«Rettet die Post die Dorflädeli?», titelte die az in der gestrigen Ausgabe einen Beitrag über die zunehmende Übergabe von Postdienstleistungen an Dorfläden, Gemeindeverwaltungen oder Fachgeschäfte. Wie nun in Lenzburg, von wo die jüngste Meldung kommt.
In Lenzburg fällt die Poststelle Lenzburg 2 Stadt beim Seifi-Areal dem rigorosen Kostenmanagement der Post zum Opfer.

Laut Mitteilung der Post wird sie ersetzt durch eine Postagentur in der Papeterie Büro Ryser AG in der Rathausgasse. Gestern hat die Post die Bevölkerung von Lenzburg und Ammerswil über das Vorhaben informiert und einen Flyer in alle Haushaltungen verschickt. Büro Ryser-Inhaber Christian Ryser bestätigt die Mitteilung. Hingegen winkt er sofort ab bei der Frage, ob allenfalls existenzielle Überlegungen hinter seinem Entscheid stecken, in seinem Papeterie-Betrieb eine Post-Agentur zu integrieren. «Überhaupt nicht. Mir war es wichtig, dass Postdienstleistungen weiterhin in der Innenstadt erledigt werden können.

Aus diesem Grund habe ich eine Anfrage der Post positiv beantwortet», erklärt er. Hinter Rysers Entschluss steckt aber noch eine andere Überlegung. «Ich hoffe, dass die Verlegung der Postdienstleistungen in die Rathausgasse nicht ohne Wirkung bleibt und die Postkunden zusätzliche Frequenzen in die Innenstadt bringen.»

Lange Öffnungszeiten

Auch bei der Stadt hofft man diesbezüglich auf positive Signale, sagt Stadtammann Daniel Mosimann. Dort ist man mit der neuen Lösung ebenfalls zufrieden, nachdem der Post zuvor verschiedene Adressen zur Auswahl vorgelegt worden waren. «Büro Ryser ist ein zuverlässiger Partner. Der Laden hat lange Öffnungszeiten und ist auch am Montagnachmittag offen.» Die Ladenöffnungszeiten bleiben durch die Neuerung unverändert, Ryser will sie auch nicht verlängern. Der Kunde profitiere schon jetzt. «Wir haben schon jetzt länger geöffnet als die heutige Poststelle beim Seifi-Areal.»

Noch herrscht Unklarheit darüber, wann die Stadtfiliale geschlossen werden wird. Laut Mitteilung der Post soll dies «voraussichtlich im Laufe des zweiten Quartals» der Fall sein. Weshalb der Termin im heutigen Zeitpunkt so vage kommuniziert wird, erklärt Markus Flückiger vom Postnetz Mitte so: «Noch sind nicht alle Details bekannt.» Der Einbau der Einrichtung beim Partner und die Schulung der Mitarbeiter bedürfe noch genauer Abklärungen, heisst es. Die Post habe die Bevölkerung mit dem Entscheid nicht überrumpeln wollen; deshalb der gestrige Flyer.

Postfächer verschwinden

Ebenfalls nicht bekannt ist, was mit dem Postomat geschehen soll. Er wird nicht in die neue Agentur gezügelt. Geht die Bezugsmöglichkeit von Bargeld in der Innenstadt damit verloren? «Postfinance ist weiterhin an einem Standort in der Altstadt Lenzburg interessiert», sagt Markus Flückiger. Abklärungen seien im Gang.
Klar ist jedoch: Eine vollständige Auflösung der Poststelle wäre bei der Stadt nicht gut angekommen. «Für den Stadtrat war von Anfang an klar, dass in einem Wachstumsgebiet die Poststelle in der Stadt nicht einfach ersatzlos gestrichen werden kann», sagt Stadtammann Daniel Mosimann.

Hingegen gibt es für die heutigen Postfächer bei der Poststelle Lenzburg 2 keinen Ersatz. Veränderte Kundengewohnheiten führten auch hier zu ungenügender Auslastung der Postfachanlagen, heisst es bei der Post. Für aktive Fachnutzer ist jedoch eine Lösung parat, sagt Markus Flückiger. «Kunden, die ihr Postfach genügend nutzen, erhalten ein kostenloses Ersatzfach bei der Poststelle Lenzburg 1. Dort hat es genügend freie Postfächer.»
Die vorliegende Agentur-Lösung entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Hatte die Post in den letzten Jahren vermehrt auch Papeterieartikel im Angebot, so ist es in Lenzburg nun die Papeterie, welche auch Postdienstleistungen anbietet.