Gottesdienste, Seelsorge, Lesekreise und administrative Sitzungen: In etwa so lässt sich der Alltag von Timothy Cooke beschreiben. Der 59-jährige gebürtige Kanadier ist seit März Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Würenlos.

Die Kirche interessierte ihn schon in Kindheitstagen: «Dabei prägte mich mein Vater sicher auch, da er Präsident einer kanadischen Kirchgemeinde war. Die Idee, auf dem Gemeindepfarramt zu arbeiten, kam während des Studiums in Theologie.» Seine Anstellung in Würenlos erfolgte, nachdem das Dorf rund ein Dreivierteljahr eine Vakanz auf dem Pfarrposten verzeichnete.

Dass eine Gemeinde eine solch lange Zeit keinen Pfarrer habe, sei durchaus normal, sagt der zweifache Vater: «Eine Kirchgemeinde will nach dem Abgang eines Pfarrers meistens auch reflektieren und sehen, welchen Weg man in der Kirche gehen möchte und welche Person dafür als Pfarrer geeignet wäre.» Währenddessen übernehme ein Stellvertreter die Aufgaben des Pfarrers. Dass er sich für die Pfarrstelle in Würenlos bewarb, hat auch damit zu tun, dass er seinen Vorgänger Martin Schweizer kennt. So konnte er sich ein grobes Bild über die Kirchgemeinde und das Dorf machen.

Mordfall hinterliess Spuren

Nach seiner Einwanderung aus Vancouver in die Schweiz 2003 arbeitete Cooke zunächst als Pfarrer im aargauischen Gränichen. Der Umzug nach Europa gründet auf der Liebesbeziehung zu seiner Frau und der Einschulung der Kinder. Nach 13 Jahren übernahm er im Dezember 2016 einen Pfarrposten in Rupperswil – ein Jahr nach dem Vierfachmord, der die Gemeinde erschütterte.

SaW Newsletter

Zwar war Cooke nicht direkt in die kirchliche Unterstützung nach der Tragödie involviert, der Mord setzte aber auch ihm zu. «Weil ich nicht direkt für die Angehörigen zuständig war, konnte ich mich etwas abschirmen. Aber natürlich beschäftigte es mich damals und ist auch heute noch präsent», sagt Cooke. «Als eine meiner ersten Amtshandlungen in Rupperswil unterstützte ich meinen damaligen Pfarrkollegen bei der Durchführung der Gedenkfeier zum Jahrestag der Tragödie.»

Eine neue Ausrichtung der Kirchgemeinde Rupperswil bewog Cooke nach zweieinhalb Jahren, sich aus Rupperswil zu verabschieden: «Ich unterstützte die Kirchenpflege in diesem Erneuerungsprozess. Sie hätten es lieber gehabt, wenn ich geblieben wäre, aber ich fand es besser, den Platz freizumachen, damit eine jüngere Pfarrperson die Arbeit mit dieser Zielgruppe von mehrheitlich unter 20-Jährigen aufnehmen konnte.»

Schweiz ehrenamtlich top

In der Gemeinde Würenlos will Cooke nun ein weiteres Kapitel in seiner beruflichen Laufbahn als Pfarrer aufschlagen. Der kanadisch-schweizerische Doppelbürger möchte sich in den nächsten Jahren besonders für die Erweiterung und Vertiefung des Angebots für Senioren und Erwachsenenbildung einsetzen. Auch die Rekrutierung von neuen Personen für den Freiwilligendienst und die Kirchenpflege liegen ihm am Herzen.

Beim Thema Freiwilligenarbeit sei die Schweizer Bevölkerung besonders zu loben: «Ich nehme wahr, dass sie sich stark ehrenamtlich für Personen im Ausland einsetzt, die Hilfe benötigen. Das moralische Gewissen ist hier sehr stark.»

Das habe seiner Meinung nach auch damit zu tun, dass die Leute die Unterstützung und den Beistand der Kirche anderen weitergeben wollten. Erstaunlich findet Cooke, dessen Frau als Spitalpfarrerin in Aarau arbeitet, neben dem Einsatz der Schweizer Bevölkerung auch das Land selbst. «Die Vielfältigkeit ist bemerkenswert, verglichen mit dem kleinen Raum. In Kanada gibt es zum Beispiel weniger Dörfer in ländlichen Gebieten als hier. Die meisten Kanadier leben in Verhältnissen wie beispielsweise in der Stadt Zürich.» In der Freizeit ist Cooke gern draussen in der Natur unterwegs. Auch singen gehöre neben seinem Interesse für Eishockey zu seinen Hobbys, wobei an ihm kein Sänger verloren gegangen sei: «Dafür höre ich gerne klassische Musik.»