Dorers nächster Halt

Pfosten-Ruth statt Schwellen-Ruedi

Christian Dorer
Neue Hindernisse in Brunegg: Ein Betonklotz links, viele Pfosten rechts.

Neue Hindernisse in Brunegg: Ein Betonklotz links, viele Pfosten rechts.

Hindernisse zu umfahren ist für einen Buschauffeur normal, findet Christian Dorer. Ein Mal pro Monat lenkt er einen Regionalbus in Lenzburg – und sieht sich dabei genau mit jenen Problemen konfrontiert.

Die Arbeit eines Buschauffeurs besteht zu einem nicht unwesentlichen Teil darin, Hindernisse zu umfahren. Denn die stehen überall: Autos parkieren an den unmöglichsten Orten, Lastwagen halten zur Anlieferung an, Baustellenfahrzeuge versperren den Weg. Dazu kommen träumende Fussgänger mit Stöpseln in den Ohren und lebensmüde Velofahrer. Sich ärgern bringt nichts, schliesslich kann man es nicht ändern.

Hingegen bemüht sich die Betriebsleitung von Regionalbus Lenzburg darum, fixe Hindernisse entfernen zu lassen und die Durchfahrt zu vereinfachen: Strassen wurden verbreitert (zwischen Egliswil und Seengen), störende Bäume gefällt (in der Haarnadelkurve zwischen Boniswil und Leutwil), neue Lichtsignale erstellt, die beim Bus auf Grün springen (in Niederlenz bei der Abzweigung nach Möriken), grosszügige Wendeschlaufen eingerichtet (beim Coop in Schafisheim). Der Bahnhofplatz Lenzburg ist zwar noch weit von geordneten Verhältnissen entfernt, aber dank neuen Buskanten ist selbst dort die Situation nicht mehr so chaotisch. Linienführungen wurden angepasst, sodass heikle Passagen nicht mehr befahren werden, etwa die Schlossgasse zwischen Burghalde und Kronenplatz, wo eine Steinmauer in die Strasse ragt, was ab und an zu einer klirrenden Begegnung mit dem Rückspiegel des Busses führte.

Und jetzt das! In Brunegg mussten wir wegen der Strassensanierung während Monaten eine Umleitung fahren. Am Samstag konnte ich erstmals wieder den regulären Weg nehmen. Und da hat sich einiges getan: Tempo 30 ginge ja noch, da ich auf dieser schmalen Strasse ohnehin nicht schneller fahre. Doch der dicke Betonblock ist ein echtes Problem. Er ist just so platziert, dass ich die ganze Strassenbreite brauche, um nur schon mit dem Standard-Bus die Kurve zu kriegen – und wie wär das erst mit dem Gelenkbus? Dann die andere Strassenseite: Sie wird gesäumt von gelben Pfosten. Dass sie potthässlich sind, ist mir egal. Nicht egal ist mir hingegen, dass ich kaum mehr ein anderes Fahrzeug vernünftig kreuzen kann.

Das Ganze soll wohl den Verkehr beruhigen. Passieren tut das Gegenteil: Die neuen Hindernisse führen zu komplizierten Manövern. Als ein Busfahrer-Kollege kürzlich wegen des Betonklotzes mitten auf der Strasse anhalten musste, weil er nicht am Lernfahrer vorbeipasste, kam es zu einem heftigen Wortgefecht mit dem Fahrlehrer. Dieser meinte, der Bus solle gefälligst zurücksetzen.

Liebe Brunegger Behörden, liebe Gemeindepräsidentin Ruth Imholz: Baut den Blödsinn rasch wieder ab! Damit es Brunegg nicht gleich ergeht wie Zürich. Dort liess der bekannte EVP-Stadtrat Ruedi Aeschbacher in den 1980er-Jahren die Quartierstrassen mit Schwellen zupflastern. Er wurde deshalb im Volksmund zum «Schwellen-Ruedi». Wir aber wollen keine «Pfosten-Ruth»!

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