Der reformierte Pfarrer Olaf Wittchen fühlt sich mit dem Wasser verbunden. Aufgewachsen an einem grossen See in Deutschland kam er bereits als Junge mit dem Segeln in Berührung.

Er hat auch schon Regatten gesegelt, später kam das Windsurfen dazu. Heute fährt Wittchen jedes Jahr mit 20 Jugendlichen in die Niederlande, um dort für eine Woche in See zu stechen.

Der Segeltörn ist kein Konfirmandenlager, die Teilnehmer sind bereits konfirmiert worden und freiwillig mit an Bord.

Der reformierte Lenzburger Pfarrer Olaf Wittchen

Der reformierte Lenzburger Pfarrer Olaf Wittchen

Im Jahr 2007 organisierte Wittchen die Reise zum ersten Mal. «Es ist schwierig, die Nachkonfirmanden bei Stange zu halten. Da ist Projektarbeit gefragt», sagt Olaf Wittchen.

Mit Infoveranstaltungen und Flyern hat er für seinen Törn geworben. Anfangs war es nicht ganz einfach, die Jugendlichen für die Reise zu begeistern, mittlerweile hat der Pfarrer keine Mühe mehr, die 20 Plätze auf dem Segelschiff zu besetzen.

Am gleichen Strick ziehen

Auf dem Schiff hat eine Skipperin das Kommando, ein Matrose gehört ebenfalls zur Mannschaft. Der Törn ist keine Kreuzfahrt, die Jugendlichen müssen auch mit anpacken. «Auf dem Schiff ist der Zusammenhalt wichtig», sagt Wittchen.

Die «Auwe Neel» – auf Deutsch Plappertante – hat fünf Segel, um das grösste aufzuziehen müssen bis zu zehn Leute am gleichen Strick ziehen. Doch ziehen allein reicht nicht: Damit niemand verletzt wird, müssen alle Bewegungen gleichmässig ausgeführt werden.

Jeden Abend legt die Gruppe in einem neuen Hafen an, die Route richtet sich nach dem Wetter und den Gezeiten. Nach dem Anlegen wird eingekauft, dann zusammen gekocht. Die Skipperin der «Auwe Neel» freut sich laut Olaf Wittchen jeweils sehr auf die Segler aus der Schweiz, weil diese so gut kochen.

Wittchen freut sich über die Jugendlichen, die bei seinem Törn mitmachen, einige sind schon Stammgäste geworden. «Vor allem mit den wiederkehrenden Seglern ist damit ein Stück Gemeindeaufbau gelungen», sagt er. Diese seien auch an anderen Anlässen in der Gemeinde aktiv.

Wird während des Segeltörns in den Niederlanden auch zusammen gebetet? «Wenn jetzt jemand eine Morgendandacht wünschen würde, wäre ich dazu gern bereit», sagt Wittchen.

Das Schiff sei aber kein Ort, um den Teilnehmern den Glauben aufzudrücken. Wer den Pfarrer kennt, weiss, dass es während des Törns auch ohne religiösen Rahmen zu interessanten Gesprächen über Gott und die Welt kommt. Sei es auf Deck oder abends bei einem Bier in der Kneipe.

Als alter Segler durfte Wittchen das Steuer des 26 Meter langen Klippers auch schon selbst in die Hand nehmen. «Einmal habe ich das Schiff durch eine Schleuse gesteuert», erzählt er. Da habe er aber Blut und Wasser geschwitzt.