Beinwil am See
«Piccolo» lebt seine Leidenschaft

Gelsomino Romer (18) aus Beinwil am See spielt in der Operette «Im weissen Rössl» auf der Löwenbühne den Jungkellner Piccolo. Er hat noch viele Pläne.

Peter Weingartner
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Selbstbewusst steht der junge Gelsomino Romer vor der Kamera. Er hat noch Grosses vor auf den Schauspielbühnen.

Selbstbewusst steht der junge Gelsomino Romer vor der Kamera. Er hat noch Grosses vor auf den Schauspielbühnen.

Peter Weingartner

Gelsomino – ein Vorname wie Musik, Betonung auf der dritten Silbe, ein Vorname, der verpflichtet? Gelsomino Romer, 18, lacht: «Der Bruder meiner italienischen Grossmutter hiess so.» Der Beinwiler spielt als jüngster Akteur auf der Löwenbühne in der Operette «Im weissen Rössl» den Jungkellner Piccolo. Da singt er im Chor mit und hat auch eine Sprechrolle.

«Komm her, Angebetete, an den Busen deines Beschützers!» Die Aufforderung hat er oft zu Hause laut deklamiert und dabei nicht seine Mutter gemeint, sondern die Resi in der Operette. Wie kommt ein junger Mann zur Operette? Peter Eichenberger, im Stück Kaiser Franz Joseph, habe ihn über Instagram angefragt, sagt Gelsomino, er habe Interesse signalisiert, musste vorsprechen und erhielt die Zusage. Und jetzt? Er findet es «mega schön», und die eingängigsten Melodien verfolgen nicht nur das Publikum im Alltag, sondern auch Gelsomino bei der Arbeit und in der Freizeit.

«Ich spiele gerne Theater», sagt der junge Mann, Polymechanikerlehrling im zweiten Lehrjahr bei der Firma Fischer in Reinach. Im Schultheater unter Manfred Stenz hat er bei zwei Produktionen mitgemacht. Und in der neuen Theatergruppe «Seelawy», die im September 2018 in einem Gewächshaus in Menziken Premiere feiern wird mit einer Eigenproduktion, ist er dabei. «Theater ist meine Leidenschaft, da kann ich meine Kreativität am besten ausleben», sagt er, und man spürt seine Freude.

Als Kellner Piccolo in der Operette.

Als Kellner Piccolo in der Operette.

Peter Siegrist-Bild und Text

Von Profis lernen

Operette ist nicht Schultheater. «Ich habe von den Profis viel gelernt», sagt er. Der zeitliche Aufwand – drei Intensivwochen mit allabendlichen Proben, vier Probe-Wochenenden – stört ihn nicht, obwohl in dieser Zeit und in den Wochen der Aufführungen nicht viel ist mit Ausgang. Fasnacht? «Ich verkleide mich zwar gerne, doch sagt mir die Fasnacht nicht so viel», sagt er. Auch die Biber der Pfadi Rimenzburg, deren Leiter er ist, müssen nun häufig auf ihn verzichten.

Piccolo, alias Gelsomino Romer, verhehlt seine Ambitionen nicht. Und die Komplimente bestärken und bestätigen ihn. «Ich muss es versuchen, sonst muss ich mir später vorwerfen, es nicht probiert zu haben.» Was denn? Der Sammler von Film-DVDs möchte Schauspieler werden. Und er hat einen Zeitplan: Lehre fertig machen, Militär, arbeiten, um Geld zu verdienen, Schauspielschule, am liebsten in den USA oder in London.

Horizonterweiterung

Den Löwensaal kennt Gelsomino Romer als Mitglied des Jugendchors Seetal. Und die Erfahrung der Operette hat ihm die Türe zur Welt der Orchestermusik geöffnet: «So viele Instrumente, schöne Harmonien; das finde ich sehr schön.» Sagt er, der sonst eher Ed Sheeran, Arctic Monkeys oder Nick Cave hört. «Filmmusik ist auch meist orchestral», sagt Gelsomino und denkt an seine Träume.

Ob die Melodien aus dem «Weissen Rössl» ihn auch noch verfolgen, wenn er im Sommer wieder auf Wanderschaft geht mit seinem Kollegen Simon Deubelbeiss, wie vor zwei Jahren über den Gotthard und letztes Jahr nach Lausanne? «Ich mag Abenteuer; zu Hause zu sitzen, ist mir zu langweilig», sagt der quirlige junge Mann. Und überlegt sich, nach dem Vornamen seines Grossonkels, auf den er getauft ist, den Familiennamen seines Vaters anzunehmen: Gelsomino Florida. Ein Name wie Musik, wie ein Pseudonym. Ist aber echt, kein Witz. Und ein bisschen USA.

Die Operette «Im weissen Rössl» wird noch bis am 18. März aufgeführt. www.theatergesellschaft.ch