Fahrwangen

Poststellenschliessung: Die «IG Post» fürchtet den Verlust von Know-how

Die «IG Post»: Guido Hueber, Philipp Nanz, Reto Siegrist und Mario Brehm (von links).

Die «IG Post»: Guido Hueber, Philipp Nanz, Reto Siegrist und Mario Brehm (von links).

Per März 2020 schliesst die Post-Filiale in Fahrwangen – 36 Briefe und 18 Pakete pro Tag sind zu wenig. Im Dorf sieht man die Argumentation der Post kritisch.

Im Januar 2017 erfuhren die Fahrwanger am Neujahrsapéro, dass ihre Post per 2. März 2020 in eine Post-Agentur umgewandelt werden soll. Damit mehr als unzufrieden, gründeten vier Fahrwanger noch im selben Monat die «IG Post».

«Wir hatten das Gefühl, dass der Gemeinderat die Entscheidung einfach so durchwinken wird», erklärt Guido Hueber. Hueber ist Besitzer einer Apotheke im Dorf. Neben ihm in der IG: Philipp Nanz, reformierter Pfarrer; Reto Siegrist, Chef eines KMU und Mario Brehm – der Pensionär war während zwölf Jahren Posthalter in Fahrwangen. «Wir stören uns an der Kommunikation», erklärt Philipp Nanz.

«In der versandten Medienmitteilung der Post wird von einem Umzug in die Migros Fahrwangen gesprochen, aber nicht davon, welche Leistungen damit wegfallen.» So sei es nicht mehr möglich, Bareinzahlungen in der Filiale zu machen, und auch die Kompetenz des Fachpersonals falle weg.

Die Post schrieb in ihrer Medienmitteilung Ende Oktober, dass die Filiale in Fahrwangen zu wenig genutzt werde: «So wurden im Jahr 2018 in Fahrwangen im Tagesdurchschnitt noch 36 Briefe und 18 Pakete von Privatkunden aufgegeben.» Bei der «IG Post» hinterfragt man diese Zahlen. Man vermutet, dass nur von den Paketen und Briefen die Rede ist, die am Schalter noch frankiert werden müssen.

Damit würden zum Beispiel jene Pakete von Reto Siegrist nicht in die Zählung fallen: «Ich bringe sie schon fertig frankiert zur Post.» Auch Philipp Nanz frankiert seine Post zu Hause: «Den Bogen mit den Briefmarken kaufe ich jedoch trotzdem auf der Post.»

Bei einer von der IG durchgeführten Erhebung im Jahr 2017 hatte die Poststelle Fahrwangen 300 Besucher pro Tag. «Bei so einer Frequenz kann man doch nicht sagen, dass die Post zu wenig genutzt wird», so Guido Hueber. Die nächstgelegene Postfiliale ist künftig in Seon.

«Hier fehlt die Erreichbarkeit. Eigentlich sollte man zu Fuss oder mit dem öffentlichen Verkehrsmittel nicht länger als 20 Minuten brauchen. Wir haben eine direkte Busverbindung, die 19 Minuten dauert. Aber da ist der Fussweg zum Bus noch nicht eingerechnet.»

Die «IG Post» wäre auch mit einer Filiale in einem der Nachbardörfer zufrieden. «Meisterschwanden oder Sarmenstorf wären kein Problem, damit könnte man sich arrangieren», so Guido Hueber.

Meistgesehen

Artboard 1