Es ist noch früh am Morgen, als Jeff Hegi, Rita Abt und Trudi Siegrist sich aufmachen, um in einem Wald in der Nähe von Hochdorf Pilze zu sammeln. Sie bilden eine der verschiedenen Gruppen des Pilzvereins Seetal, die für die Ausstellung Pilze sammeln, die am Wochenende ausgestellt werden.

Das Wetter ist schön und warm und Nebelschwaden hängen in der Luft – eigentlich ein ideales Klima für Pilze. Trotzdem hält sich die Euphorie bei den Suchenden in Grenzen. «Es hatte in anderen Jahren viel mehr als jetzt», bemerkt Jeff Hegi.

Offenbar hat der überdurchschnittlich feuchte Sommer dafür gesorgt, dass viele Pilze dieses Jahr früher wuchsen als sonst. Diese Tatsache führte dazu, dass die Mitglieder des Pilzvereins sogar bis ins Tessin oder in den Jura ausschwärmten, um einige schöne Exemplare zu ergattern.

Die schönen Pilze werden für die Ausstellung gebraucht, gute Speisepilze werden zu kulinarischen Leckerbissen verarbeitet, die von den Ausstellungsbesuchern genossen werden können.

Frühes Pilzjahr

In der Regel werden an der Ausstellung etwa 400 bis 500 verschiedene Pilze gezeigt. Max Döbeli, Obmann der technischen Kommission, glaubt dieses Jahr nicht an so hohe Zahlen. «Dieses Jahr dürfte diese Summe kaum erreicht werden. Es war ein selten frühes Pilzjahr. Bereits im Juni erschienen dieses Jahr die ersten Pilze, infolge des nassen Sommers».

Der Verein führt vom Beginn der Pilzsaison bis zum ersten Frost jeweils Pilzkontrollen im alten Schulhaus in Tennwil von 18 bis 19 Uhr durch.

Werner Hegi, Präsident des Pilzvereins erklärt: «Findet ein Pilzkontrolleur gar einen Knollenblätterpilz, unter essbaren Pilzen, wird der ganze Korb konfisziert, da nur schon Krümel von diesem Pilz tödlich giftig sein können.» Wenn ein Knollenblätterpilz mit einem Champignon verwechselt wird, kann es sein, dass bis zu zwei Tagen noch keine Symptome auftreten. Dann ist es allerdings definitiv zu spät. Das Gift des Knollenblätterpilzes zersetzt die Leber und führt unweigerlich zum Tod.

Der Pilz, das seltsame Wesen

Wer in einem Pilzbuch blättert, findet verschiedenen Pilze mit Prädikaten wie essbar, giftig oder ungeniessbar versehen. Die Natur ist jedoch wesentlich komplizierter. Zwar ist ein Steinpilz ganz klar essbar und ein Fliegenpilz giftig – und doch – unter den Pilzen gibt es einige Fieslinge, die selbst professionelle Pilzkenner Jahrzehnte lang genarrt haben.

Ein Paradebeispiel dafür ist der «Kahle Krempling». Wer wenig von diesen Pilzen isst, der spürt nie etwas. Deshalb wurde dieser Pilz bis in die 70er-Jahre in den Büchern als essbar deklariert. Bei mehrfachem Genuss dieses Pilzes wird es irgendwann dramatisch. Der Pilz enthält nämlich ein Gift, welches im Körper nicht abgebaut werden kann. Wird eine bestimmte Dosis überschritten, kann dies zum Tod führen.

Wer sich für Pilze interessiert, kann also an der Ausstellung (heute Samstag von 11 bis 23 Uhr und morgen Sonntag von 10 bis 17 Uhr) viele Dinge über diese seltsamen Lebewesen erfahren, die neben Tieren und Pflanzen eine eigene Spezies bilden.

Bei den verschiedenen Exemplaren kann die unglaubliche Vielfalt der Natur bestaunt werden, die unzählige Form und Farbvariationen in Pilzen hervorbringt. Zudem wird auch kulinarisch einiges geboten. Verschiedene delikate Pilzgerichte können genossen werden – definitiv nur essbare.