Im Möriker/Wildegger Gebiet Hellmatt, zwischen Hellgasse, Paradiesweg und der Bünz, liegt eine Gärtnerei der Stiftung Schlossdomäne Wildegg. Der Betrieb und die Produktion wurden allerdings stark reduziert; das Areal wird derzeit hauptsächlich noch zur Überwinterung und für die Ansaat von Pflanzen genutzt.

Nun hat die Stiftung «Pro Specie Rara» neue Pläne für die alte Gärtnerei: eine Anlage zur Saatgutvermehrung. «Pro Specie Rara» setzt sich für «die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren» ein und betreibt bereits ihren wichtigsten Sortengarten im Schlossgarten Wildegg. Nun will sie auch die alte Gärtnerei am Fusse des Schlosshügels nutzen.

Hier sollen unter anderem ein neues Folientreibhaus (unbeheizt), ein Folientunnel sowie, im Einfahrtsbereich, ein Kiosk entstehen. Im Baugesuch, das bis 11.3. bei der Gemeindeverwaltung aufliegt, wird der Kiosk als offener Unterstand mit Regalen beschrieben, auf denen Pflanzen und Samen stehen: «Diese können in Selbstbedienung abgeholt und bezahlt werden.» Das Baugesuch umfasst auch eine zusätzliche Pflanz-Terrasse südlich des Treibhauses, die eine Stützmauer erfordert.

Diese Samenproduktionsanlage wäre ein Novum für «Pro Specie Rara». Wie Mediensprecherin Nicole Egloff ausführt, arbeitet man für die Saatgutvermehrung seit Jahrzehnten mit Freiwilligen, die zu Hause im Privatgarten alte Sorten anbauen und so Saatgut produzieren. «Bei gewissen Kulturen ist das allerdings schwierig», sagt Egloff. Kohl-Sorten beispielsweise müssen für eine nachhaltige Vermehrung in sehr grosser Zahl angebaut werden, da sie zu Inzucht neigen. Und Rüebli verkreuzen als Fremdbefruchter schnell mit wild wachsenden Karotten, weshalb ihr sortenreiner Anbau sehr aufwendig ist.

Unter anderem deshalb möchte «Pro Specie Rara» nun, zusätzlich zur Saatgutvermehrung durch Private, eine eigene Samengärtnerei einrichten. Hier wird eine Profi-Gärtnerin mit einem Teilzeit-Pensum beschäftigt.

Das geplante Folientreibhaus und der Folientunnel auf dem Areal in Wildegg unterschreiten zwar den Mindestabstand zur Kantonsstrasse, sind jedoch mit einer sehr hohen Mauer von dieser abgetrennt. Trotzdem braucht es eine Ausnahmebewilligung. Das gilt ebenso für den geplanten Kiosk, der einen Unterabstand zu einem Parkplatz der Gemeinde aufweist.

Und: Weil das Ensemble der Gärtnerei, das in der Zone «Alt Wildegg» liegt, ortsbaulich von grosser Bedeutung ist – unter anderem wegen des historisch wertvollen Schopfs –, musste sich die Denkmalpflege mit dem Projekt befassen. Sie «unterstütze das Vorhaben», heisst es im Baugesuch. Laut den aufliegenden Unterlagen belaufen sich die Investitionskosten (ohne Land) auf rund 345 000 Franken.

Möglich, dass die neue Samengärtnerei schon vor dem grossen «Pro Specie Rara»-Setzlingsmarkt auf dem Schloss Wildegg eingerichtet werden kann. Er findet dieses Jahr am Samstag, 4. Mai, und am Sonntag, 5. Mai, statt (jeweils 9 bis 17 Uhr). Die Stiftung selber bezeichnet den Anlass als «die Mutter aller Setzlingsmärkte»: «Über 500 rare Kartoffel-, Tomaten-, Salat-, Gemüse-, Obst-, Beeren- und Zierpflanzensorten warten in schönster Umgebung darauf, gekauft und in den Gärten gepflanzt zu werden.»

Es gibt ausserdem Führungen (auch für Familien) im Schlossgarten und im Schloss. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist empfohlen, es hat nur eine beschränkte Anzahl Parkplätze.