Hunzenschwil
Polizei nervt Trauerfamilie mit Parkbussen

Da die Trauernden die Parkscheibe nicht auf das Amaturenbrett gelegt hatten, wurden alle mit einer Busse von 40 Franken bestraft. Die Familie reklamierte daraufhin bei der Polizei.

Urs Helbling
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Das Signal, das auf die Parkscheibenpflicht hinweist, ist leicht zu übersehen. Es steht ganz rechts.

Das Signal, das auf die Parkscheibenpflicht hinweist, ist leicht zu übersehen. Es steht ganz rechts.

Urs Helbling

Theoretisch ging bei diesem Fall alles mit rechten Dingen zu. Aber das Signal, das auf die Parkscheiben-Pflicht beim Friedhof-Parkplatz aufmerksam macht, ist wegen seiner unglücklichen Positionierung leicht zu übersehen.

Sie fand Ende Juli statt, die Beerdigung des betagten Ehemanns und Vaters. Die Trauergäste sind mit den hiesigen Verhältnissen bestens vertraut, sind zum Teil aktiv in der Politik, in der Justiz, in Topmanagements. Keine Leute, die der Polizei gegenüber übermässig kritisch eingestellt wären.

Als sie nach der Urnenbeisetzung, der Abdankungsfeier und einem kurzen Imbiss zum Parkplatz zurückkehrten, hatten fast alle eine Busse von 40 Franken. Sie hatten die Parkscheibe nicht auf das Armaturenbrett gelegt.

«Asozial und pietätslos»

«Dieses Schild haben beim Einbiegen auf den Parkplatz alle übersehen», erklärt ein Trauergast. Auf dem Platz seien keine Parkuhren oder irgendwelche Schilder zu sehen. Der Trauergast weiter: «Rechtlich ist die Polizei absolut auf der sicheren Seite. Ich finde das Vorgehen aber ziemlich asozial und pietätlos. Es ist relativ seltsam, dass eine der letzten Erinnerungen, die ich an den Verstorbenen habe, die Tatsache ist, dass an seiner Beerdigung Bussen von mehreren hundert Franken an die Trauergäste verteilt wurden.» Der Polizist müsse mindestens eine halbe Stunde lang mit dem Schreiben der Bussenzettel beschäftigt gewesen sein.

Die Trauerfamilie fragte sich, weshalb der Beamte mitten am Nachmittag dazu kam, auf dem Parkplatz eine Kontrolle durchzuführen. «Wohl nur, weil ihm der Ort aus Erfahrung als lukrativer Hotspot bekannt ist», so der Trauergast.

Einer der Gebüssten wandte sich schriftlich an die Regionalpolizei Suret. Der Polizeichef-Stellvertreter schreibt: «Grundsätzlich können wir Ihren Unmut verstehen. An diesem Tag hatten sie vermutlich ganz andere Gedanken und es war vermutlich nicht Ihre erste Priorität, die Parkscheibe hinter der Frontscheibe zu deponieren.» Der Parkplatz werde «regelmässig (zum Teil mehrmals täglich) von unserer Patrouille kontrolliert».

Gemeinde weist Vorwürfe zurück

Die Trauerfamilie nervt sich, dass die Gemeinde Hunzenschwil an ihr mehrere hundert Franken verdiente. Und sie glaubt, es sei kein Zufall, dass der Bussenertrag in Hunzenschwil letztes Jahr um 28 Prozent gestiegen sei.

Dass gezielt Jagd auf Parksünder gemacht werde, um mehr Einnahmen zu erzielen, weist Gemeindeammann Silvana Richner zurück. Die 28 Prozent seien «einerseits eine logische Folge der Einführung des Parkierungsreglements Anfang 2016 und andererseits auf überdurchschnittliche Rückerstattungen aus Straffällen der Staatsanwaltschaft zurückzuführen».

Auf die Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, unmittelbar vor, während und in den beiden Stunden nach Beerdigungen auf das Büssen zu verzichten, schreibt Silvana Richner: «Um die ‹Kundenfreundlichkeit› für die Parkierenden zu verbessern und um sie besser auf das Parkscheiben-Obligatorium aufmerksam zu machen, wird der Gemeinderat die Anbringung einer zusätzlichen Hinweistafel prüfen. Damit würde sich die Einführung von Sonderregelungen erübrigen.»