Verkehrsunfall
Philipp Müller wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung verurteilt – «es tut mir sehr leid»

Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau hat den Aargauer FDP-Ständerat Philipp Müller wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand und wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung infolge mangelnder Aufmerksamkeit per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen und einer Busse von 10'000 Franken verurteilt. Müller hatte im September 2015 mit seinem Sportwagen in Lenzburg eine 17-jährige Rollerfahrerin umgefahren und diese dabei schwer verletzt.

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Der Mercedes von Philipp Müller wird beim Unfall beschädigt, er selber bleibt unverletzt.
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Die 17-jährige Rollerfahrerin dagegen erleidet schwere Beinverletzungen bei der frontalen Kollision.
Philipp Müller geriet in Lenzburg auf einer geraden Strecke unvermittelt über die Fahrbahnmitte nach links.
Der Sachschaden an beiden Fahrzeugen beträgt mehrere zehntausend Franken.
Die Ermittler bei ihrer Arbeit am frühen Donnerstagabend. Zum Unfall kam es um 17.15 Uhr.
Wie genau Philipp Müller über die Fahrbahnmitte geriet, ist wenige Tage nach dem Crahs noch nicht bekannt.
Klar ist: Philipp Müller stand nicht unter Alkoholeinfluss. Das sagt Roland Pfister, Medienchef der Kantonspolizei Aargau. Laut Mitteilung von Müller war er auch nicht am Handy. Zudem habe er sich fit gefühlt vor der Abfahrt.
Den Führerausweis ist Philipp Müller vorläufig los. Das ist das Standardvorgehen bei einem Unfall mit einer schwer verletzten Person.
Aufgrund der schweren Beinverletzungen der Rollerfahrerin wurde ein TCS-Rettungshelikopter aufgeboten
Philipp Müllers Mercedes kollidiert frontal mit Rollerfahrerin (17)

Der Mercedes von Philipp Müller wird beim Unfall beschädigt, er selber bleibt unverletzt.

Peter Rippstein/Tele M1

Die Aargauer Staatsanwaltschaft hat FDP-Ständerat Philipp Müller wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand und fahrlässiger schwerer Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 150 Tagessätzen und einer Busse von 10'000 Franken verurteilt.

Das Strafmass gilt als eher streng. Die Busse ist am oberen Rand für grobe Verkehrsregelverletzungen.

Philipp Müller sagt auf Anfrage der az: "Es tut mir sehr leid für die junge Frau. Ich denke jeden Tag an diesen Unfall." Zum Strafbefehl selber will Müller nichts sagen, da es sich um ein laufendes Verfahren handle. Der Strafbefehl wird innert zehn Tagen rechtskräftig. Müller hat aber eine "vorsorgliche Einsprache erhoben" und so etwas Zeit gewonnen, um zusammen mit seinem Anwalt zu entscheiden, ob er den Strafbefehl akzeptiert oder anficht.

Der Unfall hatte sich am 10. September 2015 in Lenzburg ereignet. Der FDP-Politiker – gerade mitten im Ständeratswahlkampf – war mit seinem Sportwagen auf einer geraden Strecke auf Höhe des Schwimmbads auf die Gegenfahrbahn gekommen und mit einer entgegenkommenden 17-jährigen Rollerfahrerin kollidiert.

Assistenzsysteme im Auto wurden mehrmals aktiv

Die Ermittlungen nach dem Unfall hatten ergeben, dass der Ex-FDP-Präsident wegen einer Schlafapnoe stark übermüdet war, teilt die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau am Montagmorgen mit. Zwar wusste Müller damals nichts von seiner Erkrankung, er hätte sich laut Staatsanwaltschaft aber während der Fahrt seiner Übermüdung bewusst werden müssen, da mehrmals die Spurhalte- und Bremsassistenz seines Mercedes-Sportwagens aktiviert wurde. Dies hatte die Auswertung der im Auto angebrachten Dash-Cam ergeben.

Spurhalte und Bremsassistent

Der Spurhalte-Assistent warnt den Fahrer eines Fahrzeuges vor dem Verlassen der Fahrspur auf einer Strasse. Die Systeme beobachten das Verhalten des Fahrers und werten aus, ob das Auto seine Spur mit oder ohne Einverständnis des Lenkers verlässt.

Ein Bremsassistent ist ein Bremskraftverstärker, der dafür sorgt, dass der notwendige Pedaldruck bei einem offensichtlichen Not-Bremsmanöver bis auf den maximal möglichen Bremsdruck erhöht wird. (sda)

Den Verdacht, dass er an Schlafapnoe leide, hatte Müller selber rund eineinhalb Monate nach dem Unfall und nach ersten Untersuchungen durch einen Facharzt in einem Interview mit dem "Blick" geäussert. Der Facharzt gehe davon aus, dass es aufgrund der Apnoe zu einem Sekundenschlaf gekommen sei, sagte Müller.

Bleibende Beschwerden beim Opfer

Die schweren Verletzungen de Rollerfahrerin machten mehrere Operationen und mehrmonatige stationäre Behandlungen und Rehabilitationen nötig. Der Unfall wird bei der damals 17-Jährigen trotzdem teils bleibende Beschwerden hinterlassen.

Die Familie des Opfers will Strafbefehl und Strafmass gegen Philipp Müller nicht kommentieren. (edi/roc/sda)