Othmarsingen
SBB-Arbeiten: Damit das Schotterbett nicht zu einem Lotterbett wird

Am Wochenende schliessen die SBB ihre Gleisentwässerungs-Arbeiten in Othmarsingen ab. Verspätungen sind vorprogrammiert. Die Arbeiten sind für die «Elastizität» des Schotterbetts nötig, verkommt doch jede Bahnreise sonst zu einer Lotterfahrt.

Daniel Fuchs
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Gleisentwässerungs-Arbeiten in Othmarsingen

Gleisentwässerungs-Arbeiten in Othmarsingen

zvg SBB

Die Medienmitteilung der SBB liest sich wie die Anpreisung eines Federbetts. Die Rede ist aber vom Schotterbett. Die Mitteilung handelt von der Gesundheit des Gleises, das auf diesem Schotterbett liegt. Und von der Elastizität des Schotters, dessen Aufgabe es ist, Kräfte und Vibrationen der tonnenschweren Züge abzufedern.

Die SBB sind sichtlich besorgt um ein bequemes Bett für ihre Gleisanlagen. In Othmarsingen saniert ein Bautrupp seit dem 14. April die Gleisentwässerung. Denn: Fliesst das Wasser nicht gut ab, sammelt sich zwischen den Schottersteinen Schmutz an. Und dieser – so steht es in der Medienmitteilung – beeinträchtigt die Elastizität des Schotterbetts. Wegen dieser Gleisentwässerungs-Arbeiten kommt es auch in den Nächten vom kommenden Samstag bis Montag zu Verspätungen auf dem SBB-Netz im Raum Aarau-Lenzburg (siehe Kasten).

Mit diesen Einschränkungen müssen Bahnkunden rechnen

Aufgrund der Bauarbeiten sind die Strecken Lenzburg-Mägenwil und Lenzburg-Lupfig während der Nächte vom kommenden Wochenende teilweise gesperrt. Vom Samstag auf den Sonntag wird die SN1 laut SBB umgeleitet: Sie verlässt den Bahnhof Aarau sechs Minuten früher und macht in Hendschiken eine Spitzkehre. Auch in gegenteiliger Richtung verkehrt die SN1 via Hendschiken. Sie erhält in Lenzburg sechs Minuten Verspätung, so die SBB. Reisenden empfehlen die SBB, sich online schlau zu machen. Der Online-Fahrplan auf www.sbb.ch sei stets aktuell.

Kein Schotter in Tunnels

Was viele Bahnkunden nicht, und mit Sicherheit nur die Ferrophilen wissen: Das Regenwasser muss gut durch den Bahnschotter ablaufen können, damit die Fahrt nicht zu einer Rüttelfahrt wird.

Ein weiches Bett für die Eisenbahn: Der interessierte Pendler will mehr darüber wissen. SBB-Sprecher Reto Schärli erklärt, Schotter sei kostengünstig und dämpfe dabei in idealer Weise den hohen Druck der Züge und leite die so entstandenen Kräfte in den Boden ab.

Doch kommt nicht überall Schotter zur Anwendung. In Tunnels verursachen die rasenden Züge laut SBB-Sprecher Schärli einen hohen Luftdruck, der die Schottersteine durch die Luft wirbeln lässt. Weil diese die Bahnwaggons beschädigen könnten, lasse man in Tunnels den Schotter sein. Im Übergangsbereich von Schotter zu Beton würden deshalb Dämpfungselemente aus Gummi verlegt.

Das Problem mit dem Schmutz

Und was hat das nun mit der Entwässerung auf sich? Schärli erklärt: Mit der Zeit lagere sich Schmutz im Schotter ab. Dieser beeinträchtige die Entwässerung des Schotters und damit könne das Schotterbett seine Funktion nicht mehr optimal erfüllen. «Etwa alle zehn Jahre wird der Schotter unter den Gleisen mit einer Spezialmaschine ausgesiebt. Die Maschine holt den Schotter unter den Schwellen hervor, siebt diesen aus und bringt ihn wieder ein», erklärt Schärli den Vorgang.

Irgendwann – ungefähr alle 25 Jahre – helfe aber auch das nicht mehr. Etwa wenn die eckigen Steine durch die Vibration mit der Zeit zerkleinert und abgerundet worden sind. Dann wird das Schotterbett wie in Othmarsingen zu einem Lotterbett und muss ganz ersetzt werden.

Möge der Schotter auch in Othmarsingen wieder elastisch und geschmeidig werden. Um einer komfortablen Fahrt zwischen Aarau und Lenzburg willen.