Lenzburg

Rückkehr möglich: Nicht wiedergewählte Grossrätin Sabine Sutter-Suter führt ihre politische Arbeit fort

Sabine Sutter-Suter startet beruflich nochmals durch.

Sabine Sutter-Suter startet beruflich nochmals durch.

Sabine Sutter-Suter aus Lenzburg wurde nach einer kurzen Amtszeit im Grossrat wieder abgewählt. Nun führt die CVP-Politikerin die politische Arbeit in den Parteigremien weiter.

Den ersten vereinbarten Gesprächstermin muss Sabine Sutter-Suter kurzfristig verschieben, einer wichtigen Sitzung mit ihrem neuen Arbeitgeber wegen.

Die Grossrätin aus Lenzburg ist am 18. Oktober unerwartet hart auf dem Boden der Realität aufgeschlagen. Völlig unverhofft ist sie als Überzählige auf der Liste der CVP Bezirk Lenzburg ausgeschieden. Dabei hatte die Partei fest damit gerechnet, künftig mindestens in einem Zweierticket nach Aarau fahren zu können. Nebst der Verteidigung von Sutter-Suters Sitz war man wohl davon ausgegangen, dass das Mandat der vor einem Jahr zur CVP übergelaufenen BDP-Frau Maya Bally der CVP sozusagen als «Geschenk» zufallen werde.

Die CVP holte zu wenig Listenstimmen

Es kam anders: Die CVP des Bezirks Lenzburg bleibt weiterhin mit nur einem Sitz im Grossen Rat vertreten. Das Rennen machte Maya Bally. Auch wenn Sutter-Suter ihre Stimmenzahl gegenüber der Wahl vor vier Jahren um fast einen Viertel auf gut 2196 steigern konnte, schied sie aus. Die CVP holte zu wenig Listenstimmen für einen zweiten Sitz. Als kleiner Trost bleibt Sutter-Suter das persönliche Glanzergebnis.

Trotzdem: «Die Enttäuschung war gross. Mit diesem Ergebnis hatte ich überhaupt nicht gerechnet», sagt sie mit einigen Wochen Distanz zum für sie folgenschweren Wahlsonntag. Sie habe persönlich sehr viel Zeit in den Wahlkampf investiert, dabei in der Öffentlichkeit viel Unterstützung gespürt, blickt Sutter-Suter zurück. Doch die Anstrengungen wurden nicht belohnt, auch die süssen Spitzbuben-Guetzli, die sie während des Wahlkampfs grosszügig verteilt hatte, brachten ihr zwar viele Stimmen, nicht aber das Mandat.

Ein Jahr im Zeichen von Veränderungen

Sutter-Suter blieb jedoch kaum Zeit zum Trübsal blasen. Wenige Tage nach der verpassten Bestätigungswahl habe sie einen Telefonanruf erhalten mit einer Job-Offerte. Nun setzt die IT-Spezialistin wieder vermehrt auf die berufliche Schiene. Bereits seit Anfang November ist Sutter-Suter IT-Projektleiterin bei Baeriswyl, Tschanz und Partner in einem Projekt bei der Post; bis zum Ablauf ihres Grossratsmandats in Teilzeit, ab dem neuen Jahr in einem Vollpensum.

Rückblickend steht das Jahr 2020 für die 56-jährige Lenzburgerin im Zeichen des Wandels. Sutter-Suter lacht. «Durchaus, auch wenn eine derart rigorose Veränderung nicht geplant gewesen war.» Drei zeitintensive Engagements fallen ab dem neuen Jahr weg, nur zwei davon waren vorgesehen. Aufgegleist war der Rückzug aus dem Stiftungsrat «Orte zum Leben», den Sabine Sutter-Suter seit 2014 präsidiert hatte.

«Es ist uns gelungen, die Stiftung finanziell auf gesunde Beine zu stellen und das Angebot weiter auszubauen», bilanziert sie. Bereits im Sommer hat sie das Ausscheiden aus dem Familienzentrum «Familie+» in Lenzburg angekündigt. Sutter-Suter war treibende Kraft hinter der Realisation dieser Institution und stand ihr seit der Gründung vor elf Jahren als Präsidentin vor. «Die Nachfolgeregelung des gesamten Vorstands ist gesichert», sagt sie. Die neuen Kräfte werden an der Mitgliederversammlung im Mai 2021 gewählt.

Politische Arbeit der letzten Jahre trägt Früchte

Resignation ist für Sutter-Suter keine Option. Zu gross ist die Leidenschaft für die politische Arbeit. In den vergangenen vier Jahren hat sie bei 27 persönlichen Vorstössen mitgewirkt, «von denen ein Grossteil angenommen worden ist», betont sie.

Sabine Sutter-Suter nutzt die politische Bühne bis zur letzten Sitzung. So wurde gestern Dienstag ein Postulat von ihr behandelt und vom Regierungsrat entgegengenommen zum Thema «Entwicklungsschwerpunkt beim Umgang mit psychisch- und/oder sozialauffälligen Kindern und Jugendlichen». Im Kanton Aargau herrsche ein Mangel an Möglichkeiten, um die jungen Menschen ihren individuellen Bedürfnissen entsprechend zu fördern, beanstandet Sutter-Suter.

Sie freut sich über Vorstösse, die bereits Früchte getragen haben, wie zum Beispiel ein Postulat zur Vermeidung von Einwegplastik bei öffentlichen Veranstaltungen. «Das wurde am Eidgenössischen Turnfest im Juni 2019 bereits umgesetzt.» Die Liste könnte weitergeführt werden. Es ist kaum auszumachen, welche ihrer Vorstösse ihr mehr am Herzen liegen. Über jeden Vorstoss spricht sie mit derselben Ernsthaftigkeit und Überzeugung. In ihrer politischen Arbeit ist sie schwergewichtig in den Themen Familie, Frauen, Bildung, Umwelt und Energie und Finanzen tätig.

Das Mandat als Grossrätin gibt Sabine Sutter-Suter nun zwar ab. Als Präsidentin der CVP-Frauen des Kantons Aargau und Mitglied der Bezirks- und Ortsparteileitung wird sie die politische Arbeit weiterführen. Ist gar eine Rückkehr auf die Politbühne möglich? «Möglich», sagt sie ohne Zögern und fügt dann an: «Aber nicht sicher. Das werde ich mir überlegen, wenn es so weit ist.»

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