellungnahme zur Anhörung vorbereitet.