Lenzburg

Schloss-Dokumente ersteigert: «Das ist eine kleine Sensation»

Aargau ersteigert Dokumente zur Geschichte von Schloss Lenzburg.

Aargau ersteigert Dokumente zur Geschichte von Schloss Lenzburg.

Die Historische Sammlung Museum Aargau hat an einer Auktion bedeutende Briefen, Urkunden und Fotografien rund um das Schloss Lenzburg und deren einstiger Bewohnerfamilie Ellsworth (1911 bis 1956) ersteigert.

Rudolf Velhagen ist aus dem Häuschen. «Das ist eine kleine Sensation», sagt der Leiter der Historischen Sammlung vom Museum Aargau. Das Objektarchiv des Kantons hat an einer Auktion in Zürich bedeutende Dokumente aus der jüngeren Geschichte von Schloss Lenzburg ersteigert: Briefe, Urkunden und Fotografien aus der Zeit der amerikanischen Familie Ellsworth (1911–1956), den letzten privaten Besitzern der Lenzburg, bevor der Kanton in den 1950er-Jahren das Schloss kaufte.

Der Kanton Aargau ist damit neu im Besitz des originalen Kaufvertrags von Schloss Lenzburg zwischen den Ellsworths und dem amerikanischen Vorbesitzer August Edward Jessup von 1911. Das Schloss hatte damals für rund eine halbe Million Franken den Besitzer gewechselt.

Lenzburger Gästebuch

Der Kanton hat zudem laut einer Mitteilung 46 seltene Aussen- und Innenaufnahmen des Schlosses aus den Jahren 1911 bis 1934 ersteigert. «Die bedeutenden Fotografien zeigen, wie die Leute damals gelebt haben», freut sich Rudolf Velhagen. An der Auktion erhielt der Kanton auch den Zuschlag für das Gästebuch «Schloss Lenzburg» von Lincoln Ellsworth: Dieses enthält über 200 Eintragungen illustrer Besucher der Jahre 1912 bis 1954. Im Buch ist nachzulesen, wer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf der Lenzburg ein- und ausging. Dazu gehörten der amerikanische Astronom George Ellery Hale und die Opernsängerin Erika Wedekind, die auf der Lenzburg aufgewachsen ist.

«Wir haben gezittert»

Ersteigert wurde zudem ein Fotoalbum der Nordpol-Expedition von Lincoln Ellsworth und seinem norwegischen Begleiter Roald Amundsen, ebenfalls aus den 1920er-Jahren. Wer das Album aufschlägt, stösst auf 30 historische Silbergelatine-Abzüge. Die Aufnahmen zeigen Porträts von Ellsworth und Amundsen sowie die berühmte Hissung der norwegischen Flagge am Nordpol am 12. Mai 1926.

Laut Kanton ist der Kauf dieses Albums eine «kleine Sensation». Ähnlich euphorisch zeigt sich Rudolf Velhagen: «Das Polarbuch ist berühmt.» Man habe an der Auktion lange zittern müssen. «Wenn ein Sammler aus den USA oder ein Nordpol-Experte mit dabei gewesen wäre, hätten wir keine Chance gehabt», sagt Velhagen. «Unsere finanziellen Mittel waren beschränkt.» Unter dem Strich habe manrund 8100 Franken bezahlt. Knapp ein Drittel davon wurde von den «Freunden der Lenzburg» beigesteuert. Wem die Objekte zuvor gehörten, ist nicht bekannt.

Ausstellung im Frühjahr 2016

Die ersteigerten Objekte, welche die Ellsworth-Bestände ergänzen, sind laut Velhagen für die Forschung der Schlossgeschichte von grosser Bedeutung. «Deshalb ist es wichtig, dass die Objekte wieder aufs Schloss Lenzburg kommen und nicht irgendwo auf der Welt in einem Tresor lagern.» Die Objekte werden nun wissenschaftlich aufbereitet und teilweise restauriert. Eine Auswahl davon soll im Frühling 2016 auf der Lenzburg ausgestellt werden.

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