Schafisheim
«Es kommen keine einfachen Jahre auf uns zu»

Nach vier Jahren im Gemeinderat kandidiert Schafisheims Vizeammann Nadine Widmer (45, SVP) nun als Gemeindeammann. Sie sagt: «Ich hatte von Anfang an eigentlich keine Ambitionen auf das Amt, aber so etwas lässt sich auch nicht planen.»

Valérie Jost
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Nadine Widmer (SVP): «Schafisheim ist kein Schlafdorf.»

Nadine Widmer (SVP): «Schafisheim ist kein Schlafdorf.»

Valentin Hehli

«Auf Kommando zu lachen, finde ich immer noch etwas schwierig», sagt Nadine Widmer, als der AZ-Fotograf sie vor dem Gemeindehaus ablichtet. Trotzdem lächelt sie auf den Bildern; im Hintergrund die Baustelle, wo momentan der neue Spielplatz sowie ein neuer Begegnungsplatz gebaut wird.

Diese zeitgemässe Infrastruktur – sie nennt mehrere Sanierungen, Strassen, das (nicht mehr ganz so) neue Schulhaus – sei denn auch ein grosser Pluspunkt der Gemeinde, so die 45-Jährige. Am Dorf gefällt ihr zudem, dass fast jeder jeden kenne: «Dieser Charakter macht die Gemeinde lebenswert, das wollen wir erhalten.» Und trotz seiner Kleinräumigkeit sei Schafisheim kein Schlafdorf, sondern habe ein starkes Vereinsleben, mehrere Läden und «im Gegensatz zu vielen anderen Gemeinden immer noch mehrere Restaurants im Dorf».

Ursprünglich hatte sie keine Ammann-Ambitionen

Nadine Widmer ist in Zetzwil aufgewachsen und wohnt seit 24 Jahren in Schafisheim. Seit Anfang 2018 sitzt sie im Gemeinderat, seit Anfang 2021 als Vizeammann.

Vor 15 Jahren war sie für die Schulpflege angefragt worden. Sie sagte aus beruflichen Gründen ab, jedoch mit dem Versprechen, sich zu einem späteren Zeitpunkt für das Dorf zu engagieren. Bei der nächsten Anfrage passte es dann, Widmer kandidierte für den Gemeinderat und wurde gewählt.

Nun will sie als Frau Ammann den abtretenden Roland Huggler (ebenfalls SVP) ersetzen – dabei war das nie ihr Ziel: «Ich hatte von Anfang an eigentlich keine Ambitionen auf das Amt, aber so etwas lässt sich auch nicht planen.» Die Entscheidung sei in Absprache mit den beiden erneut antretenden Gemeinderäten gefallen. In den letzten vier Jahren habe sie viel Erfahrung gesammelt: «Diese möchte ich der Gemeinde nun als Frau Ammann zur Verfügung stellen.»

Ob sie als Vertreterin der SVP, die im Dorf einen Stimmenanteil von 38 Prozent erreicht, einen Vorteil habe, wisse sie nicht. «Aber die Leute wissen, wo ich stehe, und kennen mich inzwischen auch.» Zudem sei das Ausbleiben einer Gegennomination fürs Ammann-Amt ein «schöner Vertrauensbeweis», wie sie sagt.

Bisher hatte sie das Ressort Hochbau inne. Das passt: Nach der Geburt ihrer beiden Kinder arbeitete die gelernte Typografin im elterlichen Betrieb als Planerin und Beraterin für Küchen und Innenausbau, wo sie sich Kenntnisse im Bauwesen aneignen konnte. Entsprechend könnte sie sich gut vorstellen, das Ressort zu behalten: «Die Verteilung sollte von den Kompetenzen her passen.»

«Ein Wohnangebot für ältere Menschen fehlt»

Im Hochbauressort begleitet sie auch Investoren, unter anderem in Bezug auf die neue Bau- und Nutzungsordnung (BNO) der Gemeinde. «Im uns möglichen Rahmen sorgen wir dafür, dass es gute Projekte sind», sagt sie dazu. Was in ihren Augen noch fehle, sei etwa ein Wohnangebot für ältere Menschen – sie kenne Leute, die deswegen wegziehen mussten. Mit der geplanten Umzonung «Teilrevision Stapfe II» an der Seetalstrasse, wo dereinst Alterswohnungen entstehen sollen, stehe nun aber im Herbst eine wichtige Entscheidung an.

Zum Wachstum der Gemeinde allgemein sagt Widmer: «Ein gesundes, massvolles Wachstum können wir mit unserer Infrastruktur tragen. Ausserdem würde es sich bei den Steuererträgen positiv zeigen.» Schafisheim habe in den letzten Jahren sehr viel investiert, die Sanierung der Kantonsstrasse etwa sei für so eine kleine Gemeinde «nicht ohne».

Diese Projekte müssten nun zuerst verdaut werden: «Es kommen keine einfachen Jahre auf uns zu. Wir müssen mit unseren Finanzen noch sorgfältiger umgehen als bisher.» Wo es möglich sei, solle man optimieren – etwa bei den Kosten für den Kinder- und Erwachsenenschutz, deren Anstieg ein «Spiegel der Gesellschaft» sei. Eine gangbare Option sei zum Beispiel eine Zusammenarbeit: «Dank unseren ausgewiesenen Fachleuten besteht die Möglichkeit, dass sich andere Gemeinden bei uns anschliessen können.»

Keine «One-Man-Show» im Gemeinderat

Trotzdem solle nicht «auf Teufel komm raus» gespart werden, so Widmer. Etwa im Bildungsbereich würden sich Investitionen immer lohnen: «Wir haben in der Schweiz kein Öl oder Gold, deshalb müssen wir diese Ressource nutzen.» Gute Schulen und Angebote wie Mittagstisch oder Tagesstrukturen seien zudem für Familien ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Wohnorts.

Persönlich beschreibt sich Nadine Widmer als Pragmatikerin, die zuverlässig, team- und kompromissfähig sei – eine Eigenschaft, die man für das Amt unbedingt mitbringen müsse, wie sie findet. «Im Gemeinderat macht man keine One-Man-Show, sondern muss gemeinsam Lösungen finden.»

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