Der Wirtschaftsminister auf einem Mondspaziergang? Oder inmitten von Schneehaufen? Mitten im Sommer Bilder wie im Winter oder von einem anderen Stern. In der gleissenden Sonne strahlen die Berge von Kies und Sand wie ein Gletscher.

Regierungsrat Urs Hofmann hat zusammen mit seiner Entourage im Rahmen der monatlichen Firmenbesuche in Seon eine ihm neue Branche, ja neue Welt kennen gelernt: Bei der Firma Hauri Kiesgruben und Transport AG erfuhr er, wo ein eng mit der Bauwirtschaft verflochtener Betrieb der Schuh drückt und wie hier die Herausforderungen angepackt werden.

Roland Bertschi freute sich, den hohen Gast aus Aarau am Firmensitz im Pfaffenbiel begrüssen zu können. Zusammen mit seinem Bruder Thomas und seiner Cousine Theres Suter leitet Roland Bertschi aktuell den Familienbetrieb. «Unser Grossvater Ernst Hauri hat die Firma 1932 gegründet und sie anschliessend an drei Schwiegersöhne weitergegeben. Wir sind also nun die dritte Generation», blickte Roland Bertschi kurz zurück.

Omnipräsentes «Hauri-Grün»

Inzwischen wurde die Firma in verschiedene Aktiengesellschaften aufgegliedert. In der Region sind die Fahrzeuge im typischen «Hauri-Grün» (mit einem deutlichen Blau-Stich) auf vielen Baustellen omnipräsent: Entweder transportieren sie Material aus Aushüben und Abbrüchen (Roland Bertschi: «Heute sagt man Rückbau») in die Zentrale zum Deponieren und Recyceln. Oder liefern von dort Sand, Kies oder fertig angemachten Beton aus.

Viele Mitarbeiter sind ihrem Arbeitgeber seit Jahren treu. Und sie werden in der Chefetage geschätzt. Urs Hofmann erfuhr, dass gewisse Arbeiten auch hier Talent verlangen: «Baggern kann man nicht lernen», verriet Roland Bertschi.

Die Dimensionen des Firmenareals sind riesig. Sie umfassen die einzige und schon fast gefüllte Inertstoffdeponie im Kanton. Umfassende Vorschriften regeln die Ablagerung von Bauabfällen. Weil das Pfaffenbiel im Endmoränengebiet liegt, kann hier Kies bis zu einer rekordverdächtigen Tiefe von 75 Metern abgebaut werden. Nach dem Rundgang entlang der Abbauzone konnten die Kantonsvertreter auch verfolgen, wie das Rohmaterial im Kieswerk gesäubert und mit riesigen Rüttelsieben nach Korngrösse sortiert wird. In einem separaten Turm wird vollautomatisch Beton in verschiedensten Ausführungen gemischt.

Betonpreis 20% eingebrochen

Zurück im eindrücklichen, 2010 bezogenen Verwaltungsgebäude («aus verständlichen Gründen nicht aus Holz, sondern aus Beton», so Bertschi) wollte Urs Hofmann den Puls fühlen. Dabei machten die Hauri-Verantwortlichen kein Geheimnis daraus, dass die Zeiten nicht einfach sind: Man spüre deutlich ein Nachlassen der Bautätigkeit und noch schlimmer: «Der Preiszerfall – etwa 20 Prozent beim Beton – macht uns Sorgen.»

Gefragt nach konkreten Wünschen an die Politik, nannten die KMU-Vertreter – wie die meisten ihrer Kollegen – geringere Bürokratie und schnellere Abläufe. Auch in einer Branche, die etwa bei Kiesabbaugebieten, eine Generation im Voraus planen muss, findet man Verzögerungen bei Genehmigungsverfahren oder die oft als Schikane empfundenen periodischen Kontrollen der Fahrzeuge störend. Der Regierungsrat signalisierte Verständnis für diese Gefühle.

Der Besuch endete im besten Einvernehmen. Die Gastgeber zeigten sich willens, die Herausforderungen der Zukunft mit Optimismus anzugehen. Sie haben dafür im Renommee einen wichtigen Trumpf. Roland Bertschi: «Wir haben in der Region sicher einen guten Ruf.» Dies konnte Gemeindeammann Heinz Bürki bestätigen: «Eure Firma ist sehr zuverlässig. Und dies ist für uns enorm wichtig.»