Viele Birrwiler empfinden die abbruchreifen Gebäude auf dem «Köbi-Areal» seit langem als Schandfleck. Schon vor knapp zehn Jahren war das Grundstück Thema einer Gemeindeversammlung. Damals bewilligte der Souverän 70 000 Franken für ein Vorprojekt und eine Sondernutzungsplanung auf der gemeindeeigenen «Köbi»-Liegenschaft. Ein externer Investor sollte eine Zentrumsüberbauung realisieren. Heute gehört das Grundstück laut Baugesuch der Firma Chestonag (Seengen).

Für 4,83 Millionen Franken sollen zwei Mehrfamilienhäuser mit 15 Wohnungen und einer Einstellhalle gebaut werden. Die schlichten, hellgrauen Gebäude bekommen dunkle Balkongeländer, graue Ziegel und verschiedene Grünflächen. Und zum Dorfplatz hin plant das Büro Weber Architekten (Beinwil am See) einen kleinen Platz. Die Gebäude sollen laut Baugesuch mit Fernwärme aus der gemeindeeigenen Holzschnitzelanlage versorgt werden.

An das Schicksal des «Köbi-Areals» ist auch die Zukunft des Dorfplatzes geknüpft. Wegen der engen Platzverhältnisse mussten Kanton und Gemeinde mit dem dort anstehenden Strassenprojekt warten, bis klar war, was auf dem «Köbi-Areal» geschieht. «Nun konnten wir das Projekt mit dem Kanton auslösen», sagt Gemeindeschreiberin Monika Gloor.

Bevölkerung verdoppeln

Birrwil will wachsen: Die Bevölkerung ist in nur vier Jahren um über 23 Prozent angestiegen (Bezirk Kulm: 5 Prozent, Kanton Aargau: 5,5 Prozent). «Nach einem grossen Boom vor drei Jahren hat sich das Wachstum für den Moment normalisiert», sagt Monika Gloor. «Wir haben bereits eine gute Durchmischung von neuen und bisherigen Einwohnern. Viele Zuzüger engagieren sich und nehmen aktiv am Dorfleben teil».

Zuvor stagnierte die Bevölkerungszahl von Birrwil. 2013 veröffentlichte die Gemeinde schliesslich den Entwurf für ein Erschliessungsprogramm, um das zu ändern. Für den Zeitraum von 2012 bis 2031 sieht das Papier den Bau von 270 Wohnungen für bis zu 810 Personen vor. Das Dorf hatte 2012 noch 969 Einwohner. Weitere Projekte in den Gebieten Hobacker und Neumatt sind in den Prognosen nicht eingerechnet.

Aktuell ist das «Köbi-Areal» neben der Grossüberbauung des Färbi-Areals (siehe kontextuellen Artikel) das zweitgrösste Bauprojekt in Birrwil.

Wieder mehr junge Einwohner

Auch dank den Neuzuzügern konnte der Steuerfuss von 110 Prozent im Jahr 2004 auf mittlerweile 90 Prozent gesenkt werden. Und erstmals seit fast 40 Jahren erlebt Birrwil wieder eine Zunahme bei den unter 20-Jährigen: Der Bau von Mietwohnungen zur Senkung des Anteils an Einfamilienhäusern zahlt sich hier bereits aus. Hatte Birrwil 2006 noch 152 Einwohner unter 20 Jahren, waren es 2016 schon 162. Das entspricht 13,5 Prozent der Einwohner.