Die ersten Erdbeeren aus der Region sind heiss begehrt: Kaum sind die Sommertage angebrochen und die ersten Früchtchen reif, stehen auf dem Hof Bürgerheim auch schon die ersten Beerenfans Schlange.

Blitzschnell verschwindet eine Schale nach der anderen in Körben, Plastiktüten oder auf Autositzen und Velogepäckträgern. Ein Mädchen kann es sich nicht verkneifen und stibitzt ihrer Mutter eine leuchtend rote Erdbeere. «En Guete», ruft Christa Siegrist ihr zu.

Die 24-jährige Bäuerin sitzt unter einem Baum, auf dem Kopf trägt sie eine Baseballmütze mit einer Erdbeere darauf, ihre Oberarme sind braun gebrannt. Seit der Sommer so richtig da ist, steht sie und ihre Familie praktisch ununterbrochen im Einsatz.

«Ich kann die Erdbeeren schon nicht mehr sehen», sagt sie augenzwinkernd. Dank der heissen Temperaturen am Tag und der lauen Nächte würden die Erdbeeren auf ihrem 1,5 Hektar grossen Feld besonders schnell reifen.

«Bleibt es weiterhin so heiss, müssen wir schauen, dass die Erdbeeren keinen Sonnenbrand bekommen», sagt die junge Landwirtin, die sich auf den Beerenbau spezialisiert hat. «Sie verfärben sich lila, werden pappig und schmecken bitter.» Mit einem Schattierungsnetz schützt sie die Ernte vor der heissen Sonne.

700 Kilogramm im Tag

Bis jetzt ist Christa Siegrist mit der Ernte zufrieden. Bis zu 150 Gitter voller Erdbeeren kann sie täglich ernten: In einem Gitter haben zehn Schalen Erdbeeren à 500 Gramm Platz.

Durchschnittlich 700 Kilo Erdbeeren gehen also pro Tag in den Hofladen oder in die Landi Hallwilersee. In einer Spitzensaison erntet die Landwirtin eine Tonne. «Doch da muss alles stimmen – Wetter, Boden, Erdbeersorte, Pflücker.»

So süss die Erdbeere schmeckt, so mühsam ist es, sie zu pflücken. Christa Siegrist beschäftigt im Tag um die 30 Leute, die ihr beim Pflücken helfen. In diesem Jahr hätten sich viele Männer für die Arbeit gemeldet, sagt sie.

Morgens um halb sechs stehen alle mitten in den Erdbeeren, samt Chefin. Heuer ist sie erstmals alleine für die Feldschalenkontrolle verantwortlich, mit gestrengen Augen schaut sie ihren Mitarbeitern auf die Finger: Klemmen diese die Erdbeerstile länger als einen Finger breit ab oder mogeln sie verkrüppelte Früchte in die Schale, gibts eine Rüge.

«Ich will eine gute Qualität der Beere. Die Erntezeit ist so kurz, da müssen wir das Bestmögliche herausholen.» Denn hinter ihr liegen elf harte Arbeitsmonate, in denen sie die Erdbeeren gesetzt, gewässert und gehätschelt hat.

Auch wenn ihr die Arbeit auf dem Erdbeerfeld Spass bereitet, freut sich die Landwirtin auf eines: auf einen Regentag. Da kann sie etwas kürzertreten.