Hendschiken
Renaturierung der Bünz bescherte Hendschiken zwei neue Brücken

Als eines der grössten Projekte seiner Gemeinde bezeichnete Gemeindeammann Daniel Lüem an der Einweihung die soeben vollendete Renaturierung der Bünz. Dieses Projekt hatte gleichzeitig den Ersatz von zwei Brücken nötig gemacht.

Hanny Dorer
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Der Hendschiker Gemeindeammann Daniel Lüem mit Regierungsrat Stephan Attiger auf der neuen Eichhofbrücke, rechts Thomas Gebert.
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Thomas Gebert von der Abteilung Landschaft und Gewässer bei seiner Ansprache.
Gemeindeammann Daniel Lüem wartet auf der Brücke auf die Ankunft des Regierungsrates.
Wegen der flacheren Böschung musste die Spannweite der Brücke vergrössert werden.
Mit Applaus wurde Regierungsrat Stephan Attiger empfangen, der die Brücke als Erster befahren durfte.
Nun wurde der Bünz das Land, das ihr im letzten Jahrhundert entzogen wurde, wieder zurückgegeben.
Regierungsrat Stephan Attiger genoss offensichtlich seine Traktorfahrt.
Regierungsrat Stephan Attiger mit dem Hendschiker Vizeammann Alfred Suter.
Renaturierung der Bünz bescherte Hendschiken zwei neue Brücken

Der Hendschiker Gemeindeammann Daniel Lüem mit Regierungsrat Stephan Attiger auf der neuen Eichhofbrücke, rechts Thomas Gebert.

Chris Iseli

Trotz leichtem Nieselregen traf sich die Hendschiker Bevölkerung äusserst zahlreich an der neuen Eichhofbrücke. Dass man gleich zwei neue Brücken aufs Mal einweihen kann, ist schliesslich nicht alltäglich. Nicht alltäglich war ausserdem der Besuch von Regierungsrat Stephan Attiger. Anstelle des üblichen Banddurchschnitts befuhr er eine der beiden neuen Brücken als Erster mit einem blumengeschmückten Oldtimer-Traktor.

«Es sieht sehr gelungen aus», lobte der Regierungsrat, und meinte damit nicht nur die Brücke, sondern auch die Renaturierung der Bünz. Diese war in den 30er-Jahren begradigt worden, um das Land besser nutzen zu können. «Schön, dass man jetzt wieder zurück zur Natur findet», stellte er fest. Davon profitiere nicht nur die Tierwelt, sondern auch die Bevölkerung. So habe er sich gefreut zu hören, dass während der (seltenen) heissen Tage dieses Sommers bereits Kinder den Bach in Beschlag genommen hätten.

An der Bünz habe er einen Idealfall gefunden, äusserte sich der für die Renaturierung zuständige Thomas Gebert von der Abteilung Landschaft und Gewässer. Als Wasserbauingenieur trage er zwei Hüte: «Als Baumeister will ich ein sinnvolles Bauwerk realisieren, das man sieht und, das 100 Jahre lang hält. Als Naturmensch sehe ich die Aufwertung der Natur und will, dass alles so natürlich wie möglich abläuft.»

Eines der letzten Teilstücke

Die Hochwasserschäden vergangener Jahre haben den Kanton Aargau veranlasst, sich vermehrt für Renaturierungen einzusetzen. Insbesondere an der Bünz wurden verschiedene Abschnitte bereits aufgewertet und die Hochwassersituation entschärft. In Hendschiken hat das letzte Hochwasser unter anderem Uferverbauungen unterspült und Brücken beschädigt. Nun ist die Bünz auch hier auf einer Länge von gut einem Kilometer als eines der letzten Teilstücke renaturiert worden.

Breiteres Bett, flachere Ufer

Die Bünz verfügt jetzt über mehr Raum. Die Ufer sind flacher und werden mit Gehölzen und extensiven Wiesen naturnaher ausgestaltet. Die eigentliche Gewässerrinne ist schmäler geworden, verläuft weniger gradlinig und bietet damit den Fischen auch bei niedrigem Wasserstand einen besseren Lebensraum.

Um das zu realisieren, mussten die Landeigentümer rund 195 Aren Kulturland zur Verfügung stellen. «Ich bin froh, dass der Landabtausch reibungslos ablief», stellt Gemeindeammann Daniel Lüem zufrieden fest. Den Landwirten konnte mit Land, das die Gemeinde zuvor im Bühl erworben hatte, grosszügiger Realersatz geboten werden. Mehrmals wurde in diesem Zusammenhang der Goodwill der Landwirte und der Stimmbürger lobend erwähnt.

Zwei neue Brücken

Die beiden alten Brücken, sowohl jene bei der Falkenmatte als auch jene an der Mattenstrasse, hätten aufgrund ihres Alters und ihres schlechten Zustandes ohnehin bald ersetzt werden müssen. Und für die breitere Bünz war ihre Spannweite zu kurz.

Die nun eingeweihten neuen Brücken weisen eine Spannbreite von 14 Metern auf und sind für eine Nutzlast von 40 Tonnen ausgelegt. «Ein Glücksfall für die Gemeinde», sagt der zuständige Ressortleiter Wolfram Burgy, «denn Bund und Kanton beteiligen sich an den Kosten, weil der Brückenneubau im Rahmen des Gesamtprojektes Renaturierung erfolgt.» 2,95 Millionen Franken betragen die Gesamtkosten für die Renaturierung der Bünz und den Ersatz der beiden Bünzbrücken.

An diesen Gesamtkosten (davon rund eine Million für die beiden Brücken) beteiligt sich der Bund mit 70 Prozent und der Kanton mit 13,5 Prozent. Zulasten der Gemeinde Hendschiken bleiben also rund 480 000 Franken. Dazu kommen rund 500 000 Franken für eine neue Mischwasserleitung vom Steinacker zur Falkenmatt, die jetzt durch die neue Brücke geführt wird. Durch die Koordination mit den Arbeiten der Renaturierung konnten die Kosten um rund 300 000 auf 500 000 Franken gesenkt werden. Der Brückenkanal, auf dem das Abwasser die Bünz bisher überquert hatte, wurde abgebrochen.

Grund für ein kleines Dorffest

Wenn sich im Dorf etwas tut, macht die Bevölkerung mit. Das war auch an der Brückeneinweihung der Fall. Vizeammann Alfred Suter hatte mit seinem Team für die nötige Infrastruktur gesorgt. Die rassigen Klänge der «Crazy Hoppers», der verführerische Duft nach Bratwürsten – es musste sogar Nachschub besorgt werden – und die von der Feuerwehr mit Bünzwasser produzierten Fontänen liessen eine fröhliche Stimmung aufkommen.