Niederlenz
Rolls-Royce-Fahrt für den Geisselvater Ernst Lüthi

Am 23. Chlausklöpfwettbewerb in Niederlenz ist Geisselvater Ernst Lüthi (91) mit Rolls Royce und Applaus in den Stand des Geisselgrossvaters erhoben worden.

Peter Weingartner
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Thomas Körkel rollt den roten Teppich aus
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Grosser Empfang in Niederlenz: Geisselvater Ernst Lüthi wurde mit dem Rolls Royce abgeholt und über den roten Teppich geführt. Peter Weingartner
Dankbarkeit
Röbi Werren und Ernst Lüthi
Klöpfen ist nicht nur Bubensache
Junge Klöpfer warten auf ihren Einsatz
Jury notiert während des Vortrags
Auch der Samichlaus ist mit dabei
Stilstudie
Voller Einsatz vom Samichlaus
Keine zu klein, Klöpferin zu sein
Freude und Dankbarkeit
Er verteilt Gehörschutzpfropfen
Die gestrenge Jury
Der neue Geisselvater Röbi Werren flickt eine Geissel
Auch die acht Monate alte Evinja, die Urenkelin von Ernst Lüthi, ist dabei

Thomas Körkel rollt den roten Teppich aus

Peter Weingartner

Grosser Bahnhof für Geisselvater Ernst Lüthi in Niederlenz: Der 91-Jährige Geisselmacher muss am Sonntagnachmittag nicht seinen VW Passat chartern, nein, die Chlausklöpfer holen ihn überraschend mit einem Rolls Royce ab; dies in Begleitung von zwei Ehrendamen. Nicht genug damit: Klöpfer Thomas Körkel hatte acht Laufmeter roten Teppich gekauft, der am Sonntagnachmittag auf dem Wettkampfplatz beim Niederlenzer Schulhaus für Ernst Lüthi ausgerollt wurde.

Geisselvater Lüthi ist überwältigt vom Applaus, ein Zeichen der Dankbarkeit, der ihm entgegenbraust. «Ha gmeint, ich sig de Herrgott säuber», sagt er später in der Festwirtschaft über seine Fahrt in der Edelkarosse. Er habe gemeint, es gebe ein kleines Abschiedli, und jetzt das: «Weiss nid, söli brüele oder lache.» Er denke auch an seine an Demenz leidende Frau, die er seit Jahren zu Hause betreut.

Domenica, die Frau des Lenzburger Oberklöpfers Urs Schwager, herzt den abtretenden Geisselvater: «Der Anfang des Klöpfens liegt bei dir», sagt sie. Selina und Martin, ihre Kinder, lassen es sich nicht nehmen, ihrem «Lehrer» zu danken. Denn seit mehr als 60 Jahren sorgt Ernst Lüthi in Lenzburg und Umgebung für gute Geisseln.

Es braucht vor allem Feingefühl

Man hört es von allen Seiten: Bei Ernst Lüthi konnte man zu jeder Zeit vorbeigehen, seis um den Zwick zu ersetzen oder eine andere Reparatur vornehmen zu lassen. Seine erste Geissel hat er als Seiler-Lehrling in Lenzburg gemacht, unter seinem späteren Schwiegervater. «Das Geisselmachen ist nicht schwierig; es braucht etwas Feingefühl», sagt er. Und er habe sich eingebildet, über ein solches zu verfügen, fügt er mit Schalk hinzu.

«Ohne Ernst wäre der Brauch ausgestorben», ist Urs Schwager überzeugt. Der Geisselvater habe Generationen von Kindern auf den Geschmack gebracht, denn als Klöpfer wusste er um Tricks und Kniffe. Und wenn ein Vater mit seinen Kindern kam, habe es gleich die erste Lektion gegeben. So hat er auch seinen Nachfolger gefunden: Röbi Werren aus Egliswil, der nun mit seinem Sohn Dani Geisseln herstellt. Etwa 800 stellen Werrens pro Jahr her. Deutlich mehr als Lüthi seinerzeit, doch Werrens haben ihren Kundenkreis erweitert und beliefern auch die Landi.

Röbi Werren nennt die Beziehung zu Ernst Lüthi «fast ein Vater-Sohn-Verhältnis». Werren ist bereits 65 Jahre alt, betreibt wie sein Vorgänger das Geisselmachen als Hobby, klöpft aber selber nicht, im Gegensatz zu Sohn Dani. Und Röbi ist der neue Geisselvater der Region Lenzburg, während Ernst Lüthi gestern Abend zum Geissel-Grossvater gekürt wurde. Und ein paar Tränen verdrücken musste.

Die Ranglisten des Regionalen Chlauschlöpfwettbewerbs können Sie hier einsehen.