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Schafisheim gibt bei der Zonenplanrevision Gas

Nach fünfjährigen Vorbereitungsarbeiten soll es in Schafisheim jetzt schnell gehen. Im Idealfall findet im Spätsommer 2019 eine ausserordentliche Gemeindeversammlung statt.

Urs Helbling
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«Wir wollen den Charakter des Einfamilienhaus-Dorfes beibehalten», sagt Gemeinderätin Nadine Widmer.

«Wir wollen den Charakter des Einfamilienhaus-Dorfes beibehalten», sagt Gemeinderätin Nadine Widmer.

Peter Siegrist

Vorgestern Montag hat der Gemeinderat Schafisheim die revidierte Bau- und Nutzungsordnung (BNO) genehmigt. Ab Samstag wird sie öffentlich aufgelegt. Wer davon tangiert ist, kann Einwendungen machen (das breiter angelegte Mitwirkungsverfahren fand bereits früher statt). Und dann soll es im Expresstempo vorangehen. Falls sich die Zahl der Einsprachen – wie erwartet – in Grenzen hält, will Gemeindeammann Roland Huggler bereit im kommenden Spätsommer eine ausserordentliche Gemeindeversammlung durchführen und den Souverän für die BNO abstimmen lassen.

Schafisheim ist nicht Staufen

Schafisheim hat einen gewaltigen Wachstumssprung hinter sich – was die Arbeitsplätze anbetrifft. Innerhalb von wenigen Jahren hat sich ihre Zahl nahezu verdoppelt. Auf 4500. Vor allem dank den Investitionen von Coop (dessen Areal ist nicht mehr Teil der BNO-Revision). Weit weniger sprunghaft verlief das Bevölkerungswachstum: von 2656 Personen (bei der Jahrtausendwende) auf heute um die 3000. Und das soll so weitergehen. «Wir streben ein moderates Wachstum an», erklärte gestern Gemeindeammann Huggler. Gemeinderätin Nadine Widmer, die Ressortleiterin Bau, ergänzte: «Wir wollen den Charakter des Einfamilienhaus-Dorfes beibehalten.» Mit der BNO-Revision soll zudem das ländliche Zentrum, der Dorfkern, aufgewertet werden. Es wird verhindert, dass die Bauernhäuser entlang der Kantonsstrasse zwischen dem Denner und der Mehrzweckehalle durch gesichtslose, moderne Mehrfamilienhäuser ersetzt werden. Mittels eines Flachdachverbots.

Lieber eine Westumfahrung

Ein grosses Thema in Schafisheim ist der Verkehr auf der Kantonsstrasse. Die neue BNO bringt da keine wesentlichen Änderungen. Im kantonalen Richtplan festgelegt ist eine Umfahrungstrasse im Osten des Dorfes. Über die Wiese zwischen Schafisheim und Staufen. Allerdings schwebt dem Gemeinderat jetzt eine Westumfahrung vor. Mit einem Tunnel durch den Binzen und den Lotten. Eine entsprechende Linienführung ist noch nicht in den Richtplan aufgenommen. Sie ist aber aus Sicht von Schafisheim nötig, wenn die Verkehrsprobleme von Seon (Knoten Dössegger) mit einer Nordspange gelöst würden (AZ vom Montag). Der Kanton und das Astra stellen zudem Überlegungen an, die T 5 direkt an die A 1 anzubinden. Mit einem Halbanschluss analog dem Projekt «Aarau Mitte».

Schafisheim ist im Gegensatz zu anderen Gemeinden in der komfortablen Lage, dass es nicht auszonen muss. Es hat 23,9 Hektaren unüberbautes Bauland. «Wir hätten laut Kanton mit der jetzigen Bauzone Platz für 3600 Einwohner», sagte Huggler. Angestrebt werden bis ins Jahr 2030 etwa 3200 Personen. Verdichtungen sind insbesondere im Gebiet der Einfamilienhäuser südlich der Firmen Schelling/Jumbo geplant. Dort soll neu drei- statt zweigeschossiges Bauen möglich sein. Das ist insbesondere für die noch nicht überbaute Wiese namens Mülleracker von Bedeutung. Ebenfalls dreigeschossig überbaut werden kann die Fläche nördlich des Kakteen Gautschi. Für den Talacker gibt es bereits einen Gestaltungsplan.

Grünzone entlang des Waldes

Etwas aussergewöhnlich ist der Vorschlag des Gemeinderates, zwischen den Häusern und dem Waldrand am Lotten und am Binzen eine Grünzone zu schaffen. In diesem Bereich ist heute baulich nahezu nichts möglich, der Kanton bei Bewilligungen sehr restriktiv. Mit der Grünzone würde sich die Gemeinde hier gewisse, immer noch bescheidene Freiheiten verschaffen.