Mahalia Horvath hat nicht viel Zeit, sie ist in Berlin an einem Workshop. In einer Pause nimmt sie sich Zeit für ein Telefongespräch. «Ich bin es mir gar nicht gewöhnt, über mich Auskunft zu geben», sagt sie. Doch möglicherweise wird es immer häufiger zu solchen Gesprächen kommen. Bereits zum zweiten Mal hat die 24-Jährige aus Beinwil am See den Kulturprozent-Studienpreis der Migros für junge Talente gewonnen. Ein Jahr lang erhält Mahalia Horvath monatlich 1200 Franken als Stipendium. «Ich habe mich gefreut und bin sehr dankbar», sagt sie.

Horvath studiert Physical Theatre an der Folkwang-Universität der Künste in Essen (D). Bewegungsschauspiel heisst der Studiengang auf Deutsch übersetzt, in der Schweiz bietet nur die Scuola Teatro Dimitri eine vergleichbare Ausbildung an. «Der Hauptunterschied zur klassischen Schauspielausbildung besteht darin, dass mehr Wert auf die freie Szene gelegt wird und dass auch eigene Stücke entwickelt werden können», sagt Horvath. Die Studentinnen und Studenten lernen, wie sie für eigene Stücke Regie führen können. Freie Szene ist eine Bezeichnung für Theater, die kein festes Ensemble haben und auch unkonventionelle Stücke aufführen. So sei man nach der Ausbildung in Essen auch nicht an ein traditionelles Haus gebunden. Doch – Horvath muss lachen – genau dies stelle sie sich im Moment gar nicht so schlimm vor. Im April beginnt ihr viertes und letztes Studienjahr. «Ich könnte mir vorstellen, nach dem Studium zwei Jahre fest an einem Haus angestellt zu sein und Spielerfahrung zu sammeln.» Aber das ist nur eine Option. Mahalia Horvath sprudelt nur so von Ideen, wie sie ihre Zukunft gestalten könnte. «Mit Sprache zu arbeiten, hat mir immer gefallen», sagt sie. «Früher wollte ich zum Radio.» Jetzt, besonders während des Filmworkshops, den sie gerade in Berlin absolviert, könnte sie sich auch vorstellen, zum Film zu gehen.

Mahalia Horvath stammt aus einer Künstlerfamilie. Ihr Vater ist Musiker, die Mutter Bewegungstherapeutin. In der Generation der Grosseltern finden sich ein Bildhauer und eine Kunstmalerin. «Meine Eltern haben mich auf meinem Weg immer unterstützt», sagt Mahalia Horvath. Und sie betont, dass es auch so gewesen wäre, wenn sie etwas ganz anderes studiert hätte. «Zum Beispiel Jura.»

Das Preisgeld wird gespart

Für den Wettbewerb von Migros Kulturprozent musste Horvath drei Szenen vorbereiten. «Alle waren auf körperlicher Basis, eine davon ganz ohne Sprache», sagt sie. Innert 20 Minuten mussten alle Szenen vorgeführt und die Bühne jeweils wieder umgeräumt werden. Anschliessend folgte noch eine Improvisationsaufgabe. «Dieses Jahr war ich sehr aufgeregt», sagt sie. Die internationale Jury war von ihrem Auftritt überzeugt. Zusammen mit vier anderen Teilnehmern gewann Horvath einen Studienpreis. Den grössten Teil des Preisgelds will sie zur Seite legen, damit sie nach dem Studium ein finanzielles Polster hat. Aber nicht alles wird gespart. «Ich habe mir Gesangs- und Sprechunterricht geleistet.»

Nicht nur auf der Bühne ist die junge Frau ständig in Bewegung. Zum Studium in Essen verliess sie die Schweiz, doch schon vorher verliess sie Beinwil am See – zumindest zeitweise. «Während der Fachmittelschule hatte ich ein Zimmer in Basel», sagt sie. Zu gehen fällt ihr leicht, aber sie kommt immer wieder gern zurück. «Ich bin gern zu Hause, bei meiner Familie und meinen Freunden», sagt sie. Eine Zukunft könne sie sich sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland vorstellen. Oder auch mit ihren eigenen Stücken herumzureisen.