Lenzburg
Schal und Schelte vom Stadtchlaus für die Gemeindeammänner und ihre Kanzler

An der traditionelle Chlausmarktzusammenkunft im Burghaldenhaus am Chlausmarktnachmiitag ist der Stadtchlaus der Chef, die Ammänner und ihre Chefbeamten haben für einmal nichts zu melden.

Ruth Steiner
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Das gelb-grüne Niederlenzer Logo könnte ein Omen sein für Lenzburg als künftige Gartenstadt, meint der Chlaus. Ruth Steiner

Das gelb-grüne Niederlenzer Logo könnte ein Omen sein für Lenzburg als künftige Gartenstadt, meint der Chlaus. Ruth Steiner

Ruth Steiner

Wer hätte das gedacht: Auch der Stadtchlaus ist vor Eitelkeit offensichtlich nicht gefeit. Kein Zweifel, er geniesst seinen Auftritt vor der grossen Runde. Und wie. Exakt dieses eine Mal im Jahr, am Nachmittag des Chlausmarkts nämlich, darf er den Ammännern des Bezirks während einer Stunde das Rampenlicht streitig machen und ihnen erst noch tüchtig die Leviten lesen.

So blickten in der jüngsten Auflage der traditionellen Veranstaltung seine wachen Augen wiederum herausfordernd in die vor im sitzenden Reihen. Relegiert auf die Zuschauerränge, sassen die Gemeindeoberhäupter gemeinsam mit ihren Kanzlern und Gästen in den Repräsentationsräumen des Burghaldenhauses.

Warmer Schal für den Ammann

Zusammengepfercht wie auf einem Anklagebänkli – bereits seit Jahren schon sind jeweils mehr Gäste anwesend als das Platzangebot hergibt – harrten alle bangen Herzens der jährlich wiederkehrende Schelte. Und die liess auch in diesem Jahr nicht lange auf sich warten.

Genussvoll strich sich der Samichlaus über seinen langen weissen, augenscheinlich wohlgepflegten Rauschebart. Immer wieder drapierte er die bis tief auf die Brust fallenden vollen Bartlocken und hob schliesslich zu seiner Rede an.

Wer nun glaubte, ungeschoren davonzukommen, der irrte: Jahrein und jahraus ist der Chlaus omnipräsent, hält Augen und Ohren offen, lässt sich nichts von dem entgehen, was in den Bezirkskommunen passiert. Als Resultat davon, platziert er wiederum viele kleine Seitenhiebe in Richtung der Behördenvertreter.

Es verwundert wenig, dass die Fassade der ersten Bauetappe in der Lenzburger Widmi nicht lange auf sich warten liess (Stadtchlaus-Sprüche rechte Spalte). Inspiriert vom Innovationsgeist des Architekten, habe er seinem Esel ebenfalls einen gestreiften neuen Farbanstrich verpasst. Als Beweis präsentierte er das dafür vorgängig angefertigte Modell in Form eines Spielzeugesels.

Selber trug er einen exakt in denselben gelb-grünen Farben handgefertigten wollenen Schal. Diesen durfte anschliessend Daniel Mosimann in Empfang nehmen. Ob er dem Lenzburger Stadtammann mit dieser Geste vermitteln wollte, sich künftig wärmer anzuziehen?

Mögliche Gründe dafür lieferte der Chlaus gleich selber: Im ganzen Bezirk stehen auch 2014 viele Geschäfte an. Die Einwohnerzahlen steigen, die Alters- und Pflegeheime wachsen, es gelte Zufriedenheit in der Bildung zu schaffen, Grossbaustellen, Schulhäuser, Kreisel, Wohnsiedlungen, Strassen, öffentlicher Verkehr, sagte der Stadtchlaus und kam zum Schluss: «Die Gesamtfläche bleibt, es wird enger aber auch immer grüner.

Willkommen und Abschiede

«Mit dem «Lebensraum Lenzburg Seetal» wurde im ablaufenden Jahr ein regionales Entwicklungsprojekt gestartet. Ein Schiff-Modell gab es deshalb für den neuen Geschäftsführer Jörg Kyburz. Als Kapitän soll er das Boot mit seiner Mannschaft nun aus dem Hafen mit den flauen Winden sicher auf die offene See hinaus steuern.

Mit Nelli Ulmi aus Seengen und Kurt Kaufmann aus Meisterschwanden, beide nach 8 Jahren, und Maurice Humard aus Niederlenz, nach 16 Jahren, verabschiedeten sich drei Gemeindeoberhäupter aus dem Kreise. Sie treten per Ende Jahr von ihren Ämtern zurück.

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