Hendschiken

Safrananbau im Aargau: Silvia Bossard und ihr rotes Gold

Sie überlebte einen Flugzeugabsturz, bei dem ihr Mann ums Leben kam. Nach diesem Schicksalsschlag entschied Silvia Bossard, etwas Neues zu beginnen pflanzt seit 2006 Safran in Hendschiken an.

Ein schwerer Schicksalsschlag führte dazu, dass sich Silvia Bossard in ihrem Leben neu orientieren musste. Mit grosser Leidenschaft widmet sie sich seit 2006 dem Anbau von Safran in Hendschiken.

Zunächst von Vielen mit Skepsis betrachtet, läuft ihr Unternehmen Tagora mittlerweile recht erfolgreich. Dabei betont sie: «Ohne meine Familie und meinen Freundeskreis hätte ich es nicht geschafft.» Und Silvia Bossard hat noch einige Pläne, ihre Geschäftsidee auszubauen.

Vor fast genau zehn Jahren verlor Silvia Bossard ihren Mann bei einem Flugzeugabsturz in Neuseeland. Sie selber erlitt dabei schwere Verletzungen, unter deren Folgen sie heute noch leidet. Nach einer langen Zeit der Rehabilitation erkannte sie, dass sie ihr Leben anders organisieren und sich selbst mehr Ruhe gönnen musste.

Und so kam sie auf die Idee, im Aargau Safran anzubauen. «Einmal im Jahr ernten, das bekomme ich hin», erklärt sie den Grund für diese Entscheidung und fügt hinzu: «Ausserdem interessiert mich der Mythos Safran, der ja auch heilend wirken soll und ich frage mich, wie viel davon wohl stimmen mag.»

Neben dem Anbau und Verkauf ihres Safrans arbeitet die Unternehmerin auch an der Aufklärung der Konsumenten. «Viele Ware auf dem Safran-Markt ist gefälscht oder von schlechter Qualität und dennoch sehr teuer», sagt Bossard.

Laborproben zeigen, dass es sich bei vielen sogenannten Safran-Produkten um gestreckte echte Safranfäden oder eingefärbte Ringelblumenblüten handelt. Die Liste der «Ersatzprodukte» sei lang, erzählt sie, von Safranpulver rate sie ganz ab.

Umso wichtiger ist es ihr, selber ein sehr gutes Produkt zu verkaufen. Ihr Safran ist mit der Qualitätsstufe ISO 3632 zertifiziert. Für diese Norm werden die physischen Eigenschaften und chemischen Merkmale überprüft. Bossards Aargauer Safran übertrifft bei den Kriterien Farbe und Duft sogar die erforderlichen Werte.

Grosser Aufwand nötig

Um solche Werte erreichen zu können, ist ein grosser Aufwand erforderlich. Entgegen vieler Vorurteile sei die Safran-Pflanze im Anbau recht anspruchslos, erklärt Lisa Ferrari, eine der Mitarbeiterinnen von Silvia Bossard. Der Boden dürfe nicht zu schwer, sondern müsse eher sandig sein. Selbst eine Schneedecke mache den Pflanzen nichts aus, gehören sie doch zur Familie der Krokusse.

Silvia Bossard sagt: «Wir haben einige Test-Felder bepflanzt und dabei festgestellt, der Boden auf dem Hof meiner Familie in Hendschiken sich für den Anbau sehr gut eignet.» Natürlich habe es auch Rückschläge beim Anbau gegeben, unter anderem Schädlingsbefall, schildert sie die Lernprozesse. Doch aus den Erfahrungen lerne man und mache es dann besser.

In den ersten Jahren wurden die Knollen noch von Hand gesetzt. Mit der Zeit gelang es, diesen Prozess mit einer selber entwickelten Maschine zu mechanisieren. «Das ist eine grosse Arbeitserleichterung», stellt Silvia Bossard fest. Neben 50 000 Knollen aus Afghanistan setzte das Unternehmen 2014 auch eigene Knollen. In diesem Jahr wurde ausserdem ein Feld in Althäusern, wo Silvia Bossard wohnt, mit Knollen bepflanzt.

Sorgsame Ernte von Hand

Der hohe Preis des Safrans erklärt sich durch die enorm aufwendige Ernte und Weiterverarbeitung. Das Wetter spielt dabei eine wichtige Rolle. Sobald die Sonne scheint, blühen die Knospen auf. Bereits Mitte September begann in dieser Saison die Ernte und dauert voraussichtlich noch zwei Wochen.

Je nach Wetter sind um die acht Erntehelferinnen im Einsatz. Die Blüten der Safranpflanze werden sorgsam von Hand gepflückt und in Beuteln gesammelt.

Bei Silvia Bossard in Althäusern entfernen die Mitarbeiterinnen und sie selbst vorsichtig die purpurroten Narbenfäden. So ein Tag kann von 13 bis 20 Uhr und länger dauern, je nachdem wie die Ernte ausfällt. Das Gesamtgewicht des Ertrages beläuft sich dieses Jahr wahrscheinlich um die 1,5 Kilogramm.

Ihren Safran sowie einige andere Produkte verkauft Silvia Bossard hauptsächlich über ihren Online-Shop www.tagora.ch. «Es wäre gut, wenn wir unser Produkt auch in Läden unterbringen könnten», erklärt sie. Interessierte können sie auf Märkten finden, in diesem Jahr hatte sie ihren Stand auf dem Römi-Märt in Baden und dem Naturama-Herbstmärt in Aarau. Dort gab es auch Glace, Brot und Suppe mit Safran verfeinert.

Auf ihre Zukunftspläne angesprochen erklärt Silvia Bossard: «Mir ist es wichtig, mit unserem Produkt eine eigene Spur zu hinterlassen. Wir machen nichts nach, sondern erarbeiten uns unsere Erfahrungen und probieren eben auch neue Wege aus.»

Zurzeit wird an der Umsetzung für ein Safrangetränk und Kosmetika aus Safran gearbeitet. Wichtig sei ihr zudem die Zertifizierung mit dem Bio-Suisse-Siegel, teilt sie mit, dieser Vorgang dauere zwei Jahre. Im nächsten Jahr steht ihre Prüfung zur Landwirtin an, eine Ausbildung, die ihr sehr hilft, ihren Betrieb zu führen.

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