Meisterschwanden
Projekt Seniorenzentrum abgebrochen – Investoren wollten zu viel Rendite

Das Projekt für ein Seniorenzentrum wurde wegen Geldproblemen abgebrochen. Die Investoren wollten zu viel Rendite.

Pascal Meier
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Auf dem Hüetli-Areal (Bild) neben dem alten Gemeindehaus entsteht doch kein Seniorenzentrum. Archiv/Pascal Meier

Auf dem Hüetli-Areal (Bild) neben dem alten Gemeindehaus entsteht doch kein Seniorenzentrum. Archiv/Pascal Meier

Pascal Meier

In Seengen wird am Montag das Seniorenzentrum «Casa Hubpünt» mit 40 Alterswohnungen, 26 Pflegeplätzen und Restaurant eröffnet. Die Gemeinde und die ortsansässige Chestonag Automation AG finanzieren das Zentrum, betrieben wird es von der Sensato AG. Das Familienunternehmen mit Büros in Zürich und Bern führt in der ganzen Schweiz Häuser für Senioren.

Bei Sensato liegt auch ein Betriebskonzept für ein Zentrum in Meisterschwanden in der Schublade. Vorbild ist «Casa Hubpünt». Das Meisterschwander Projekt, das durch eine noch zu gründende Aktiengesellschaft auf dem Hüetli-Areal beim alten Gemeindehaus gebaut werden soll, ist mit 28 Wohnungen und 24 Pflegeplätzen etwas kleiner. Die Idee: Das Zentrum profitiert als Schwesterbetrieb von Dienstleistungen der Seenger «Casa Hubpünt».

Die ersten Pläne dafür hatte der Gemeinderat 2012 vorgestellt. In der Zwischenzeit hat der Kanton die Pflegeplätze bewilligt. Doch jetzt sind all diese Pläne Makulatur: Ortsbürger- und Einwohnergemeinde haben sich per sofort als Investoren zurückgezogen. Laut Gemeinderat sei der Businessplan extern überprüft worden. «Dabei kam der Gemeinderat zum Schluss, dass ein Fortbestand der Aktiengesellschaft nicht zwingend garantiert ist», so die Gemeinde.

Das heisst: Es ist nicht sicher, dass das Seniorenzentrum rentiert. Projektabbruch.

Ortsbürger verkauften Bauland

Das erstaunt. Über fünf Jahre wurde am Projekt gearbeitet. 2015 genehmigten Ortsbürger- und Einwohnergemeinde je maximal zwei Millionen Franken als Beitrag für die gemeinsame Aktiengesellschaft. Die Ortsbürger verkauften dafür 25 Aren Bauland im Nobel-Quartier Seefeld zum Quadratmeterpreis von 1200 Franken.

Gemäss AZ-Recherchen gab es Probleme bei der Suche nach weiteren Investoren: Die Gemeinde hatte zu Beginn entschieden, nur Geldgeber aus Meisterschwanden ins Boot zu holen – wie im Fall der Seenger «Casa Hubpünt» die Chestonag. Dies wurde der Bevölkerung zugesichert. Man fand dann aber im Dorf und später der Umgebung keine Investoren. Gemeindepräsident Ueli Haller bestätigt dies auf Anfrage.

Zudem brachten sich dem Vernehmen nach auch Investoren ins Spiel, die mehr die Rendite als das Wohl der Senioren vor Augen hatten. Ueli Haller sagt dazu: «Es gab teilweise unterschiedliche Erwartungen an die Rendite.»

Der Abbruch des Projektes heisst nicht, dass es keine neuen Angebote für Senioren in Meisterschwanden geben wird. Der Gemeinderat will einen neuen Anlauf nehmen. Das Thema steht auf der Traktandenliste eines Workshops, den der neu zusammengesetzte Gemeinderat 2018 zum Start der nächsten Amtsperiode abhalten wird.

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