Österreicher verprügelt Schweizer

Eine Schlägerei im Seetal und Drogen am Steuer kommen den 30-Jährigen teuer zu stehen.

Michael Küng
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Es hätte noch viel teurer kommen können für den 30-Jährigen, der erst seit fünf Jahren in der Schweiz wohnt. Der gross gewachsene Versicherungsberater erscheint vor Gericht von oben bis unten sportlich in Schwarz gekleidet, die dunklen Haare mit viel Gel nach hinten gekämmt. Er und sein Anwalt sind die Einzigen bei der Verhandlung in Lenzburg, Kläger und Staatsanwaltschaft sind nicht anwesend, auf eine Vorladung der Zeugen wurde verzichtet.

Vor über zwei Jahren hat er morgens um fünf in einer Bar im Seetal beobachtet, wie sechs Männer seinen Kollegen an allen vieren aus der Bar tragen. Aufgebracht folgte er ihnen, um seinen Kollegen in Schutz zu nehmen. So weit stimmen die Schilderungen beider Seiten in etwa überein. Weshalb die Männer seinen Kollegen aus der Bar entfernt haben, will er noch heute nicht wissen, sein Kollege verrate es ihm nicht.

Die jungen Männer beschreiben den nun Angeklagten als sehr aggressiv. Während sie schlichten wollten, habe er angefangen zu pöbeln und schliesslich wild um sich geschlagen. In der Folge kam es zu verschiedenen Verletzungen auf beiden Seiten wie einer gebrochenen Nase, Prellungen, einem blauen Auge. Der Angeklagte will die Ausgangslage anders ­herum gesehen haben: er, der Schlichter, die anderen sechs die Provokateure. Doch geschlagen hat er zuerst, das bestätigt er selbst. Die Prügelei endete damit, dass der Angeklagte für einen Tag festgenommen wurde.

Betrunken mit dem Auto durch die Langstrasse

Viel gelernt scheint er nicht zu haben, denn bald darauf wird er an der Zürcher Langstrasse mit knapp einem Promille Alkohol hinter dem Steuer erwischt – nachdem er bereits wegen Kokain zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt worden ist.

In Zürich folgten noch allerlei Beschimpfungen eines Polizisten, der deshalb der siebte Kläger in diesem Fall ist. Die Staatsanwaltschaft forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten mit einer Probezeit von drei Jahren und eine unbedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 130 Franken, zusätzlich zu einer 800 Franken hohen Busse. Eine bedingte Geldstrafe für das Fahren unter Drogeneinfluss (80 Tagessätze à 110 Franken) sei zu widerrufen und mit der neuen Strafe in eine Gesamtstrafe zusammenzuführen.

Dem entgegnete der Anwalt des Angeklagten, eine Geldstrafe von fast 20000 Franken für zwei Fahrten in fahruntüchtigem Zustand seien «stossend unverhältnismässig» (die Geldstrafen betreffen die Verkehrsdelikte, die Gefängnisstrafe für die Schlägerei). Wegen guter Zukunftsprognosen sei die Strafe zu mildern. Der Angeklagte sagt, er konsumiere seit einem halben Jahr weder Drogen noch Alkohol. Darauf wird er regelmässig getestet, nachdem ihm der Fahrausweis auf unbestimmte Zeit entzogen worden ist.

Er kommt glimpflich davon, doch es ist die letzte Chance

Das Gericht verurteilt ihn schliesslich zu 120 Tagessätzen à 120 Franken, davon nur die Hälfte unbedingt. «Die Strafe für die Verkehrsdelikte müsste eigentlich viel höher sein, weil Sie in kurzer Zeit zweimal erwischt worden sind», erklärt Gerichtspräsident Daniel Aeschbach. Angerechnet hat er dem Angeklagten, dass er Reue zeigt – zumal er sich jeweils schon kurz nach den Taten bei den Involvierten entschuldigt hat. «Doch Gewaltdelikte sind hart zu bestrafen, finde ich, deshalb komme ich nicht darum her­um, eine Gefängnisstrafe zu sprechen», schloss Aeschbach.