Lenzburg
Schlossgeischt-Schränzer wollen in China vor Millionen-Publikum schränzen

Die Lenzburger Schlossgeischt-Schränzer spielten schon am Skiweltcup-Rennen der Männer in Garmisch-Partenkirchen. Nun wollen sie vor einem Millionen-Publikum in China Stimmung machen. Dafür sammeln die Schränzer nun Geld.

Peter Weingartner
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Bei den Schlossgeischt-Schränzern ist derzeit «Swissness» angesagt. Nicht zuletzt mit Hinblick auf die grosse Auslandreise im Herbst.

Bei den Schlossgeischt-Schränzern ist derzeit «Swissness» angesagt. Nicht zuletzt mit Hinblick auf die grosse Auslandreise im Herbst.

zvg

«Die Sache hat vor einem Jahr angefangen», sagt Daniel Kühne (50), vor 31 Jahren Gründungsmitglied der Lenzburger Guggenmusik Schlossgeischt-Schränzer: «Am Skiweltcup-Rennen der Männer in Garmisch-Partenkirchen konnten wir spielen.» China ist überall. China hört mit. «Jedenfalls erhielt Urs Welti, unser Tourneeplaner und damals Präsident, kurz darauf die Anfrage, ob wir in Schanghai auftreten möchten», umreisst er die Situation. Das war für 2017 doch etwas kurzfristig; für 2018 konnte sich der Verein das vorstellen.

Guggentreffen und Kinderfasnacht

Die Schlossgeischt-Schränzer treten regelmässig auch in der Region auf. Nebst der Schlossgeischter Nacht jeweils im Januar, organisieren sie am Fasnachtswochenende zwei Anlässe.

Am kommenden Freitag, 9. Februar ab 18.30 Uhr steht das 27. Guggentreffen in der Altstadt von Lenzburg mit rund 10 Guggenmusiken, welche die Altstadt in Lenzburg zum Beben bringen werden, auf dem Programm: Sternmarsch, Monsterkonzert, Platzkonzerte und Auftritte in Restaurants.

Tags darauf, am Samstag, 10. Februar um 14 Uhr, mit vorgängigem Kinderschminken, findet der Kinderumzug statt. Dem Verein geht es nach eigenen Angaben darum, das kulturelle Leben in Lenzburg zu bereichern. Zudem sollen Erfahrungen und Traditionen für Kinder nicht verloren gehen. Weitere Informationen unter www.sgsl.ch. (wpo)

Eine Task-Force, bestehend aus Conni Bläuer, Karin Wilhelm, Daniel Kühne und Urs Welti (alles aktive Ehrenmitglieder), machte sich an die Abklärungen. Positive Rückmeldungen von Guggenmusiken aus der Innerschweiz, die diesen Trip schon mal gemacht hatten – das Tourismusfestival in der chinesischen Grossstadt existiert seit 27 Jahren – bewogen die Gruppe dazu, die Details ins Auge zu fassen.

Das Festival wird live am Fernsehen übertragen, von gut 200 Millionen Menschen gesehen und von über 400 Gruppen aus 120 Nationen bestritten. Und an den Strassen Schanghais stehen Millionen Zuschauer.

«Was kostet der ganze Plausch?», das ist die Gretchenfrage, bestätigt Daniel Kühne. Reise und Transport der Instrumente sind Vereinssache; China übernimmt Unterkunft und Verpflegung und stellt einen Car samt Reiseleitung. Nicht ohne ist vor allem der Transport der Instrumente. «Wir verhandeln mit der Fluggesellschaft Emirates, wo man pro Person 32 Kilo Gepäck mitnehmen darf», verrät Daniel Kühne.

Wäre ein Containertransport per Schiff nicht günstiger? «Wir können nicht zwei Monate nicht üben», wirft Sebastian Wilhelm (31), der neue Präsident ein. Also wird man das Schlagzeug wohl zerlegen, während die Sousafone von Kühne und Wilhelm im Instrumentenkoffer mitreisen.

Crowdfunding mit Gegenleistung

Für diesen Transport betreiben die Schränzer über die Plattform «ideenkicker.ch», der Plattform des Lebensraums Lenzburg-Seetal der Hypothekarbank Lenzburg, ein Crowdfunding. Das Ziel: 5000 Franken. Sponsoren bekommen eine Gegenleistung, für 50 Franken beispielsweise eine CD, für 75 eine Postkarte aus Schanghai, für 1500 Franken (man denkt an Firmen) ein Werbebanner am Instrumentenanhänger.

Schlossgeischt-Schränzer-Präsident Sebastian Wilhelm und Daniel Kühne, der zu den Gründern der Guggenmusik gehört.

Schlossgeischt-Schränzer-Präsident Sebastian Wilhelm und Daniel Kühne, der zu den Gründern der Guggenmusik gehört.

Peter Weingartner

Es braucht da noch einen Schub, wenn bis 15. Februar 5000 Franken zusammenkommen sollen. Stand aktuell: 950 Franken. «Wir werden noch aktiv auf Firmen zugehen», sagt Kühne; auch hat der Verein sein Projekt bei Swisslos eingereicht. «Wir sind zuversichtlich», sagt Wilhelm.

«Die Ehemaligen waren sofort Feuer und Flamme», erinnert sich Daniel Kühne, während es bei den Aktiven bei der Lancierung der Idee durchaus auch skeptische Stimmen gegeben habe. Eins ist gewiss, so Sebastian Wilhelm: «Wegen des Geldes soll ein Lehrling nicht zu Hause bleiben müssen. Wir finden eine Lösung.» Der Verein wirft auch etwas von seinem Vermögen ein, das er sich durch Fronarbeit am Gauklerfestival, wo er die Festwirtschaft führt, und an der Schlossgeischter-Nacht erwirtschaftet hat.

Swissness in Schanghai

«So etwas zu machen, ist ein einmaliges Erlebnis», ist Kühne überzeugt. Vor allem das Mitmachen der Ehemaligen verstärke den eh schon «extremen Zusammenhalt». Er rechnet mit 50 Teilnehmenden: 25 Aktivmitglieder und 25 Ehemalige. Die Schlossgeischt-Schränzer reisen mit dem Gewand, das sie zum Thema «Gipfelstürmer» 2017 und «Wanderlust» 2018 tragen: Gilet aus Militärwolldecken, Knickerbockerhosen, weisse Stulpen, Edelweiss-Hemd. Swissness! Nur das geschminkte Gesicht ist 2018 ein anderes: Schweizer Kreuze, Kuh und Edelweiss. Wenn das nicht zu einem Tourismusfestival passt!