Seetal

Präsident wider Willen: Ein Maler führt nun den Gewerbeverein ad interim

Maler Franz Roth sucht einen Nachfolger für sein Geschäft. Dem Gewerbeverein hat er dieselbe Sorge abgenommen.

Der Seenger Maler Franz Roth führt den Gewerbeverein Seetal ad interim und setzt sich für die Gewerbeausstellung Sega ein.

Maler Franz Roth ist 64 Jahre alt und sucht einen Nachfolger für die Führung seines Geschäfts. Dem Gewerbeverein hat er dieselbe Sorge nun abgenommen: Er hat die Nachfolge von Martin Bolliger angetreten, der sich nach langjährigem Engagement hat pensionieren lassen.

Als Ideallösung sieht Roth sich aber nicht, schliesslich schaut auch er selbst der Pensionierung entgegen. Doch nachdem sich niemand gemeldet hat, ist er eingesprungen. Ad interim, für zwei Jahre. «Die Suche nach meinem eigenen Nachfolger haben wir bereits begonnen.»

Doch Roth hat viel zu tun. Sein designierter Nachfolger in seinem Malergeschäft in Seengen ist ihm abgesprungen, weshalb er nun noch zwei Jahre arbeiten und in dieser Zeit auch eine Lösung für sein Geschäft finden will.

Der Verein hat viele Baustellen

Im Gewerbeverein steht Franz Roth vor mehreren Herausforderungen. Die vielleicht grösste: die einst rundherum beliebte Gewerbeausstellung Sega.

Sie kämpft um ihr Überleben – einige haben sie bereits für tot erklärt, nachdem sie letztes Jahr wegen zu wenig Anmeldungen aus dem Gewerbe abgesagt werden musste: Zu teuer, zu gross, zu aufwendig war sie den lokalen Betrieben geworden.

Um ihr auf die eine oder andere Art neues Leben einzuhauchen, will Franz Roth nun das Gespräch mit anderen Gewerbevereinen in der Region suchen. Eine Zusammenarbeit soll für neuen Schwung sorgen.

Interesse könnte da sein, ist das klassische Messegeschäft doch überall schwierig geworden, nicht nur in Seengen. Und dann ist da noch der Vorstand mit acht Leuten: «Er ist eigentlich überaltert, mich selber eingeschlossen», sagt der Präsident.

Das merke man. Der Verein sei etwas behäbig geworden, vorsichtig gegenüber Neuem. Deshalb hofft er auf einen Generationenwechsel, auf die Jungen. «Sie könnten da für neuen Schwung sorgen.»

Ein Verein für neun Gemeinden

Für neuen Schwung wünscht sich Roth auch möglichst viel Engagement aus den neun involvierten Gemeinden (Boniswil, Dürrenäsch, Fahrwangen, Hallwil, Leutwil, Meisterschwanden, Seengen, Tennwil und Egliswil): «Ich will unbedingt den Eindruck vermeiden, wir seien ein Gewerbeverein Seengen, denn so ist das nicht», sagt Roth.

Eine dorfübergreifende Vernetzung sei sehr wichtig. Und: «Sie wird zwischen den Dörfern langsam besser.» Ein gutes Signal ist auch die Mitgliederzahl.

Sie steigt zwar nicht an, ist jedoch seit vielen Jahren stabil und liegt immer bei knapp 150 Unternehmen, vom Ein-Mann-Betrieb bis zum internationalen Grossunternehmen. Dennoch wünscht sich Roth gerade von den Mitgliedern noch etwas mehr Engagement.

«Zu viele glauben, dass es mit dem Einzahlen des Mitgliederbeitrags getan sei.» Das hilft zwar dem Verein, nicht aber dem Mitglied selbst. «Um vom Verein profitieren zu können, müssen die Mitglieder an die Anlässe kommen, sich austauschen, Leute kennen lernen.»

So entstünden Netzwerke, die die Betriebe und mit der Zeit auch die Region als Ganzes wirtschaftlich weiterbringen könnten.

In 35 Jahren vom Ein-Mann-Betrieb zum KMU

Sein eigenes Geschäft hat Franz Roth vor 35 Jahren als Einmann-Betrieb gegründet, mittlerweile beschäftigt er stets acht bis neun Angestellte.

Seinen Umsatz erwirtschaftet das Unternehmen zu 60 Prozent mit Unterhaltsarbeiten und zum übrigen Teil mit Neubauten. Wobei bei Letzteren ein brutaler Preiskampf tobt. Die Aufträge kommen mehrheitlich aus der Umgebung, die Mitarbeiter leben alle im Dorf.

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Autor

Michael Küng

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