Auf dem Werkplatz Lenzburg hat man sich an die positiven Meldungen über Neugründungen und -ansiedlungen gewöhnt, doch gibt es auch Hiobsbotschaften: Diese Wochen wurden die 17 Mitarbeitenden der Lenzburger Niederlassung der Pawi Verpackungen informiert, dass ihr Werk aus Renditegründen noch im ersten Semester des laufenden Jahres geschlossen wird.

Wie der in Winterthur ansässige Verpackungshersteller Pawi in einer Medienmitteilung festhält, ist «der Umsatz für Menü- und Backschalen in den letzten Jahren um die Hälfte eingebrochen». Weil die Aussichten schlecht sind und der Standort Lenzburg (das Werk liegt an der Ringstrasse Nord) auf die Herstellung von Menü- und Backschalen konzentriert ist, sieht man nur noch die Möglichkeit, der Schliessung.

Defizitäre Produktion

Man sei in den letzten Jahren aktiv gewesen, nach neuen Märkten zu suchen, um den Absatz-Einbruch kompensieren zu können, schreibt die Pawi. Wegen des spezialisierten Maschinenparks sei aber «nur die Fertigung von tiefverformten Kartonschalen infrage gekommen». Eine Weiterführung der defizitären Produktion in Lenzburg hätte «die gesunde Substanz der Pawi-Gruppe gefährdet».

Aus diesem Grund habe man sich für die Schliessung des Werks entscheiden müssen. Dass der Schritt unumkehrbar ist, zeigt die Tatsache, dass man für den Maschinenpark bereits einen Käufer aus Frankreich gefunden hat. Das Gebäude mitsamt der umliegenden Landreserve werde zum Verkauf ausgeschrieben.

Einbruch wegen Fleischskandal

In Lenzburg werden durch die Firma Pawi Verpackungen Menüschalen aus Karton für Fertiggerichte sowie Backformen hergestellt. Der Kundenstamm dieser Produkte findet sich vor allem in den Nachbarländern Frankreich, Österreich und Deutschland, aber auch in der Schweiz. Der Umsatz in diesem Produktsegment sei in den letzten drei Jahren um die Hälfte eingebrochen, hält die Pawi in ihrer Medienmitteilung fest.

Bei der 1960 gegründeten Firma, die neben dem Hauptsitz in Winterthur in Deutschland einen weiteren Produktionsstandort aufweist, hat man verschiedene Ursachen für diesen massiven Einbruch geortet. Neben dem geänderten Konsumverhalten (an die Stelle von Tiefkühlprodukten treten immer mehr gekühlte Fertigprodukte) wird in der Medienmitteilung auf einen konkreten Auslöser hingewiesen: «Zu einem enormen Nachfrageeinbruch führte schliesslich der europäische Pferdefleischskandal, als aufgedeckt wurde, dass in Tiefkühlprodukten oft das günstigere Pferdefleisch, statt des deklarierten Rindfleischs beigefügt wurde.»

Bedauern über Abbau

Indirekt führte also der «Lasagne Pferdi»-Skandal zum Verlust von 17 Stellen in Lenzburg. Die Pawi will die Betroffenen bei der Stellensuche «intensiv unterstützen». Individuell werde auch ein Wechsel in ein anderes Werk der Pawi-Gruppe geprüft. «Wir setzen alles daran, dass unsere Mitarbeitenden direkt eine Anschlusslösung erhalten», so Pawi-Geschäftsführer Andreas Keller. Die Hoffnung, dass für alle Angestellten eine gute Lösung gefunden wird, teilt auch Stadtammann Daniel Mosimann.