Die Gemeindeammänner-Vereinigung gehört zu den starken Playern in der Aargauer Politlandschaft. Über 30 Jahr lang wurde sie von Profipolitikern aus Wettingen, Aarau und Brugg präsidiert – bis Renate Gautschy, die Frau Gemeindeammann von Gontenschwil (2172 Einwohner), kam. Am Donnerstag, an der 41. Generalversammlung in Meisterschwanden, zelebrierte sie ihr 10-Jahr-Jubiläum an der Spitze des Verbandes. Die ganze Zeit mit dabei waren der Vizepräsident, der Zofinger Stadtammann Hans-Ruedi Hottiger, und Martin Hitz, der Leiter der Geschäftsstelle. Für Gautschy gabs an der Versammlung viel Lob (sogar eine Welle!) und ganz wenig Kritik: In der einzigen Wortmeldung aus dem Kreis der 98 anwesenden Gemeindeammänner (der Aargau hat 211 Gemeinden) wurde die FDP-Frau gerügt, weil sie in der «Schweiz am Wochenende» SVP-Regierungsrätin Franziska Roth in aller Öffentlichkeit verteidigt hatte.

«Es brennt lichterloh»

«Wir haben eine ausgezeichnete Zusammenarbeit mit dem Departement des Innern», begann Gautschy ihren Jahresbericht. Sie sagte aber auch: «Wir haben bald mehr Vorstandssitzungen als Grossratssitzungen.» Und dann wurde die FDP-Politikerin deutlich: «Im Bereich der Gesundheitspolitik brennt es lichterloh.» Die Gemeinden seien vor allem von Mehrkosten im Pflegebereich betroffen. Im Raum stünden Mehrausgaben von 30 Millionen Franken. Die Gemeinden könnten weder die Qualität der Pflegeheime bestimmen noch sie selber führen, es werde einfach versucht, ihnen die Restkosten aufzubürden. «Da müssen wir die Bösen sein», betonte die Präsidentin der Gemeindeammänner-Vereinigung. Sie kritisierte auch die neuen Littering-Bussen: Die Gemeinden hätten einfach mehr zu tun, ohne zu wissen, ob die Strafzettel überhaupt eine Wirkung hätten.

An der Generalversammlung in Meisterschwanden («Der Sonnenstube des Kantons», so Gemeindepräsident Ueli Haller) hat Landammann Urs Hofmann 23 neue Gemeinderäte in Pflicht genommen. Letztes Jahr, im ersten Jahr der neuen Legislatur, gab es 60 Rücktritte und drei Inpflichtnahme-Anlässe.