Lenzburg
Roter Schild prangt wieder an der Lenzburger Rathausgasse

Der jugendfestliche Blumen- und Fahnenschmuck in der Rathausgasse bekommt Konkurrenz: Nach mehrjähriger Pause prangt wieder das rote Schild hoch an der Hausecke zur Kirchgasse. Jahrzehntelang war dies das Markenzeichen von Walter Bertschi-Roeschis Handelshaus.

Heiner Halder
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Das Rote Schild erlebt eine Renaissance.

Das Rote Schild erlebt eine Renaissance.

Heiner Halder

Hier verkaufte der gewiefte Geschäftsmann Eisenwaren- und Haushaltartikel aller Art und handelte – lange vor Otto – mit Warenposten, vor allem ausrangiertem Armeematerial.

Neben dem Laden stapelte er seine Schätze in diversen Altstadt-Liegenschaften vom Keller bis hinauf in den Dachstock. Doch im Chaos war er der König: Selbst längst veraltete Gewinde und Schräubchen fand er im riesigen Schubladen-Korpus auf Anhieb mit einem Griff – buchstäblich die Nadel im Heustock.

Wanderprediger und Aufrüster

Bertschi (25. September 1902 bis 26. Mai 1985) war zudem Stadtkanonier, Munitionshersteller, Artillerist, Feuerwerker, Wanderprediger für Heer und Haus, moralischer Aufrüster und «Schwanenvater». Als Patriot stiftete er den General-Guisan-Stein auf dem Gofi.

Alles Vergangenheit, aber das rote Schild mit Jahrgang 1834, welches er als Schnäppchen von einem «Hützer» abkaufte und in den 50er-Jahren anstelle eines «Gillette»-Reklameschildes aufhängte, darf als Denkmal für eine besondere Persönlichkeit, ein Stadt-Original im besten Sinn gelten.

Private Initiative zur Renaissance

Bei der Fassadenrenovation des markanten Gebäudes stürzte das von Wind und Wetter unansehnlich und brüchig gewordene Schmuckstück einmal mehr ab und wurde in Einzelteilen bei Kunstschmied Ueli Schneider gelagert.

Das Rote Schild erlebt eine Renaissance.

Das Rote Schild erlebt eine Renaissance.

Heiner Halder

Auf Initiative von Urs F. Meier liess sich die Liegenschaftseigentümerin, Bertschi-Tochter Felicitas Trottmann, schliesslich davon überzeugen, dass das rote Schild im Andenken an ihren unvergesslichen Vater eine Renaissance wohl verdient hat.

Und dieser Tage war es so weit, das von Schneider sorgfältig sanierte und mit frischem Gold verzierte Schild strahlt in neuem Glanze. Mit sechs Schüssen und im zweiten Anlauf war das Werk enthüllt und erfreut nun die Passanten. Felicitas Trottmann, in gestylter Jugendfestrobe am Einweihungsakt beteiligt, bekannte, dass auch sie selbst das historische Wahrzeichen vermisst hatte und offensichtlich die erhebliche Investition nicht bereut. An der Finanzierung hat sich auch die Stadt mit dem Dietschi-Fonds beteiligt.

Dank privater Initiative und der Beteiligung von Fachleuten bildet das rote Schild den Gegenpol zum goldenen Löwen und der «Stadtuhr» im oberen Teil – ein weiteres dekoratives Element unten in der Rathausgasse.

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