Schafisheim
Schafisheim: Was die UBS von Coop lernen will

Firmenkunden der Grossbank UBS bekamen vom obersten Chef des Grossverteilers zu hören, wie Industrialisierung funktioniert. Die UBS steht da noch ganz am Anfang.

Von Thomas Röthlin
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Coop-Präsident Hansueli Loosli (l.) mit den UBS-Managern Christine Novakovic und Thomas Sommerhalder vor «seiner» Grossbaustellein Schafisheim.Emanuel Freudiger

Coop-Präsident Hansueli Loosli (l.) mit den UBS-Managern Christine Novakovic und Thomas Sommerhalder vor «seiner» Grossbaustellein Schafisheim.Emanuel Freudiger

Industrialisierung ist bei Coop nirgends so sichtbar wie in Schafisheim.

Hier setzt der Grossverteiler seine Logistikstrategie 2015 um, indem er die Verteilzentrale massiv ausbaut.

Industrialisierung heisst natürlich nicht von der Manufaktur in die Fabrik wie im 19. Jahrhundert, sondern höherer Automatisierungsgrad, tiefere Kosten und mehr Effizienz, wie Verwaltungsratspräsident Hansueli Loosli am Dienstagabend vor Firmenkunden der UBS ausführte.

Zu Coop neben seiner gigantischen Baustelle – der Aushub hat ein Volumen von fast 1000 Einfamilienhäusern – geladen hatte UBS-Regionaldirektor Aargau/Solothurn Thomas Sommerhalder.

Als ehemaliger Industrieller weiss er, wie Industrialisierung 2.0 funktioniert. Und Sommerhalder ist sich sicher: «Auch wir Bänkler müssen uns an die Industrialisierung gewöhnen.»

Dass die UBS punkto «Prozessoptimierung» einiges zu tun hat, machte Christine Novakovic deutlich, die das schweizerische Firmenkundengeschäft leitet.

Die Managerin, die während der Bankenkrise der Branche den Rücken gekehrt hatte, geizte nicht mit Selbstkritik: «Vom Kunden kann nicht erwartet werden, dass er unsere Ineffizienz bezahlt». Die UBS müsse ihre Servicequalität erhöhen.

Die UBS strebt mit ihrer «Industrialisierungsinitiative» an, sich stärker auf die Kunden zu konzentrieren, indem sie den Workflow im Backoffice vereinfacht und alles auslagert, was nicht zu den Hauptaufgaben einer Bank gehört.

Dieses «Kostensenkungsprogramm» bedeutet aber auch, dass die UBS bis 2015 weltweit 10 000 Stellen streicht. «Möglichst sozialverträglich», so Novakovic.

Tröstende Worte

Damit geht es der Grossbank nicht anders als dem Grossverteiler. Gemäss Coop-Chef Loosli wurden innerhalb von zwölf Jahren ebenfalls Tausende von Arbeitsplätzen abgebaut. Allerdings: Alle Coop-Mitarbeiter, die von der Schliessung ihres Standorts wegen der Zentralisierung in Schafisheim betroffen sind, bekommen einen neuen Job angeboten.

Coop leitete die Industrialisierung der Logistik, sozusagen das Backoffice im Detailhandel, schon 2005 ein. Loosli bezeichnete sie als «unheimlich wichtiges Kundenbindungsmittel». Tröstende Worte an die Adresse der UBS, deren Kundenfokussierung eine «schmerzhafte Transformation» (Novakovic) mit sich bringt.

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