Lenzburg
Petitionär fordert wegen gefährlicher Kantonsstrasse: «Hier soll nur noch Tempo 30 gelten»

Die Verkehrssituation auf dem 350 Meter langen Abschnitt auf der Lenzburger Kantonsstrasse am Rande der Altstadt zwischen Aabachbrücke und Hotel Ochsen ist Rolf Glückler ein Dorn im Auge. Die Petition des Securitas-Mitarbeiters haben bereits 500 Personen unterzeichnet.

Jakob Weber
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Rolf Glückler echauffiert sich über die Verkehrslage auf der Kantonsstrasse zwischen Aabachbrücke und Hotel Ochsen und fordert Massnahmen.

Rolf Glückler echauffiert sich über die Verkehrslage auf der Kantonsstrasse zwischen Aabachbrücke und Hotel Ochsen und fordert Massnahmen.

Jakob Weber

Rolf Glückler regt sich fürchterlich auf. «Es wundert mich, dass hier noch nie jemand umgekommen ist», erklärt der 61-Jährige, der entschieden hat, selbst aktiv zu werden. Die Verkehrssituation auf dem 350 Meter langen Abschnitt auf der Lenzburger Kantonsstrasse am Rande der Altstadt zwischen Aabachbrücke und Hotel Ochsen ist dem Securitas-Mitarbeiter ein Dorn im Auge.

«Zwei gefährliche Rechts-vor-Links-Kreuzungen, fünf Fussgängerstreifen, das fehlende Trottoir vor dem Hotel Ochsen, der Verkehr...», Glückler könnte noch mehr Gründe aufzählen, warum hier, statt den auf Kantonsstrassen üblichen 50 km/h, wohl eher Tempo 30 angebracht wäre. Mit einer Petition will Glückler nun «dem Lenzburger Stadtrat ein deutliches Signal senden».

Anfang Februar machte sich Glückler, der seit drei Jahren SP-Mitglied ist, auf den Weg, um seine Petitionsbögen in jeden Lenzburger Briefkasten zu werfen. Nach und nach kommen die signierten Bögen jetzt zu ihm zurück. Über 500 Unterschriften sind es nach knapp zwei Monaten. Die meisten kommen aus Lenzburg, etwa zehn Prozent der Sympathisanten aber auch von ausserhalb.

Weil das erste Ziel, 500 Unterschriften zu sammeln, schon erreicht ist, strebt der Familienvater nun die 1000 an. «So viel Zuspruch hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet», freut sich Glückler, der fast täglich den gefährlichen Abschnitt passiert. «Letztens hätte ich hier selbst beinahe jemanden überfahren», erzählt der Mann, der seit zehn Jahren in Lenzburg wohnt.

Negative Reaktionen erhält er kaum. Auf einem leeren Bogen in seinem Briefkasten prangte lediglich einmal die Aufschrift «SP-Arschloch», dabei handelt Glückler in diesem Fall als Privatperson. Dass seine Partei im Einwohnerrat eine Motion vorantreibt, die dasselbe fordert, sei schön, aber ein zweites paar Schuhe aus dem er sich komplett zurückgezogen habe, sagt Glückler.

Einen Fünfliber im Briefkasten

Über Beschimpfungen eines Einzelnen kann der Musik- und Gartenfreund lachen. Für echte Freude sorgen die vielen positiven Rückmeldungen. «Eines Tages klingelte ein pensionierter Italiener, drückte mir die Unterschriften von ihm und seiner Frau persönlich in die Hand und sagte ‹Meine Frau mag nicht gern, wenn ich schnell fahre.› Das war herzig», erzählt Glückler lachend. Auch dass er eines Morgens ein Fünffrankenstück an einem retournierten Petitionsbogen fand, motivierte ihn, weiter zu sammeln.

Ob Glücklers Petition eines Tages tatsächlich von Erfolg gekrönt ist, steht in den Sternen. Als Erstes muss der Stadtrat entscheiden, wie er mit den gesammelten Unterschriften umgeht. Das letzte Wort hat dann der Kanton, der bislang eisern an Tempo 50 auf Kantonsstrassen festhält.

Im letzten Jahr wurde in Suhr in einem vergleichbaren Fall eine offizielle Anfrage der Gemeinde vom Kanton abgelehnt. Die Begründung: «Damit die Verkehrsmenge bewältigt werden kann, muss der Verkehr fliessen. Das ist bei Tempo 30 nicht möglich.»

«Das sind doch alles leere Behauptungen. Im Aargau scheinen sie Angst vor einem Dammbruch zu haben», echauffiert sich Glückler, der an eine Durchsetzung seines Anliegens hofft. «In Anbetracht der Gegenwehr kann ich zwar nicht erwarten, dass der Kanton auf dem besagten Abschnitt Tempo 30 durchsetzt. Sollte es doch so weit kommen, wäre ich der glücklichste Mensch der Welt», sagt Glückler.

Kontakt

Rolf Glückler, Ammerswilerstrasse 32, 5600 Lenzburg

Mail: rolf.glueckler@gmail.com