Beinwil am See
Peter Lenzin vor stiller Wahl zum Gemeindeammann: «Ich bin keine Notlösung»

In Beinwil am See wird der 65-jährige Neuzuzüger Peter Lenzin voraussichtlich in stiller Wahl Gemeinderat und neuer Gemeindeammann. Dieser ist überrascht: «Ich hatte mit mindestens einem Gegenkandidaten gerechnet», sagt Peter Lenzin im az-Interview.

Pascal Meier
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Peter Lenzin will vor allem bei den Finanzen Akzente setzen.

Peter Lenzin will vor allem bei den Finanzen Akzente setzen.

Pascal Meier

Neue Kandidaten in Boniswil, Meisterschwanden und Dürrenäsch

Am Mittwoch ist die Meldefrist für die zweiten Wahlgänge der Gemeinderatswahlen abgelaufen. In Boniswil und Dürrenäsch wurde je eine Kandidatin angemeldet, in Meisterschwanden zwei. Mehr dazu lesen Sie hier.

Keine Überraschungen erwartet

Damit gibt es in Beinwil am See keinen 2. Wahlgang – vorausgesetzt, dass sich auch während der kommenden fünftägigen Nachmeldefrist keine neuen Kandidaten melden.

Diese läuft ab Freitag mit der amtlichen Publikation der Kandidatur Peter Lenzins und endet am Mittwoch. «Bleibt die Frist ungenutzt, wird das Wahlbüro Peter Lenzin als gewählt erklären», sagt Gemeindeschreiber Stefan Jetzer.

Alles andere wäre eine Überraschung. In Beinwil am See, wo man monatelang erfolglos einen Gemeindeammann gesucht hatte, gilt Peter Lenzin bereits als gewählt.

Peter Lenzin: «Ich bin keine Notlösung»

Im Interview mit der az zeigt sich Peter Lenzin überrascht, dass sich eine stille Wahl abzeichnet. Zudem skizziert der designierte Gemeindeammann seine Pläne für Beinwil am See.

Herr Lenzin, Sie werden mit grosser Wahrscheinlichkeit in stiller Wahl Gemeindeammann. Fühlen Sie sich als Wahlsieger, obwohl es eine Wahl ohne Auswahl ist?

Peter Lenzin: Zuerst einmal bin ich völlig überrascht, dass sich nicht mindestens ein Gegenkandidat gemeldet hat. Das zeigt, dass ich wohl auch im 1. Wahlgang der einzige Kandidat gewesen wäre.

Dass Sie erst zum 2. Wahlgang antreten, gibt zu reden: Die FDP wusste von Ihrem Interesse bereits Wochen vor dem 1. Wahlgang, als andere Parteien noch verzweifelt Kandidaten suchen. War diese Strategie richtig?

Peter Lenzin: Mit 65 Jahren wollte ich niemand jüngerem im Wege stehen. Ich wartete deshalb ab, ob nicht doch im
1. Wahlgang ein wilder Kandidat viele Stimmen erhält. Weil dies nicht der Fall war, stelle ich mich nun zur Verfügung. Es ist eine Notsituation.

Sind Sie damit eine Notlösung in einer Notsituation? Oder anders gefragt: Wollen Sie das Amt wirklich?

Peter Lenzin: Ich bin keine Notlösung. Im Gegenteil: Ich hätte grosse Freude am Amt und bin politisch interessiert. Mich reizt die Herausforderung, im Gemeinderatsteam zur Entwicklung von Beinwil am See beizutragen. Zudem bin ich seit kurzem pensioniert und habe genügend Zeit für das Amt.

Warum sind Sie der richtige Mann für das Amt des Ammanns?

Peter Lenzin: Ich denke, ich bringe das nötige politisches Know-how sowie viel Führungserfahrung mit. Zuletzt war ich Geschäftsführer einer mittelständischen Firma in der Maschinenindustrie. An meinem früheren Wohnort Rudolfstetten führte ich zudem viele Jahre die FDP-Ortspartei und war acht Jahre lang auch Präsident der
Finanzkommission.

Wohin steuert Beinwil am See mit Ihnen im Führerstand?

Peter Lenzin: Durch meinen Werdegang habe ich ein Flair für Finanzen. Hier möchte ich Akzente setzen: Steuergelder sollten zurückhaltend eingesetzt werden. Zudem möchte ich die Steuer-Erhöhung so rasch wie möglich wieder rückgängig machen. Wichtig ist mir auch ein funktionierendes Dorfleben: Dieses leidet immer noch etwas unter der «Löwen»-Abstimmung. Ich selbst war gegen den Umbau des «Löwen» zur Gemeindeverwaltung und habe das Gefühl, dass nach dem knappen Ja an der Urne die Gegner vom Gemeinderat heute zu wenig gehört werden. Ich möchte die Verlierer wieder ins Boot holen.

Schwingt hier auch Kritik am heutigen Gemeinderat mit?

Peter Lenzin: Der Gemeinderat macht einen guten Job. Er hat Mut bewiesen, als er der Bevölkerung mit der Immobilienstrategie eröffnete, dass in naher Zukunft rund 30 Millionen Franken an Investitionen anstehen, die man zuvor jahrelang vor sich her geschoben hatte. Ich vermisse einzig, dass man auch auf die Verlierer der «Löwen»-Abstimmung hört.

Sie wohnen seit drei Jahren in Beinwil am See. Das ist wenig für einen Gemeindeammann, sagen alteingesessene «Böjuer».

Peter Lenzin: Ich denke, das hat Vor- und Nachteile. Weil ich im Dorf noch wenig verwurzelt bin, muss ich mich stärker in meine neue Aufgabe reinknien. Der Blick von aussen kann einer Gemeinde aber gut tun. Zudem bin ich unabhängig und nicht vorbelastet. Die Situation ist ähnlich wie in der Privatwirtschaft: Wenn man nur Leute befördert, die in der gleichen Firma gross geworden sind, würde die Wirtschaft schlecht aussehen.

Sie sind jetzt 65 Jahre alt. Bleiben Sie nur eine Amtsperiode?

Peter Lenzin: Ich fühle mich fit und möchte mehr als nur ein paar wenige Jahre als Gemeindeammann wirken. Man weiss aber nie, was die Zukunft bringt.