Lenzburg
Präsidentin des Hammerparks: «Das Geld ist fast aufgebraucht»

Die Kassen des «Hammerparks» sind leer. Trotzdem: Präsidentin Franziska Möhl ist drei Jahre nach der Eröffnung zufrieden. Warum, das sagt sie im Interview mit der az.

Ruth Steiner
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Bouldern gehört zum Angebot in der Freizeitanlage Hammerpark.

Bouldern gehört zum Angebot in der Freizeitanlage Hammerpark.

Isabelle Schwab

Die waghalsigen Höhenflüge der Biker im Biker-Trail und im Pump-Track haben bei der kürzlich erfolgten Saisoneröffnung im «Hammerpark» viel Aufmerksamkeit erfahren. Gerne hätte Vereinspräsidentin Franziska Möhl auch die Skateranlage und den Boulderpark etwas ins Scheinwerferlicht gerückt. Auch sie sind Teil der Freizeitanlage unter der Autobahnbrücke und auch sie sind gut besucht, sagt Möhl. Drei Jahre nach der Eröffnung spricht die Vereinspräsidentin über den «Hammerpark» und wie es um die Finanzen der nicht kommerziell geführten Freizeitanlage steht.

Am Anfang der Freizeitanlage steht der Ruf der Lenzburger Jugend nach eigenem Plhaatz im öffentlichen Raum. Konnten mit der Freizeitanlage die Szenenbildung und das freie Skaten aufgelöst und aus der Stadt verbannt werden?

Franziska Möhl: Hier müssen wir aufpassen, dass keine Missverständnisse entstehen. Es war nie das Ziel, irgendeine Szene in den «Hammerpark» zu verlagern. Konkret ging es bei der Anlage darum, in Lenzburg ein zusätzliches Freizeitangebot zu schaffen, ergänzend zu den bestehenden Möglichkeiten. Mit der Skateranlage beim Schulhaus Mühlematt können sich die Skater weiterhin auch in der Stadt vergnügen.

Der «Hammerpark» kostete gut
780 000 Franken. Dessen Finanzierung war dank einem grosszügigen Sponsoring möglich. Auf der Website wird betont von einer nicht kommerziellen Freizeitanlage gesprochen mit dem Verein Hammerpark als Trägerschaft, den Sie seit Anbeginn präsidieren. Wie steht es um die Vereinsfinanzen?

Ich möchte es so sagen: Der Verein kommt über die Runden. Bisher. Nun sind die finanziellen Mittel ausgeschöpft. Das Geld, das dem Verein aus dem Bau der Anlage übrig geblieben ist, ist fast aufgebraucht.

Wofür wurde das Geld ausgegeben?

Zwischen dem Park und dem Aabach wurde eine Stützmauer nötig, weil das abfallende Gelände zu wenig gesichert war und dadurch laufend Erdklumpen auf den Velo-/Wanderweg rollten. Gebaut wurde die Mauer von der Biker-Crew. Der Verein musste nur die Miete für die Baumaschinen und das notwendige Material berappen. Die für den Bau verwendeten Steine wurden zuvor bei der Sanierung der Hauptstrasse in Niederlenz aus dem Aabach gefischt. Aus Sicherheitsgründen wurde der Pumptrack zudem eingezäunt.

Wurde die Freizeitanlage auch schon Ziel von Vandalenakten?

Zum Saisonbeginn 2015 wurden die Autobahn-Betonpfeiler und die Skaterfläche mit Sprayereien verwüstet. Wegen Rutschgefahr war das vor allem für die Skater nicht ganz ungefährlich.

Gab es noch andere Vorkommnisse?

Zum Glück wurden wir von Unfällen, abgesehen von Verstauchungen, Prellungen und Schnittwunden verschont. Wir hatten einen Zwischenfall, doch war der ganz anderer Art. Ein Sturm hat sämtliche Fahnen der Sponsoren zerrissen. Diese mussten ersetzt werden. Das haben alle Sponsoring-Partner auf eigene Rechnung gemacht. Nun ist die Anlage wieder in Ordnung gestellt.

Tatsächlich macht der «Hammerpark« beim Vorbeispazieren einen gepflegten Eindruck.

Es ist so. Die Biker haben einen eigenen Verein gegründet, mit dem die Trägerorganisation einen Leistungsvertrag über den Biker-Trail aufgesetzt hat. Der Vertrag beinhaltet nebst dem Unterhalt des Trails auch die Einhaltung der Sicherheitsstandards. Zudem leisten die Rotarier, welche die Anlage mitfinanziert haben, jedes Jahr einen Arbeitseinsatz vor Ort. Auch die andern Sponsoren greifen uns grosszügig unter die Arme.

Es geht hoch hinaus
19 Bilder
"Dräckele" im Hammerpark: Wo sich Biker und Kletterer austoben.
Der Start Drop wird bei Contests oft eingesetzt
Die rote Matte soll vor den schlimmsten Verletzungen schützen.
Die kleinen Jungen waren fasziniert von den Kunststücken der Biker.
Der Bike Park sei einer der schönsten der Schweiz, schwämten die Fahrer.
Der Sprung ist perfekt - hoffentlich auch das Bild des Fotografen
Das Klettern haben vor allem Familien ausprobiert
Christian Räber, Mitglied der Dirt Castle Crew Lenzburg, in Aktion
Die Eltern unterstützten Ihre Kinder besorgt beim Klettern
Christian Räber
Anfänger wie auch Profis können sich im Bike Park austoben
Anja Weinberger
Höhenangst darf man auf der Strecke des Dirt Castles keine haben
Keine Furcht vor hohen Sprüngen, haben die Biker am Sonntag gezeigt
Ramon Hunziker und Christian Räber sind bekannte Grössen in der Bike-Szene
Es sei das beste Gefühl der Welt, wenn ein Sprung nach langem üben gelingt
Godot Bitschnau
Silvan Berger

Es geht hoch hinaus

Isabelle Schwab

So stehen also keine grösseren Investitionen an?

Nein, im Moment nicht.

Sie sagen, das Geld ist aufgebraucht. Wie müssten grössere Anschaffungen finanziert werden?

Für Investitionen müssten wir wohl bei Sponsoren anklopfen.

Wie steht es mit den Kosten für den normalen Unterhalt der Anlage.
Entrichten die Träger-Mitglieder einen Jahresbeitrag?

Nein, der Verein lebt derzeit von der Substanz. Die einzige Einnahmequelle ist nebst den wenigen Passivmitgliederbeiträgen und Gönnern die Miete, welche der Bistro-Pächter bezahlt. Und die ist nicht sehr hoch.

Weshalb wird keine Marktmiete verlangt?

Der Pächter des Bistros übernimmt im Auftrag des Vereins gewisse Überwachungsaufgaben, die mit dem Mietzins verrechnet werden. Entsprechend hat das Bistro geöffnet. Und zwar zwölf Stunden von Montag bis Freitag, jeweils von 10.30 bis 22.30 Uhr, Samstag/Sonntag bis 21 Uhr.

Im nächsten Jahr steigt der «Hammerpark» in die fünfte Saison. Hat der Vereinsvorstand zum kleinen Jubiläum bereits eine Wunschliste erstellt?

(Lacht.) Im Moment läuft die Anlage gut. Doch sind natürlich immer Begehrlichkeiten da. Gerne würden wir in der Anlage eine Beleuchtung installieren. Ohne Tageslicht können Bikertrail und Skaterplatz nicht befahren werden. Im Gegensatz zur Boulder-Anlage, die teilweise vom Licht aus dem Bistro profitiert und auch beim Einnachten noch benutzt werden kann.

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