Bezirksgericht Lenzburg
Scheidungskrieg: Er zahlte keinen Unterhalt, sie verweigerte ihm die Kinder

Ein ehemaliges Ehepaar traf sich vor Bezirksgericht Lenzburg. Zwischen dem Albaner (46) und der Schweizerin (47) flogen verbal die Fetzen.

Anja Suter
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Zwischen dem einstigen Paar sind die Fronten verhärtet. (Symbolbild)

Zwischen dem einstigen Paar sind die Fronten verhärtet. (Symbolbild)

Foto: Chris Iseli

Es gab mal eine Zeit, in der Claudia und Tarik (alle Namen geändert) zusammen glücklich waren. Das Paar heiratete und bekam zwei Kinder. Seit März 2017 sind sie jedoch geschieden. Die Fronten sind verhärtet, so fest, dass die beiden gestern vor dem Bezirksgericht Lenzburg antraben mussten.

Sowohl Claudia als auch Tarik traten vor dem Bezirksgericht als Beschuldigte auf, beide hatten dem anderen etwas vorzuwerfen. So soll Tarik den Unterhalt für die zwei Kindern in den Monaten November und Dezember 2019 nicht an Claudia überwiesen haben. Gemäss Anklageschrift geht es dabei um 2220 Franken. Der 46-jährige Tarik, ein gebürtiger Albaner, hatte vor Gericht viel zu sagen. Regelmässig musste Gerichtspräsidentin Eva Lüscher seinen Redeschwall stoppen. «Meine Hoffnung war es immer, zu heiraten, Kinder zu bekommen und abends nach der Arbeit mit ihnen zu spielen», erklärte er. Der Wunsch sei auch in Erfüllung gegangen: «Ich hatte alles, was ich mir gewünscht habe.»

Tarik ist wieder verheiratet und hat zwei Kinder

Tarik ist inzwischen wieder verheiratet und hat mit seiner jetzigen Frau zwei Kinder, dazu kommen die beiden Kinder, die er mit Claudia hat und Kinder aus einer vorherigen Ehe. Unterhaltspflichtig ist er aber nur für die beiden Kinder, die er mit Claudia hat. «Ich würde gerne immer alles zahlen, aber ich habe das Geld nicht», erklärte er vor Gericht. Das Problem: Sein Lohn wird gepfändet. Er hat nach eigenen Angaben Schulden in der Höhe von 78000 Franken. Einen Teil davon sei während der Ehe mit Claudia entstanden. «Ich hatte kein Geld, um den Unterhalt vollständig zu zahlen. Ich lebe am Existenzminimum», begründete Tarik sein Vergehen.

Der Grund, weshalb er die Zahlung der Alimente gestoppt hat, ist jedoch gemäss Anklageschrift ein anderer. Tarik habe Claudia mittels Whatsapp-­Nachrichten zu einer Stellungnahme bringen wollen, heisst es. Dabei ging es um Spanien-Ferien, in denen die eine Tochter Bierschaum probieren durfte. «Ich will nicht, dass mit meinem Geld Alkohol gekauft wird», sagte er aufgebracht auf die Nachfrage der Gerichtspräsidentin. Auch Claudia und ihr Partner würden zu viel trinken, doppelte er noch nach.

Claudia schüttelte während der Aussage ihres Ex-Mannes häufig den Kopf. Doch auch ihr stand noch eine Befragung bevor. Ihr wird vorgeworfen, Tarik das Besuchsrecht der beiden Kinder verweigert zu haben. Dies geschah am 17. November 2019, also zur der Zeit, in der Tarik keinen Unterhalt zahlte. «Ich habe mich von meinen Emotionen hinreissen lassen und hatte einen schwachen Moment», sagte sie vor Gericht. Sie sei wütend gewesen, weil Tarik seinen Pflichten nicht nachgekommen sei. «Wenn ich könnte, würde ich es rückgängig machen.» Ein Eintrag ins Strafregister wäre für sie, die freiberuflich in der Gesundheitsbranche arbeitet, «eine Katastrophe».

«Beschäftigen Sie nicht den Staatsapparat»

Tarik hat seine Kinder am vergangenen Sonntag letztmals gesehen. «Mittlerweile geht es besser als auch schon», so Tarik. Und auch Claudia bestätigt, dass ihm der Besuch der Kinder wichtig sei. So bot Gerichtspräsidentin Eva Lüscher den beiden Streitenden einen Vergleich an: «Sie müssen irgendwie miteinander auskommen», sagte sie. So soll Claudia ihren Strafantrag zurückziehen und beide Parteien ihr Desinteresse an der Weiterverfolgung an der jeweiligen versuchten Nötigung erklären. Ausserdem sind beide in Zukunft dazu angehalten, auf weitere Nötigungen oder Drohungen zu verzichten. Nach einer weiteren emotionalen Debatte stimmten sowohl Claudia als auch Tarik dem Vergleich zu.

«Beschäftigen Sie nicht den Staatsapparat mit Ihren Streitereien. Sie haben immer noch zwei Kinder, um die sie sich auch gemeinsam kümmern», mahnte die Gerichtspräsidentin zum Schluss der Verhandlung.