Revitalisierung
«Othmarsingen ist eines der letzten Puzzle-Teile»: Die Bünz soll natürlicher werden

In Othmarsingen ist eine Revitalisierung der Bünz geplant. Das kostet die Gemeinde 341 400 Franken.

Anja Suter
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Markus Zumsteg (Leiter Wasserbau), Reto Bühler (Flury Bauingenieure), Hans Rätzer (Gemeindeammann Othmarsingen) und Leonardo Rumpf (Projektleiter Revitalisierungen) v.l.

Markus Zumsteg (Leiter Wasserbau), Reto Bühler (Flury Bauingenieure), Hans Rätzer (Gemeindeammann Othmarsingen) und Leonardo Rumpf (Projektleiter Revitalisierungen) v.l.

Bild: asu

Das Traktandum 5 an der Gemeindeversammlung in Othmarsingen am 11. Juni befasst sich mit der Revitalisierung des 875 Meter langen Bünz-Abschnittes. Die Bünz wurde 1930 begradigt und kanalisiert; schnurgerade fliesst sie seither durchs Dorf. Entsprechend gross seien deswegen die ökologischen Defizite, heisst es im Gmeindsbüechli.

Leonardo Rumpf, Projektleiter Revitalisierung, Abteilung Landschaft und Gewässer Aargau, erklärt das Problem:

«Die Bünz präsentiert sich heute als schmaler verbauter Kanal.»

Zudem gebe es eine geringe Artenvielfalt. Die bestehende Gewässerparzelle sei ausserdem viel zu schmal und der Bachabschnitt lasse keine Aufwertung zu. Doch es gibt nicht nur ökologische Defizite. Auch der Hochwasserschutz ist mangelhaft. So sind die seitlichen Verbauungen teilweise zerfallen und hinterspült. Ausserdem sei der Bünz-Abschnitt als Naherholungsgebiet völlig unbedeutend. Dies wolle man ändern. «Die Menschen sollen in Othmarsingen wieder an die Bünz gehen können», sagt Rumpf.

Die Bünz soll mehr Platz erhalten

Othmarsingen ist ein Teil des Projektes von «Bünz 2020», wie Markus Zumsteg, Leiter Wasserbau, Abteilung Landschaft und Gewässer Aargau, sagt.

«Das Projekt startete bereits vor 20 Jahren. Ziel sind der Hochwasserschutz und die Revitalisierung.»

Betroffen davon sind elf Gemeinden. «Othmarsingen ist eines der letzten Puzzle-Teile. Die Revitalisierung der Bünz ist zu 90 Prozent erreicht», sagt Zumsteg. Ziel sei es, mehr Platz für die Bünz zu schaffen. Auch seitens des Othmarsinger Gemeinderates findet das Projekt viel Zuspruch. «Aus unserer Sicht ist es ein tolles Projekt, das unsere vollste Unterstützung hat», sagt Hans Rätzer, Gemeindeammann von Othmarsingen. Mit der Revitalisierung gäbe es auch einen Mehrwert für die Bevölkerung.

Heute ist sie noch gerade, in Zukunft soll sich die Bünz in Othmarsinger wieder schlängeln.

Heute ist sie noch gerade, in Zukunft soll sich die Bünz in Othmarsinger wieder schlängeln.

Bild: asu

Für das Projekt soll der gesamte Bachlauf massiv ausgeweitet werden, wie Reto Bühler der Flury Bauingenieure sagt. Das vorliegende Projekt basiere auf einer sogenannten Biodiversitätsbreite mit einem vergrösserten Gewässerraum. Die bestehenden Bachverbauungen der kanalisierten Bünz werden abgebrochen. Ausserdem sind drei Bereiche mit unterschiedlichen Gefällen geplant, in diesen Abschnitten sollen sich die jeweiligen Leitfischarten wie Forellen und Äschen gezielt ansiedeln. «Zudem sind auch diverse Bauten mit Totholz und Pflanzen für die Beschattung geplant», sagt Bühler. An ausgewählten Stellen sollen zudem Terrassen mit kleinen Inseln geschaffen werden. «Dadurch können bestehende Bäume erhalten bleiben», so Bühler. Auch der Naherholungswert am Othmarsinger Teil der Bünz soll zukünftig gesteigert werden. So ist auf der Westseite der Bünz ein schmaler, unbefestigter Fussweg geplant, der etwa einen Meter breit ist und nicht befahrbar. «Beim Fussballplatz ist zudem ein Bereich geplant, wo der Zugang zum Wasser ermöglicht wird», so Bühler.

Das Projekt hat seinen Preis, 2,97 Millionen Franken kostet die Revitalisierung des Bünz-Abschnittes. Aufgrund der gewählten Biodiversitätsbreite des Gewässerraumes kann jedoch mit Subventionen des Bundes gerechnet werden, und zwar mit 80 Prozent des Gesamtbetrages. Die restlichen 20 Prozent teilen sich die der Kanton und die Gemeinden Othmarsingen und Hendschiken. Der Kostenanteil für Othmarsingen beträgt somit nur noch 341'400 Franken, derjenige von Hendschiken 15'000 Franken.