Lenzburg/Niederlenz
Sand im Getriebe der Kieswerk-Kooperation: Einigung verzögert sich

Der Fahrplan für die weitergehende Kooperation der ortsbürgerlichen Kieswerke Lenzburg und Niederlenz sowie der Beton AG Niederlenz-Lenzburg verzögert sich. Der Gemeinderat Niederlenz will in einer Klausurtagung über den Lenzburger Vorschlag beraten.

Ruth Steiner
Merken
Drucken
Teilen
Kieswerk Lenzburg (Ramona Patt)

Kieswerk Lenzburg (Ramona Patt)

Die Vorgeschichte: Personelle Engpässe, organisatorische Probleme und Konkurrenzdruck veranlassten die beiden Kieswerkkommissionen von Lenzburg und Niederlenz, sich Gedanken über eine engere Zusammenarbeit zu machen. Beide Kieswerke sind im Besitze der jeweiligen Ortsbürgergemeinde. Dritter im Bunde ist die Beton Niederlenz-Lenzburg AG. Schlankere Strukturen, schnellere Entscheidungswege sind das Ziel.

An ihren Gemeindeversammlungen Ende 2012 sprachen die beiden Ortsbürgergemeinden je einen Drittelsbeitrag von 75 000 Franken als Verpflichtungskredit für fundierte Abklärungen. Diese sollten als Grundlage für ein geeignetes Betriebsmodell dienen. Ursprünglich war geplant, die neuen Strukturen den Ortsbürgern an ihren Wintergmeinden 2013 vorzulegen und sie anschliessend Anfang 2014 einzuführen. Dieser ehrgeizige Realisationsplan kann jedoch nicht eingehalten werden. Was ist passiert?

Klarheit über Abbauvolumen nötig

«In gemeinsamen Gesprächen mit einem externen Berater wurde rasch einmal klar, dass zwischen den beiden Kieswerk-Parteien noch zu viele offene Punkte bestehen», erklärt der Präsident der Kieswerkkommission Lenzburg, Stadtrat Martin Stücheli. Dazu gehört laut Stücheli vor allem auch die Tatsache, dass im bestehenden Richtplan über die vorgesehenen Abbaugebiete noch nicht überall Abbaubewilligungen vorliegen. «Hier ist Lenzburg einen bedeutenden Schritt weiter als Niederlenz. Das gesamte Abbaugebiet gehört den Ortsbürgern und es liegen Bewilligungen vor», so Stücheli. Deshalb musste zuerst Klarheit geschaffen werden über die möglichen Kiesabbauvolumen. Man beschloss, dafür eine Studie in Auftrag zu geben.

Das bestehende Beratungsmandat wurde vorerst sistiert. Ebenso hat sich die Beton Niederlenz-Lenzburg AG auf die Seitenlinie zurückgezogen, um die weitere Entwicklung abzuwarten.

Lösungsvorschläge weichen ab

Nach Vorliegen der Studienergebnisse haben beide Kommissionen im April ihre Vorstellungen über ein mögliches Zusammenarbeits-Konstrukt erarbeitet. «Der Stadtrat hat dieses im Mai abgesegnet. Anschliessend haben wir unseren Vorschlag der Kieswerkkommission Niederlenz überreicht», hält Stücheli fest. Im Gegenzug hat Niederlenz sein Angebot in Lenzburg deponiert.

Offenbar klaffen nun die beiden vorliegenden Zusammenarbeitsvorschläge noch zu weit auseinander. Niederlenz liess ausrichten, man werde im Moment nicht auf den Lenzburger Lösungsvorschlag eintreten. Vorerst wolle sich der Gemeinderat Anfang November in seiner Klausur mit der Thematik näher auseinandersetzen.

Niederlenz ist zu stark abhängig

Doch weshalb genau stagnieren die Gespräche? Für den Niederlenzer Partner scheint es derzeit ein heikles Thema zu sein. Gemeindeammann Maurice Humard gibt sich auf Anfrage zurückhaltend. «Die vorliegenden Zusammenarbeitsvorschläge gehen uns zu wenig weit und lösen unsere Probleme nicht», sagt er. Zudem habe sich Niederlenz mit den bestehenden Kooperationen bereits zu tief in die Abhängigkeit von Partnern manövriert. Ein weiteres Unterjochen komme für sie nicht in Frage. «Die Kiesverkaufszahlen sind eingebrochen», gesteht er. Derweil man sich in Lenzburg über glänzende Absatzzahlen freut.

Ebenso widerspricht Humard Stüchelis Darstellung über die Abbaubewilligungen. Bis jetzt habe man alles gemacht für eine gute Zusammenarbeit, dies wäre seines Erachtens auch künftig der Fall gewesen.

Niederlenz sucht neue Lösungen

Maurice Humard verhehlt seine Enttäuschung über die bestehende Situation nicht. ««Niederlenz hat sehr grosse Abbaureserven und die Bewilligungen für die einzelnen Abbautranchen stets rechtzeitig abgeholt. Uns bleibt keine andere Wahl, als die Fühler weiter auszustrecken und Alternativen zu prüfen.»

Wann die beiden Gesprächspartner wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren werden, ist derzeit noch offen. Eines steht jedoch bereits jetzt fest: Das Geschäft ist von der Traktandenliste der Wintergemeindeversammlungen sowohl Lenzburger als auch der Niederlenzer Ortsbürger gestrichen.