Beinwil am See

Protest gegen Post-Schliessung: Petition mit 2120 Unterschriften aus dem 3100-Einwohner-Dorf

Ammann Peter Lenzin (Mitte) übergibt die Petition an die Post-Vertreter Vincenzo Pierdomenico (links) und André Aregger.

Ammann Peter Lenzin (Mitte) übergibt die Petition an die Post-Vertreter Vincenzo Pierdomenico (links) und André Aregger.

Mit einer Petition kämpft die Gemeinde für den Erhalt des Filial-Standorts. 2120 Personen haben die Petition gegen die Schliessung der Poststelle unterschrieben.

Mit der Revision ihrer Bau- und Nutzungsordnung (BNO) will Beinwil am See das Gebiet rund um den Bahnhof aufwerten. Auf der noch verbleibenden grösseren Grünfläche soll einst Gewerbe- und Wohnraum geschaffen werden. Geht es nach den Plänen der Gemeinde, so entsteht in den kommenden Jahren beim Löwenplatz ein attraktives Dorfzentrum. In der Vision der Gemeinde ist die Poststelle am Löwenplatz ein wichtiger Mosaikstein dazu. Die Revision der BNO ist weit vorangeschritten. Anfang Jahr erwartet der Gemeinderat Post aus Aarau mit der Stellungnahme des Kantons.

Doch es scheint, dass nun die Post einen Strich durch Rechnung des Gemeinderates machen will. Seit der gelbe Riese im Frühling den radikalen Umbau seines Filialnetzes bekannt gegeben hat, steht die Poststelle Beinwil am See zusammen mit über 30 andern Standorten im Aargau auf der Kippe (die AZ berichtete). Ihr droht die Umwandlung in eine Postagentur an einem andern Standort im Dorf. Das will der Gemeinderat jedoch verhindern. Die Post an einen andern Ort zu zügeln, «wäre ein schlechter Start für die Zentrumszone», ist Gemeindeammann Peter Lenzin überzeugt.

Schon bei der Bekanntgabe der Pläne gab sich der Gemeinderat kämpferisch und liess verlauten, man werde sich gegen diesen Abbau des Service public wehren. Mit einer Unterschriftensammlung hat er seine Absicht konkretisiert. Gestern Morgen überreichte Ammann Peter Lenzin zwei Vertretern der Post eine Petition mit 2120 Unterschriften. 3100 Personen wohnen in Beinwil am See. Das zeige, dass die Poststelle nicht nur von Leuten aus dem Dorf, sondern auch aus umliegenden Gemeinden frequentiert werde. «Es ist eine Poststelle mit überlokaler Bedeutung», hielt Lenzin fest. Dabei sparte er nicht mit deutlichen Worten an die Adresse der Post. In seiner Berufskarriere habe er gelernt, dass sich eine Firma nicht allein mit Sparen sanieren lasse. Man müsse andere, kreative Ideen suchen.

Zweitgeschäft in Postfiliale

Ein erstes Gespräch mit Vertretern der Post ist ergebnislos verlaufen. Es sei noch kein definitiver Entscheid gefallen, sagte Vincenzo Pierdomenico, bei der Post zuständig für die Region Aargau, gestern bei der Entgegennahme des Unterschriftenpakets. Fakt ist: Die Post hat Handlungsbedarf. Die Umsätze im Kerngeschäft brechen ihr weg. Im laufenden Jahr habe sich die Situation weiter verschärft, erklärte André Aregger, Spezialist für Netzentwicklung.

Dem Gemeinderat schwebt vor, die Poststelle im heutigen Gebäude zu behalten und dieses beispielsweise mit einem Café, einer Bäckerei oder einem Kiosk aufzuwerten und eine Magnetwirkung zu erzielen. Bei einer solchen Lösung würde Beinwil am See Unterstützung anbieten, erklärte Lenzin. Ob die Post sich auf einen solchen Deal einlässt, bleibt offen. Im ersten Quartal 2018 soll der Entscheid fallen, wie es mit der Postfiliale in Böju weitergeht.

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