Region

Schlösser im Winterschlaf: Wer «füttert» Fauchi, den Drachen von Lenzburg?

So erleben die Besucher von Schloss Lenzburg das Schlafzimmer von Lady Mildred. PI

So erleben die Besucher von Schloss Lenzburg das Schlafzimmer von Lady Mildred. PI

In den Schlössern Hallwyl, Lenzburg und Wildegg wird auch in den besuchsfreien Monaten auf Hochdruck gearbeitet. Die drei Schlösser haben unterschiedliche Unterhaltsansprüche. Gewisse Reinigungsarbeiten erledigen Spezialisten.

Rund eine Viertelmillion Besucher – vor wenigen Wochen vermeldete Museum Aargau einen neuen Rekord. Die Schlösser Hallwyl, Lenzburg und Wildegg als Ausflugsziel sind offensichtlich beliebter als je zuvor. Jahr für Jahr jeweils im Oktober werden jedoch für einige Monate die Riegel vor die schweren Schlosstore geschoben und die Lichter gelöscht.

Weshalb das so ist, weiss Edith von Arx, Leiterin Marketing und Kommunikation von Museum Aargau: «Zwei der drei Schlösser können gar nicht beheizt werden, zudem befinden sich die Gärten und Parks in der kalten Jahreszeit im Winterschlaf – ein Besuch in frostigen Schlossmauern oder blütenlosen Gärten wäre wenig attraktiv.»

Ungleiche Unterhaltsansprüche

Einer, der ebenfalls bestens Bescheid weiss, ist Peter Brack. Seit über zehn Jahren arbeitet er als Konservator-Restaurator für Museum Aargau. Er betreut die gegen 50 000 Objekte umfassende historische Sammlung im Depot Egliswil. Gleichzeitig sorgt er dafür, dass die Schlösser im Frühling wieder in frischem Glanz erstrahlen und fit sind für den neuen Besucheransturm. Für ihn und die Betriebsleiter gehe die Arbeit am Saisonende erst so richtig los, sagt er: «Nebst Ab- und Aufbau von befristeten Ausstellungen werden notwendige Unterhalts- und Erneuerungsarbeiten erledigt.»

Und was für Sachunkundige auf den ersten Blick nicht unbedingt nachvollziehbar ist: «Die drei Schlösser haben ganz unterschiedliche Unterhaltsansprüche während der besuchsfreien Winterzeit», erklärt Spezialist Peter Brack. Allein die Reinigung der Böden, Objekte und der Vorhänge ist eine Weisheit für sich. Die Arbeiten werden von Fachspezialisten in Zusammenarbeit mit dem langjährigen Personal auf den einzelnen Schlössern erledigt.

Möbel werden laut Brack ganz einfach nur abgestaubt, herkömmliche Putzmittel gehen im Normalfall nicht. Alles andere «wäre ein Eingriff in das Objekt.» Die langen schweren Vorhänge in den Räumen werden nach einem genauen Reinigungskonzept von einer Textilfachperson aufgefrischt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Lüften. «Alte Steinbauten müssen täglich gut durchlüftet werden», betont der Konservator, um schlechtem Geruch, Feuchtigkeit und Schimmel vorzeitig den Garaus zu machen. Feuchtigkeit, so weiss er, kann auch in den Sommermonaten zum Problem werden. Dann nämlich, wenn an Regentagen scharenweise Besucher mit feuchter Kleidung ins Schloss strömen. «In solchen Situationen muss das Aufsichtspersonal reagieren und die Fenster öffnen», sagt Peter Brack. Die Luftfeuchtigkeit in den Räumen wird mit Messgeräten laufend kontrolliert.

Schutzhülle für die Objekte

Den individuellen Bedürfnissen der historischen Bauten und den Ausstellungsobjekten muss genaustens Rechnung getragen werden.

Was passiert also mit den kostbaren Möbeln auf der Hallwyl, wenn im Winter die Feuchte des Aabachwassers die dicken Schlossmauern durchdringt? Wer sorgt dafür, dass sich der Mief der kalten Jahreszeit nicht in den historischen Räumen der Wildegg festsetzt? Und ebenfalls eine ganze wichtige Frage: Wer füttert Schlossdrachen Fauchi auf der Lenzburg mit Aufmerksamkeit, wenn seine Freunde, die grossen und kleinen Schlossbesucher ausbleiben?

Die Nähe zum Wasser scheint für Schloss Hallwyl beziehungsweise für die ausgestellten Objekte tatsächlich ein echtes Handicap zu sein. Dem wird Abhilfe geschaffen, indem die Möbel aus dem unbeheizten Bau entfernt und in einen temperierten Raum in einem Nebengebäude gezügelt werden.

Auf der Wildegg fern von «gefährlichen» Wasseradern ist die Überwinterung der Gegenstände etwas einfacher. Zwar kann auch dieses Gebäude nicht beheizt werden, doch, so sagt der Restaurator, reiche es, wenn man sämtliche Möbel von der Wand weg ins Rauminnere rücke. Anschliessend werden alle Möbel zum Schutz vor Staub mit einer Decke eingehüllt.

Fauchi wartet auf neues Publikum

Die Lenzburg verfügt als einziges der drei Schlösser über eine Heizung. Die Räume werden in den Wintermonaten «leicht temperiert». Das macht zwar die Konservierung der Ausstellungsobjekte etwas einfacher, doch ist damit Fauchis Problem nicht gelöst. Da hilft wohl weder Putzmittel noch Durchzug.

Das Lebenselixier des berühmten Schlossdrachens ist nebst dem Strom aus der Steckdose nur eines: die unbedingte Zuwendung seiner grossen Fangemeinde. Und diese ist ihm ab dem 1. April wieder gewiss. Dann öffnen sich die Tore der drei Schlösser von Neuem. «Eine Schlosssaison mit vielen neuen Erlebnissen wartet», verspricht Kommunikationschefin Edith von Arx.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1