Lenzburg
Parteien wollen keine zweite Umfahrung

Sowohl die CVP Lenzburg als auch die GLP Bezirk und Stadt Lenzburg kritisieren den kantonalen Richtplanentwurf und fordern, dass die Ostumfahrung, die den Verkehr aus dem Seetal zügig auf die Autobahn bringen soll, gestrichen wird.

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AZ

In einer Stellungnahme schreibt die CVP, der Richtplan sehe als Grundsatz vor, dass Anpassungen auf die Förderung der nachhaltigen Entwicklung ausgerichtet würden. In Bezug auf die zukünftige Verkehrsplanung in Lenzburg werde diesem schönen Grundsatz jedoch nicht nachgelebt, Siedlungstrenngürtel und sogar Landschaften von kantonaler Bedeutung würden dem Mobilitätsbedürfnis der Einwohnerinnen und Einwohner anderer Gemeinden geopfert, ohne dass ein entsprechender Ausgleich vorgesehen wäre.

Verkehr mittels Pförtner dosieren

«Im Gegenteil wird immer mehr Verkehr über Lenzburg abgewickelt», heisst es weiter. Lenzburg trage damit die negativen Folgen der demografischen Entwicklung im Freiamt und im Seetal. «Durch die Vernichtung von Naherholungsgebieten und Grünzonen wird der Lebensstandard in unserer Gemeinde gesenkt.»

Die CVP Lenzburg fordert, dass alle neuen Projekte, bevor sie den Status «Festlegung» erhalten, auf ihre Nachhaltigkeit geprüft werden. Weiter setzt sich die CVP für ein regionales Verkehrsleitsystem ein, welches mittels Pförtnersystem den Verkehr aus dem Freiamt und dem Seetal dosiert auf Lenzburg abgeben würde.

Naherholungsgebiet schützen

Die CVP kritisiert die geplante «Ostumfahrung», südöstlich von Stadtkern und Schlossberg, die den Verkehr aus dem Seetal zügig auf die Autobahn bringen soll, und fordert deren Streichung aus dem Richtplan.

Bei der Landschaft zwischen Gofi und Lütisbuecher Wald handle es sich um eine sehr sensible Zone, die im derzeitigen Richtplan als Landschaft von kantonaler Bedeutung eingetragen ist, schreibt die Partei. «Darüber hinaus handelt es sich um das letzte vom Verkehrslärm nicht beeinträchtigte Naherholungsgebiet der Stadt Lenzburg und um einen wichtigen Wildtierkorridor. Dieses Gebiet muss geschützt und erhalten werden.»

Die Stadt Lenzburg habe gerade eine teure Kerntangente erstellt, um dem Mobilitätsbedürfnis der Einwohner der umliegenden Gemeinden Rechnung zu tragen. Lenzburg trage zudem noch in vielen anderen Bereichen Zentrumslasten zugunsten der umliegenden Gemeinden. «Deshalb darf dieses letzte intakte Naherholungsgebiet nicht dem Wunsch nach einem noch schnelleren Zugang zur Autobahn geopfert werden.»

Spange Hornerfeld überarbeiten

Weiter fordert die CVP, dass die Spange Hornerfeld im neuen Richtplan nicht wie vorgesehen den Status «Festsetzung» erhalten solle. Die Spange zerschneide den Siedlungstrenngürtel. Dadurch leiste sie einer erneuten Einzonung Vorschub bzw. diese sei schon geplant. Das stehe im Widerspruch zu den allgemeinen Planungsgrundsätzen, insbesondere zum Grundsatz, dass nicht mehr Land eingezont werden soll als nötig. «Die Lenzburger Bevölkerung hat sich auch immer wieder ablehnend gegenüber Neueinzonungen gezeigt.»

Bessere Strassen – mehr Verkehr

Die Linienführung sei nicht überzeugend, schreibt die CVP, und stelle eine zusätzliche ökologische und ökonomische Belastung für die Stadt und ihre Bewohner dar. Insgesamt fehle der Verkehrsplanung im Richtplan 2011 ein langfristiges Konzept, wie mit dem immer grösseren Verkehrsaufkommen langfristig umgegangen werden solle. «Dass immer stärker ausgebaute Strassen den Verkehr nicht beruhigen, sondern im Gegenteil weiter anschwellen lassen, ist aus vielen Studien bekannt.»

Das Projekt sei so zu überarbeiten, dass der Knoten Neuhof ausgebaut und anstelle einer Spange die Bünztalstrasse um eine weitere Spur verbreitert wird, die zur Autobahn führt und beim Knoten Neuhof direkt weitergeleitet wird. Alternativ sei die Spange innerhalb des jetzigen eingezonten Gebietes zu führen.

GLP ebenfalls gegen Umfahrung

Auch die Grünliberale Partei Bezirk und Stadt Lenzburg ist gegen die «Ostumfahrung»: Aufgrund des ständigen Wachstums im Seetal ist im neuen Richtplan des Kanton Aargau im Gebiet hinter dem Gofi eine neue Strasse vorgesehen, schreibt die GLP in einer Stellungnahme. Die Stadtregierung in Lenzburg gehe davon aus, dass diese vollständig in Form eines Tunnels gebaut wird.

Die GLP gehe jedoch nicht davon aus, dass dies durch den Kanton unterstützt werde, weil damit sehr hohe Kosten verbunden seien, ausser diese Mehrkosten würden durch die Stadt selber finanziert. Die Problematik des zusätzlichen Verkehrsaufkommens erkenne die Partei an, sie hält aber fest, dass keine neuen Strassen gebaut, sondern bestehende Achsen leistungsfähiger gemacht werden müssen. Daher vertrete die GLP die Haltung, dass die bestehende Kerntangente durch gezielte Entflechtungen bei den heutigen Querungen und insbesondere durch eine Neugestaltung des Freiämterplatzes die heute bereits an der Leistungsgrenze angekommene Durchgangsstrasse, massiv erhöht werden muss.

Die GLP setzt sich auf allen Ebenen ein, dass die Ostumfahrung Lenzburg aus dem zurzeit in der Vernehmlassung stehenden Richtplan ersatzlos gestrichen wird. (az)