Rupperswil
«Das kann es nicht sein» – Gemeinderat Erich Hediger hat genug

Eigentlich wollte Erich Hediger (SVP) nach acht Jahren im Gemeinderat Rupperswil im Herbst als Vizeammann kandidieren. Nun zieht er sich aus der Politik zurück – völlig überraschend. Der AZ erklärt er, wieso.

Nadja Rohner
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Erich Hediger bei seiner Kandidatur 2013. Er gehört dem Rupperswiler Gemeinderat noch bis Ende dieses Jahres an.

Erich Hediger bei seiner Kandidatur 2013. Er gehört dem Rupperswiler Gemeinderat noch bis Ende dieses Jahres an.

zvg / LZB

Die Nachricht kam überraschend: In Rupperswil wird der bisherige Gemeinderat Erich Hediger (SVP) entgegen einer ersten Ankündigung nun doch nicht mehr zu den Gesamterneuerungswahlen antreten. Dabei hatte er bis vor Kurzem noch Vizeammann-Ambitionen gehabt. Was ist passiert?

Die gute Nachricht: Es ist kein gesundheitliches Problem. «Und auch keines innerhalb des Gemeinderats – im Gegenteil, wir haben ein super Verhältnis untereinander, auch wenn wir inhaltlich nicht immer einer Meinung waren», sagt Hediger, der dem Gremium seit knapp acht Jahren angehört. «Ich ging wirklich gerne an jede Sitzung, selbst wenn ich wusste, dass wieder hart debattiert werden würde.»

«So etwas gehört nicht an eine Gemeindeversammlung»

Der Auslöser für seinen Entscheid war vielmehr die Gemeindeversammlung gewesen. Nicht, dass die Pensenerhöhung für die Verwaltung statt um 180 nur um 60 Prozent bewilligt wurde; und auch nicht, dass die erhöhte Gemeinderatsbesoldung nur relativ knapp bewilligt wurde.

Was Hediger aber an die Nieren ging, waren persönliche Angriffe. Nicht gegen ihn als Einzelperson, sondern gegen den Gemeinderat als Gremium. «Wir mussten uns anhören, dass wir nicht drauskommen, unfähig und führungsschwach seien», beschreibt er. «So etwas gehört nicht an eine Gemeindeversammlung. Es ist für den Gemeinderat nicht angenehm, auf der Bühne so ausgestellt zu sein.»

Er habe nichts gegen Kritik, sagt der Landwirt, sie müsse Platz haben. «Die Parteienvertreter beispielsweise haben ihre Voten kritisch, aber sehr sachlich gehalten. Davon lebt eine Gemeindeversammlung.» Die Anfeindungen jedoch – «das kann es nicht sein». Hediger weiter: «Ich habe mir diesen Entscheid nicht leicht gemacht, weil ich wirklich Freude am Amt hatte. Aber es ist ein Haufen Arbeit und wenn man dafür so angegriffen wird, muss man sich irgendwann sagen: Das brauche ich nicht.» Jetzt, findet Hediger, sollen doch diejenigen, die an der Gemeindeversammlung so gepoltert haben, kandidieren. «Ich mache Platz.»