Er war selbst nie in der Pfadi, aber seine drei Söhne waren alle dabei. Schild ist in Brienzwiler im Berner Oberland aufgewachsen. Nach einer Ausbildung zum Maurer kam er in jungen Jahren nach Aarau, um hier die Bauschule zu absolvieren. 1962 begann er als Bauführer bei der Doninelli AG in Staufen. In Lenzburg liess er sich nieder und gründete mit seiner Frau Claire eine Familie.

Der 76-Jährige war während 32 Jahren Präsident des Heimvereins für das Pfadiheim Lenzburg. «Manchmal bin ich selbst erstaunt, was wir fertiggebracht haben», sagt Peter Schild stolz. 1978 war er Präsident des Elternrats der Pfadi Jura Lenzburg, als die Stammführer mit dem Anliegen an ihn herantraten, sie bräuchten eine neue Unterkunft. Das bisherige Lokal am Ziegelacker musste geräumt werden. So wurde Peter Schild zum Vater des Lenzburger Pfadiheims. «Vom Bergbauernbub zum Pfadi-Ätti», sagt er selbst.

Eine Baubaracke aus Uri

Schild setzte sich für die Gründung eines Heimvereins ein und nahm Gespräche mit der Stadt auf. Die Stadt Lenzburg stellte ein Stück Land am Bollberg zur Verfügung, Schild machte sich als Bauführer auf die Suche nach einem passenden Gebäude. In Seedorf im Kanton Uri wurde er fündig. Eine alte Baubaracke konnte für 5000 Franken gekauft werden und diente als Kern des neuen Pfadiheims. Mit einem massiven Fundament, einem Dachstuhl, einer zweiten Baracke und einer schönen Holzfassade entstand zwischen 1979 und 1983 ein stattliches Haus am Bollberg. Das Pfadiheim ist ein Flickwerk, aber man sieht es ihm keineswegs an.

Peter Schild, Vater des Pfadiheims Lenzburg: «Manchmal bin ich selber erstaunt, was wir fertiggebracht haben.»

Peter Schild, Vater des Pfadiheims Lenzburg: «Manchmal bin ich selber erstaunt, was wir fertiggebracht haben.»

«Die Konstruktion war eine Herausforderung, oft hatten wir eine rollende Planung», erzählt Bauchef Peter Schild rückblickend. Die Balken für den Dachausbau stammen aus Lenzburg. «Wir hatten viel Glück beim Bauen. Als die Tanzbühne fürs Jugendfest auf der Schützenmatte ersetzt werden musste, bekamen wir die alten Holzbalken.» Back- und Kalksteine, Zement und Beton wurden von grosszügigen Spendern zur Verfügung gestellt. Ein Glücksfall war auch die Entstehung des Vorplatzes vor dem Pfadiheim. Als in der Rheinfelder Altstadt das Kopfsteinpflaster ersetzt wurde, durften die Lenzburger das alte Material übernehmen und schufen daraus einen schönen Platz zum Verweilen. Zahlreiche Spendenaktionen brachten Geld in die Vereinskasse. Den Löwenanteil der Arbeiten übernahmen aber die Vereinsmitglieder.

«Das Pfadiheim ist in über 25 000 Stunden Frondienst entstanden. Ohne den beherzten Einsatz aller Beteiligten wäre das nicht möglich gewesen», sagt Schild. Er hat die Arbeitseinsätze akribisch protokolliert und über 2000 Fotos geschossen, um die Entstehung des Pfadiheims zu dokumentieren. Seine Söhne und seine Frau vermissten den Vater manchmal, wenn er am Samstag nach der Arbeit auch noch den Nachmittag auf der Baustelle verbrachte. Die Arbeit schweisste dafür die Pfadifamilie zusammen. Aus dem harten Kern der freiwilligen Helfer entstand nach der Fertigstellung die Männerkochgruppe «Schloss-Chuchi», die sowohl die Aargauer als auch die Schweizer Kochmeisterschaften gewann.

Fusion von «Lentia» und «Jura»

Die Lenzburger Mädchenpfadi hatte bis 1992 ein eigenes Pfadiheim in der Schlosshöhle, bis die Pfadi Lentia mit der Bubenpfadi Jura zur gemischten Abteilung Gofers Lenzburg fusionierte. Seither benutzt die Pfadiabteilung als eine der grössten Abteilungen im Kanton beide Heime gemeinsam. Der Tiefpunkt in der Geschichte des Pfadiheims am Bollberg war 1994, als wegen eines Kurzschlusses die Küche komplett ausbrannte. Die Heimwartin war zum Glück in der Nähe, so konnte Schlimmeres verhindert werden.

Der Höhepunkt in Schilds «Pfadi-Karriere» sei die Übergabe seiner Ämter in gute Hände und die Ernennung zum Ehrenpräsidenten der Pfadi Lenzburg gewesen. «Ich schaue sehr gerne auf diese Zeit zurück. Diese Aufgabe hat mich persönlich weitergebracht, diente aber vor allem einer guten Sache. Ich hatte dabei immer viel Unterstützung», sagt Schild.

Leidenschaft fürs Bergsteigen

Als Bergbauernbub hat Peter Schild im Unterland die Berge sehr vermisst. Seine unzähligen Bergtouren, die er mit der Pfadi und mit seinem Geschäft durchführte, haben ihn etwas versöhnt. Er hat mit seinen Söhnen zahlreiche Viertausender bestiegen. Die drei haben die Leidenschaft des Vaters geerbt. Der Aufstieg aufs Matterhorn ist Schild besonders schön in Erinnerung. Mit seiner Frau Claire war er auf dem Kilimandscharo, in Nepal, in Tibet. Wenn er auch etwas ruhiger geworden ist, mit dem Bergsteigen will er nicht aufhören. Im Oktober nimmt er den Spitzmeilen im Glarnerland in Angriff – ein anspruchsvoller Gipfel, für Peter Schild aber kein Grund zur Aufregung.