Leutwil
Pferd und Mensch verstehen sich blind

Am Holzrücketurnier haben schwere Kaltblutpferde bewiesen, dass sie auf feine Stimmbefehle reagieren und zentimetergenau arbeiten können.

Sibylle Haltiner
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«Hüst, hüst, noch ein Schrittchen, Schrittchen, hott, hooo, braaav.» So tönte es am Wochenende in Leutwil. Auf diese Kommandos hörten Pferde, die schwersten unter ihnen beinahe eine Tonne schwer, und positionierten einen Baumstamm in einer Kerbe oder zogen ihn zentimetergenau zwischen zwei Holzpflöcken hindurch. Die schweren Kaltblüter reagierten sofort auf die Stimmbefehle oder ein feines Zügelrücken ihres Fuhrmannes oder der Fuhrfrau und die Zuschauer staunten über die Sensibilität und die punktgenaue Arbeit der vierbeinigen Riesen.

Wie die Arbeit im Wald

Bereits zum zweiten Mal haben Markus Eichenberger, genannt «Eichi», und Brigitte Meier ein Holzrücketurnier unter dem Motto «Pferückte Tage» organisiert. Insgesamt waren 18 Pferde am Start, die meisten gleich mehrmals, die Fuhrleute waren nicht nur aus der ganzen Schweiz, sondern auch aus Deutschland und Österreich angereist. Markus Eichenberger hatte in einem Baumgarten an Hanglage einen Parcours mit verschiedenen Aufgaben, welche Holzrückepferde bei der Arbeit im Wald bewältigen müssen, aufgestellt. Holzpfosten mit darauf liegenden Tennisbällen symbolisierten junge Bäume, auf welche bei der Arbeit im Wald besonders Rücksicht genommen werden muss. Deshalb gab es Punktabzüge, wenn ein Ball zu Boden fiel.

«Ein ruhiges, nervenstarkes und gehorsames Pferd sowie gegenseitiges Vertrauen sind für die Rückearbeit zentral», erklärte Markus Eichenberger. «Wichtig ist auch, dass das Paar Gelegenheit hat, tatsächlich im Wald zu arbeiten.» Deshalb wünscht sich «Eichi» noch mehr Förster, welche auf die bodenschonende Arbeit mit Pferden setzen und dem Nachwuchs Gelegenheit geben, praktische Erfahrungen zu sammeln.

Ein Warmblut als Exot

Am Holzrücketurnier waren die Teilnehmer ein- und zweispännig am Start. Einsteiger durften in einer separaten Prüfung mit einfacheren Aufgaben teilnehmen und erhielten von Markus Eichenberger Hilfe bei der Bewältigung des Parcours. Vor zwei Jahren hatte auch Peter Moos aus Anglikon noch bei den Einsteigern mitgemacht, am Samstag war er mit seinem Pferd Wulcan bereits bei den Profis dabei. Wulcan hob sich allerdings von den übrigen Pferden deutlich ab, denn er ist kein Kalt- sondern ein Warmblut, grösser, feiner, leichter und temperamentvoller als seine Konkurrenten. «Wulcan nimmt an Springturnieren und Dressurprüfungen teil, zieht die Kutsche und ich kann meine Grosskinder auf ihm reiten lassen», lobte Moos seinen Wallach. Am Holzrücken fasziniert den pensionierten Bäcker, dass man das Pferd fast nur mit der Stimme lenkt und es sehr gehorsam sein muss.

«Hüst» und «hott»

Einige Fuhrleute aus Deutschland und Österreich verzichteten darauf, ihre eigenen Pferde ans Turnier mitzunehmen, und gingen mit ausgeliehenen Tieren an den Start. Doch deutsche Fuhrleute und Schweizer Pferde sprechen nicht die gleiche Sprache. Hierzulande heisst es «hüst» und «hüa» für «links» und «vorwärts», will der deutsche Fuhrmann nach links dirigieren, sagt er jedoch «ha», und er ruft «komm», um geradeaus weiterzugehen. Nur bei «hott» verstehen beide dasselbe, nämlich: «Geh nach rechts.»