Seetal

Poesiesommer: 14 Lesungen voller Poesie und Kraft

Peter Studler-Guidi, Pfarrer mit Seetaler Wurzeln, bei der zweitletzten Lesung auf Schloss Hallwyl.  mr

Peter Studler-Guidi, Pfarrer mit Seetaler Wurzeln, bei der zweitletzten Lesung auf Schloss Hallwyl. mr

Bevor der 12. Seetaler Poesiesommer morgen Sonntag, 19 Uhr, mit einer Ruderbootlesung mit Rodolfo Häsler auf dem Hallwilersee ausklingt, war das Schloss Hallwyl am Donnerstagabend Schauplatz einer Lesung, die mitten aus dem prallen Leben schöpfte.

Protagonisten waren Peter Studler-Guidi, Pfarrer mit Seetaler Wurzeln, Ernst Strebel aus Kölliken, Kantonsschullehrer in Aarau, und als Überraschungsgast Werner Fritschi aus Luzern. Während Peter Studler mit seinen sommerwarmen, auch kritischen, Gedichten Lust auf das Leben in all seinen Facetten, auch im Alter, machte, begab sich Ernst Strebel mit seiner Lesung aus dem Roman «Ein letztes noch» über den Dichter Conrad Ferdinand Meyer in die differenziert skizzierten, zerklüfteten Abgründe der Psychiatrie.

Werner Fritschi aus Luzern schlug mit seinem historisch gut recherchierten, mit fiktiven Begebenheiten angereicherten Roman «Gut zum Druck» einen spannenden Bogen vom Stift Beromünster zu einer Adligen auf Schloss Hallwyl.

Gut besuchte Veranstaltungen

Vierzehn spannende Lesungen waren es in diesem Poesiesommer insgesamt. An verschiedenen Schauplätzen abgehalten, war jede für sich ein spezielles Kleinod. Von Beginn an waren die Veranstaltungen sehr gut besucht. Angefangen bei der Eröffnung auf Schloss Heidegg, (unter anderem mit dem schwedischen Theaterschaffenden Leif Olsson und dem schwedischen Pianisten Lars Hägglund) über den sonntäglichen Schweizer Mundarttag auf Schloss Heidegg und die spannende Auseinandersetzung um ein Bild des venezianischen Malers Virgilio Guidi aus der Sammlung Carlo Mettauer) im Atelier des Künstlers Titus Eichenberger in Beinwil am See, bot jeder Anlass, neben der poesievollen Komponente, auch die nötige Auseinandersetzung mit der Gegenwart.

Ganz besonders in Erinnerung dürfte den Gästen die 1.-August-Rede des 94-jährigen Künstlers Gottfried Honegger sein. Als politischer Weggefährte und Freund von Max Frisch ging der agile Senior mit Engagement und Empathie, aus der Vergangenheit schöpfend, dem Krebsgang der heutigen Gesellschaft nach.

Nachhaltige Begegnungen

Poesievoll waren viele zufällige, aber nachhaltige Begegnungen unter den Gästen, die aus allen Landesteilen angereist waren. Nach den Lesungen entspann sich, angeregt durch das Gehörte, manch gutes Gespräch. Poesievoll waren die Stätten, an denen die Lesungen abgehalten wurden, so etwa im Schloss Heidegg, Schloss Hallwyl, Turm Roten (Hohenrain). Poesievoll war nach der gehaltvollen Lesung in der Klosterherberge Baldegg auch die liebevolle Bewirtung der Klosterfrauen mit Tee aus dem eigenen Kräutergarten.

Mit französischem «Patois», Vallader, Elsässisch oder mit dem Dialekt der «Diepoldsauer» Bevölkerung ging es am Schweizer Mundarttag sprachlich angeregt durcheinander. Der von Radio DRS 1 her bekannte Mundartkenner Christian Schmid-Cadalbert hielt die Fäden in der Hand und wusste den sprachlichen Kulturmix gekonnt zu verknüpfen.

Viersprachige Lyrik auf höchstem Niveau bot auch die Veranstaltung mit der romanisch schreibenden Genfer Lyrikerin Denise Mützenberg, Christoph Ferber und Markus Hediger in Hochdorf. Mit der jurassischen Autorin Françoise Matthey war eine Stimme zu hören, die noch nie in der deutschen Schweiz vor Publikum getreten war.

Blick geht bereits in die Zukunft

«Ich bin mit dem Verlauf des Seetaler Poesiesommers sehr zufrieden», war von Organisator Ueli Suter aus Schongau zu vernehmen. Mit seinem in diesem Sommer erschienenen Buch «Literarische Innerschweiz» ist der in Schöftland aufgewachsene Kulturschaffende selber unter die Literaten gegangen. Ein Standardwerk, das man sich schon längst gewünscht habe, nannte die «NZZ» Suters literarischen Wurf, der zu ungeahnten Entdeckungen einlädt.

Nach den Isländischen Literaturtagen, die in diesem Herbst in Zofingen stattfinden (und in denen Ueli Suter ebenfalls für das Programm zeichnet), ergeben sich über die Sprachgrenzen hinweg wohl bereits wieder sanfte Anknüpfungen an einen nächsten Seetaler Poesiesommer.

Hinweis: Ruderbootlesung auf dem See, morgen Sonntag, 19 Uhr, Schiffssteg Beinwil am See.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1