Leitartikel

Planung einer Oberstufenschule: Fahrwangen hadert mit einer einmaligen Chance

Müssen bald nach Seengen in die Schule: Bez-Schüler von Fahrwangen.

Müssen bald nach Seengen in die Schule: Bez-Schüler von Fahrwangen.

Leitartikel zur Referendumsabstimmung über die Planung einer 10 Mio. Franken teuren regionalen Oberstufenschule.

Ein dreiköpfiges Referendumskomitee, das mit einem polemischen Flugblatt den finanziellen Teufel an die Wand malt und dem Gemeinderat, ohne es explizit zu sagen, schludrige Arbeit vorwirft. Ein Gemeinderat, der mit einer Stellungnahme kontert und sich «empört und befremdet» zeigt, dass man ihm «nicht glaubt». Was derzeit in Fahrwangen(2310 Einwohner) abgeht, hat mit gesitteter Dorfpolitik nichts mehr zu tun. Es ist wohl gelebte Demokratie, aber auf einem sehr tiefen Niveau.

Dabei geht der Blick auf das Ganze verloren. Falls es in Fahrwangen an der Referendumsabstimmung vom 29. November ein Nein gibt, leiden auch die drei umliegenden Gemeinden, die in einem jahrelangen Prozess eine gemeinsame Schul-Lösung entwickelt und erstritten haben: die Konzentration der Oberstufe (Sek und Real) im geografischen Mittelpunkt. Dort, wo ab Sommer 2022 ein Schulhaus leer stehen wird. In Fahrwangen. In der Gemeinde, die eine gefühlte Ewigkeit für die Erhaltung ihrer Bezirksschule gekämpft und schliesslich verloren hat (die Bez wird im übernächsten Sommer geschlossen).

Warum tun sich viele Fahrwanger schwer damit, die Chancen einer gemeinsamen Oberstufe zu erkennen? Warum haben 294 das Referendum unterschrieben, nachdem der Planungskredit für die Schulhauserweiterung an der Gemeindeversammlung klar mit 80 zu 14 Stimmen genehmigt worden ist? Warum geistert das Gespenst herum, das reiche Meisterschwanden könnte nach 10 Jahren aus dem Schulvertrag aussteigen?

Das Meisterschwanden, das zusammen mit Sarmenstorf bereit ist, ab 2023 etwa 150 Sek- und Realschüler abzugeben. Das Meisterschwanden, dessen Gemeindeversammlung zur neuen Lösung bereits Ja gesagt und den Planungsprozess für die künftige Nutzung der frei werdenden Schulräume schon eingeleitet hat. Sarmenstorf und Bettwil entscheiden am kommenden Freitag.

Klar ist: Fahrwangen ist unter den vier beteiligten Gemeinden die finanzschwächste. Der Steuerfuss liegt seit Jahren bei 118 Prozent (2018 gab’s eine faktische 3-Prozent-Erhöhung, weil der Steuerfussabtausch mit dem Kanton nicht gewährt wurde). Zum Vergleich: Bettwil hat einen Steuerfuss von 107%, Sarmenstorf 100% und Meisterschwanden 65 % (nächstes Jahr 60%).

Klar ist weiter: Die Verschuldung von Fahrwangen ist jetzt schon hoch – vor allem angesichts der relativ tiefen Steuerkraft. Und sie wird wegen der 10-Millionen-Investition in die Schulhauserweiterung vorübergehend sehr hoch. «Der Finanzplan zeigt, dass die Nettoschuld (inkl. Oberstufenstandort) im 2023 auf rund 7000 Franken pro Einwohner ansteigt, sich aber im 2030 auf 5575 Franken pro Einwohner reduziert», schreibt der Gemeinderat.

Und all das, so betont er, mit dem aktuellen Steuerfuss von 118 Prozent. Aus Sicht des Gemeinderates ist der Oberstufenstandort langfristig ein Geschäft («positive Auswirkungen auf die Gemeindefinanzen»): Denn die anderen Gemeinden müssen Schulgeld bezahlen – an Fahrwangen.

Das Referendumskomitee will die Finanzierung der 10-Mio.-Investition auf die beteiligten vier Gemeinden aufteilen. Es erhofft sich also Millionen von Meisterschwanden, Sarmenstorf und Bettwil. Ein Vergleich mit anderen Kreisschulen zeigt, dass eine solche Lösung die ganz grosse Ausnahme wäre und darum nicht realistisch ist. Denn es würde sich etwa die Frage stellen, wer im gemeinsamen Schulhaus was zu sagen hätte.

Auch wenn die finanzielle Lage der Gemeinde schwierig ist, sollten die Fahrwanger jetzt den Mut haben, etwas zu wagen: Sie würden eine Schule gewinnen, im Dorf Arbeitsplätze schaffen und hätten regional ein höheres Gewicht. Sagen sie am 29. November an der Urne Nein, gibt es einen Scherbenhaufen. Und langfristig nur einen Verlierer: Fahrwangen.

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Autor

Urs Helbling

Urs Helbling

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