Am Mittwoch sprach der Angeklagte nach dem zweiten Teil des Plädoyers seines Verteidigers bereits das letzte Wort. Er sei anders, als er in den Medien dargestellt werde. Und auch nicht die Person, von der der Staatsanwalt und der Anwalt der Leasingfirma Fidis in den vergangenen Tagen vor Gericht gesprochen haben: «Ich bin kein Autokönig und kein Märchenerzähler. Ich bin ein ganz normaler Mensch, der arbeiten und Geld verdienen wollte», sagte Santoro.

Staatsanwalt Reto Steiger fordert für den 47-Jährigen eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Santoro habe sich des gewerbsmässigen Betrugs, der Misswirtschaft, der Urkundenfälschung und weiterer Delikte schuldig gemacht. Laut Steiger habe Santoro durch die sogenannten VIP-Leasingkonditionen seine Firma SAR Premium Cars in den finanziellen Ruin geführt. Zudem habe er die Jahresabschlüsse seiner Firma manipuliert, um weiterhin als erfolgreicher Geschäftsmann dazustehen. Santoro habe eine «unheimlich kriminelle Energie» an den Tag gelegt, um die Liquidität seiner Firma zu gewährleisten, sagte der Staatsanwalt.

Fidis will 12,6 Millionen

Die Leasingfirma Fidis, mit der Santoro zwischen 2007 und 2011 die meisten Leasingverträge abschloss, verlangt 12,6 Millionen Franken Schadenersatz von ihm. Fidis-Anwalt Stephan Schlegel bezeichnete Santoro als Lügner. Dieser habe auf Kosten der Fidis grobfahrlässig gehandelt: «Er hat bereits seit Mitte 2010 gewusst, dass seine Firma zahlungsunfähig war», so der Firmenanwalt. Statt Konkurs anzumelden, habe Santoro weitergemacht. Die Vorwürfe von Santoros Verteidiger, die Funktionäre der Fidis hätten über die VIP-Leasingkonditionen bestens Bescheid gewusst und dieses Modell mitentwickelt, weist er zurück.

Santoros Anwalt will Freispruch

Thomas Bosshard, der Santoro vertritt, erhob am zweiten und dritten Prozesstag Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft. Diese habe sich vom Anwalt der Fidis beeinflussen lassen und kein faires Verfahren geführt. Dass die Fidis-Funktionäre von den ausserordentlich günstigen Leasingkonditionen nichts gewusst haben wollen, bestreitet er: «Wie hätte dies über Jahre verborgen bleiben sollen?» Selbst Fidis-Mitarbeiter oder deren Freunde seien VIP-Kunden von Santoro gewesen. Ausserdem habe die Chefetage der Fidis über Jahre von den eingehenden Leasingraten profitiert. Er fordert für Santoro einen vollumfänglichen Freispruch und eine Genugtuung von 30'000 Franken. Dies, weil sein Mandant in den Medien vorverurteilt worden sei.

Obwohl die Befragungen und Plädoyers weniger lang dauerten als angenommen, endet der Prozess erst in zwei Wochen. Die Richter um Präsident Daniel Aeschbach ziehen sich zurück und eröffnen das Urteil am 23. Januar. Neben den Aussagen des Angeklagten und der Anwälte stützen sie sich dabei auf Akten in 376 Bundesordnern.

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