Sauerbrut
Ruedertal und Seetal von Bienen-Krankheit besonders betroffen

Die Bienen-Krankheit Sauerbrut herrscht zurzeit im Seetal und Ruedertal vor. Si ist zwar schwer auszumerzen, doch nun gehen die Fallzahlen in den beiden Regionen langsam zurück.

Janine Gloor und Rahel Plüss
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Peter Gautschi zügelt die Waben vom Vogelhaus in den Bienenkasten.

Peter Gautschi zügelt die Waben vom Vogelhaus in den Bienenkasten.

Rahel Plüss

«So etwas sieht man nicht alle Tage.» Peter Gautschi, der Reinacher Bienenverantwortliche, wird von diesem abtrünnigen Schwarm vor eine nicht ganz leichte Aufgabe gestellt: Die Bienen haben sich ein leerstehendes Vogelhäuschen als neues Zuhause ausgesucht.

«Normalerweise hängt so ein Schwarm frei», sagt Gautschi und weist zum Baum. Die Königin setzt sich auf einen Ast, das Gefolge tuts ihr gleich, sodass eine riesige Traube aus Bienen entsteht. Diese lässt sich vom Profi relativ einfach in eine Kiste abschütteln.

Diese Bienen hier haben sich gut verbarrikadiert. Nichtraucher Gautschi steckt sich einen Stumpen an und sagt mit leicht schuldbewusster Miene: «Der gehört zur Ausrüstung.»

Das Herunterholen des Vogelhäuschens stellt sich noch als einfach heraus: Einen Lappen ins Loch gesteckt, die Bienen im Häuschen sind gefangen. Der Stumpenrauch hält ihre herumfliegenden Artgenossen auf Distanz.

Doch: «Wie bekomme ich die bloss aus dem Vogelhäuschen raus?» Gautschi runzelt die Stirn und öffnet vorsichtig die Klappe. Das Bienenvolk hat schon fünf Waben gebaut, die Königin bereits Eier abgelegt.

Schwärme sollen gemeldet werden

«Die sind sicher schon über eine Woche hier drin», sagt Gautschi und fügt an: «Das ist der erste Bienenschwarm, der mir heuer gemeldet worden ist.» Es sei wichtig, dass die Leute schwärmende Bienen meldeten, nicht zuletzt, um der Verbreitung von Krankheiten entgegenzuwirken.

Dazu gehört die ansteckende Sauerbrut. Sie macht Bienen und Imkern das Leben schwer. Reinach ist sogar ein Sauerbrutsperrgebiet. Deshalb müssen die Bienen nach ihrer Bergung auch für drei Tage in den Keller in Quarantäne.

Sauerbrut

Die Sauerbrut gibt es, seit es Bienen gibt. Der bakterielle Erreger befällt die Waben, worauf die Maden sterben. Die Sauerbrut kann am unangenehmen Geruch erkannt werden, die Waben riechen nach Käse, Fussschweiss oder säuerlich.

Die Sauerbrut ist eine bakterielle Erkrankung der Bienenmaden. Die Fälle sind meldepflichtig. Im Aargau mussten dieses Jahr schon rund hundert Völker vernichtet werden.

Ein Blick auf die Karte zeigt, dass bis auf eine kleine Region in Wettingen vor allem der Südwesten des Kantons besonders stark betroffen ist: das Ruedertal und das Seetal. Nicht zum ersten Mal: «Schon seit 2010 haben wir in diesen Gebieten Probleme mit der Sauerbrut», erklärt Kantonstierärztin Erika Wunderlin.

Die Sauerbrut ist eine komplexe Krankheit, ihr Erreger ist trotz strenger Vorschriften nur schwer auszumerzen. «Meldet ein Imker einen Fall, wird um das betroffene Bienenvolk ein kreisförmiges Sperrgebiet von einem Kilometer errichtet», sagt Bieneninspektor Ralph Markwalder.

Danach hat der zuständige Bieneninspektor 30 Tage Zeit, um alle Bienenstände in diesem Gebiet auf die Krankheit zu überprüfen.

Erika Wunderlin betont jedoch, dass keine Epidemie zu befürchten sei: «Dank den Sicherheitsmassnahmen kann die Krankheit lokal begrenzt werden.»

In den Jahren 2011 und 2012 hatte die Krankheit im Aargau einen Höhepunkt erreicht: Pro Jahr meldeten bis zu 60 Imker mehrere befallene Völker. «Seitdem sind die Zahlen rückläufig», sagt Wunderlin. Zur Ansteckung kommt es, wenn sich Bienen an fremden, befallenen Stöcken laben.

Eine Behandlung für die Krankheit gibt es nicht. Und die Vernichtung der Völker reicht nicht: «Auch gesunde Völker können Träger der Bazillen sein.

Wenn die Bienen zu kalt haben oder Hunger leiden, kann es sein, dass die Krankheit ausbricht», sagt Wunderlin. Um die Krankheitserreger auszumerzen, braucht es das ganze Jahr über eine besondere Sorgfalt bei der Imkerei.

Für andere Tiere und den Menschen ist die Sauerbrut ungefährlich, weder der Honig noch ein Stich von infizierten Bienen ist schädlich.