Lenzburg
Party-Drogen über das Internet bestellt: Bedingte Freiheitsstrafen

Zwei Männer hatten sich Flüssig-Ecstasy gekauft und standen deswegen vor dem Bezirksgericht Lenzburg. Beide erhielten bedingte Freiheitsstrafen.

Michael Spillmann
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Die Partydroge GHB

Die Partydroge GHB

Keystone

Sie erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit - GBL oder GHB, in der Szene auch Flüssig-Ecstasy bekannt. Als so genannte K.-o.-Tropfen haben sie aber oftmals schlimme Folgen für ahnungslose Partybesucher: Unbemerkt in Getränke geschüttet, machen sie die Opfer manipulierbar und schliesslich bewusstlos.

Wegen einer dieser Substanzen mussten sich gestern der 25-jährige Kroate P. und der 24-jährige Italiener D. vor Bezirksgericht Lenzburg verantworten. Sie sollen, so die Anklage, von Ende 2008 bis Februar 2009 insgesamt 6,1 Kilogramm der Industriechemikalie GBL (Gammabutyrolacton) im Internet bestellt und teils verkauft haben. Reingewinn: knapp 2000 Franken. Die Staatsanwältin forderte 18 Monate Freiheitsstrafe unbedingt für den Italiener und 20 Monate unbedingt für den Kroaten.

«Der Anstoss kam von ihm»

Die Gerichtspräsidentin stellte gleich zu Beginn die entscheidende Frage: «Wie kamen Sie auf die Idee, GBL zu importieren?» Der 25-jährige P., verheiratet und Betriebsmitarbeiter von Beruf, stellte sogleich klar: «Der Anstoss kam von ihm», womit er wohl den 24-jährigen D. meinen musste, der nur unweit entfernt auf der Anklagebank sass. Ihm selber sei nur «flüchtig» bekannt gewesen, worum es sich bei GBL handelte und er habe es auch nicht «als illegal eingestuft». Er habe diesbezüglich auch im Internet danach «gegoogelt», dabei aber nichts gefunden.

Als die ersten GBL-Lieferungen Anfang 2009 aus Deutschland eingetroffen waren, lagerte der 25-Jährige die Ware in seiner Garage in der Region Lenzburg ein, von wo die beiden die Droge für 50 Franken pro Deziliter verkauften. Woher die Leute gewusst hätten, dass man bei ihnen GBL kaufen konnte, wollte die Gerichtspräsidentin wissen. «Das ging über Mund-zu-Mund-Propaganda», erklärte der 25-Jährige den Richtern.

«Ich war ein halbes Jahr süchtig»

Der ebenfalls wegen qualifizierter Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz angeklagte 24-jährige D. schilderte, wie er bereits vor fast 8 Jahren GBL probiert hatte. Nachdem das Duo dann den Plan für die umfangreicheren GBL-Bestellungen umgesetzt hatte, sei er süchtig geworden - ein halbes Jahr. «Es dreht ein wenig im Kopf, so als wäre man besoffen», so der Metallbauschlosser.

Mit Folgen: D. war gemäss Eigenaussage zweimal im Spital, nachdem er vom GBL-Konsum ohnmächtig geworden war. «Heute bin ich sauber, der Entzug dauerte eine Woche», beteuerte er vor Gericht.

Im Gegensatz zu P. betonte der 24-Jährige, sie seien «zusammen auf die Idee» gekommen, das Flüssig-Ecstasy zu bestellen. Und: Wegen seiner neuerlichen Sucht habe er das von P. gekaufte GBL selber konsumiert. «Ich habe manchmal im 2-Stunden-Takt davon genommen, sogar während der Nacht», rechnete D. vor.

Die beiden Verteidiger forderten für die beiden jungen Männer in Bezug auf den Vorwurf der qualifizierten Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz Freisprüche. Sie kritisierten die unüberschaubare rechtliche Handhabe mit GBL und erklärten, die Menge im vorliegenden Fall deute nicht auf «einen schweren Fall».

Die Richter verurteilten den Kroaten schliesslich wegen qualifizierter Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten bei einer Probezeit von 3 Jahren, den Italiener wegen des Verkaufs und Konsums von Betäubungsmitteln zu einer bedingten Geldstrafe von 30 000 Franken und einer Busse von 6000 Franken bei einer Probezeit von 4 Jahren.